02.11.2021 - 12:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Trübe Aussichten auf heimischen Apfelsaft: Kaum Obst für die Presse in Sulzbach-Rosenberg

Mit Schwung wuchtet der Mann den schweren Sack auf die Waage. "Wir haben heuer schon rund 600 Kilo Äpfel gebracht", sagt er stolz, und Anni Rösel nickt. Das ist eine Ausnahme - ansonsten sieht es mager aus für die Obstverwertung.

Hier ist die Apfelernte gut ausgefallen - eine Ausnahme in dieser Saison. Die schlechten Ergebnisse bekommt die Obstverwertung zu spüren.
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Es ist relativ ruhig in der Hofgartenstraße in Sulzbach-Rosenberg. Anni Rösel hinter ihrem Schreibtisch denkt noch immer mit Schaudern an 2019, als es praktisch gar kein Obst gegeben hat. Damals machte sie die Obstverwertung gar nicht erst auf. 2020 dagegen lieferten ihre treuen Stammkunden wieder fleißig Äpfel und manchmal sogar Birnen. "Es war ein gutes Jahr. Nicht so gut wie das legendäre 2018, aber ein gutes Jahr", meint die Inhaberin der einzigen Großpresse im Sulzbach-Rosenberger Raum.

Auch heuer laden an der Straßenseite die Kunden ihre Kofferräume oder Anhänger aus, lassen die Äpfel wiegen und schütten sie dann aufs Förderband. Von dort aus fällt das Obst in den Bunker. Zur Zeit aber nur einmal pro Woche schwimmen die Äpfel frühmorgens durch den gefliesten Kanal unterirdisch in die Halle, werden gehäckselt und gepresst. Der Trester fällt über ein Förderband gleich in den Hof hinaus auf einen Haufen. 4500 bis 5000 Liter Saft ergibt so eine Frühschicht, schätzt Anni Rösel.

Saisonschluss am 4. November

Aber das war heuer nicht oft der Fall: „Wir haben vielleicht 10 bis 15 Prozent Aufkommen gegenüber guten Jahren“, schätzt die Inhaberin. Deswegen ist auch am Donnerstag, 4. November, endgültig Schluss mit der Annahme für heuer. Kein gutes Jahr also, aber ein bisschen was geht halt immer, und Anni Rösel wollte ihre treuen Kunden nicht enttäuschen. Deshalb nahm sie am 11. September trotz der trüben Aussichten den Betrieb auf.

"Das Frühjahr war zu kalt, der Sommer mit zu wenig Sonne, und die Äpfel faulten sofort", berichtet Anni Rösel aus der Praxis. Meist herrschte gähnende Leere im Apfelbunker. Die 78-Jährige hat in den letzten Jahrzehnten viel investiert in die Obstverwertung: Neue Presse, neue Abfüllung, Spülmaschine etc. bilden das Herz der Anlage.

Saft zwei bis zweieinhalb Jahre haltbar

Neben dem naturreinen Apfelprodukt hat die Obstverwertung übrigens auch noch sechs andere Geschmackssorten und Mischungen vorrätig. Abgefüllt und etikettiert werden die Säfte in der eigenen Anlage nach einem Tag Ruhezeit und Erhitzung auf 90 Grad in Ein-Liter-Flaschen mit Kronenkorken. Darin ist der Saft zwei bis zweieinhalb Jahre haltbar.

Die Stammkunden kommen aus Sulzbach-Rosenberg, dem Landkreis, der Stadt Amberg, aber auch aus dem Nürnberger Land und dem Vilstal Richtung Schwandorf. Viele von ihnen fahren öfters in der Saison an. Sie bringen in guten Jahren durchschnittlich 100 bis 150 Kilo, manchmal auch bis zu 300 Kilo, auf dem Anhänger mit. Der Kunde zahlt dann noch die Pressgebühr und bekommt das Produkt - wahlweise trüb oder gefiltert - gleich mit.

"Nächstes Jahr wird es wieder besser"

In der Hofgartenstraße wird genau Buch geführt über jedes Kilo Obst, das im Bunker landet. Der Kunde kann einen Teil seines Saftguthabens mitnehmen, der Rest wird gutgeschrieben. Birnensaft veredelt den Apfeltrunk manchmal auch noch zusätzlich. "Die Kunden sollten jetzt ihr Saftguthaben abholen", bittet Anni Rösel. Sie hat schon einige Jahre erlebt, in denen die Ernte sehr schlecht war. Da wurde, wenn auch wenig, aber trotzdem gepresst. Eben genau wie heuer. Aber die fleißige Frau ist optimistisch: "Nächstes Jahr wird es wieder besser. Das ist doch meistens so."

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Stillstand in der Obstverwertung Hirschau

Pragmatisch entschied der Obst- und Gartenbauverein Hirschau. Vorsitzender Roland Maier berichtet: "Ich habe eine Umfrage bei den Mitgliedern gemacht, und sie haben zurückgemeldet, dass die Äpfel zu 80 Prozent wurmig oder faul seien. Wegen der Kosten haben wir dann die Anlage gar nicht erst in Betrieb genommen. Das hätte sich nicht rentiert, wir hätten sonst draufbezahlt."

Auch aus Ensdorf kein Saft

Ähnlich sah es in Ensdorf aus: In der Umweltstation des Klosters bestätigt Jürgen Zach, dass die Quantität der Äpfel zwar da gewesen sei, aber die Qualität dermaßen schlecht, dass ein Start der Press-Saison heuer ausfallen musste. „Ein Pomologe hat uns erklärt, dass heuer einfach sechs Wochen Sonne gefehlt hätten.“ Deswegen bildeten die Äpfel keine Süße aus, und deswegen gab es in Ensdorf auch heuer keinen Saft.

Ursensollen macht am 3. November Schluss

"Mehr Quitten als Äpfel" lieferten die Bürger beim Obst- und Gartenbauverein Ursensollen an, erklärt Maria Hummel. Sie machte ähnliche Erfahrungen wie Anni Rösel in Sulzbach-Rosenberg: Lediglich 10 bis 15 Prozent der sonst normalen Menge kamen in die Presse. Deswegen ist hier auch am 3. November Schluss.

Zugeständnis an Stammkunden in Haselmühl

Zwei Drittel weniger Anlieferungen als normal verzeichnete auch Franz Schön vom OGV Haselmühl in dieser Saison: „Wir haben eigentlich die Obstverwertung nur aufgemacht wegen unserer treuen Stammkunden“, meint er, rentiert habe sich das nicht.

Sogar ein "Resi-Apfel" von der Streuobstwiese

Irlbach bei Hahnbach
Hintergrund:

Zahlen und Fakten aus der Obstverwertung Rösel

  • Zur Geschichte: Seit 1990 betreibt Anni Rösel mit Familie und Aushilfen das Geschäft, das ihr Vater 1974 vom Obst- und Gartenbauverein übernommen hatte
  • Angelieferte Obstmengen: In guten Jahren 4000 bis 5000 Zentner, heuer nur rund 500 Zentner
  • Ausbeute: 100 Kilo Obst ergeben gute 50 Liter Saft

"Das Frühjahr war zu kalt, der Sommer mit zu wenig Sonne, und die Äpfel faulten sofort."

Anni Rösel

Anni Rösel

 

 

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