16.10.2019 - 11:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Upcycling" in Sulzbach-Rosenberg: Zweites Leben für Brautkleider

"Kleider machen Leute", sagt ein Sprichwort. Und das steht keineswegs im Widerspruch zu dem, was Astrid Reyzl macht. Für den sprichwörtlich schönsten Tag im Leben upcycelt sie reizend - oder eben reyzend, um beim Ateliernamen zu bleiben.

Astrid Reyzl mit einem Brautkleid aus dem Jahre 1980, das sie für die Modenschau am 18. und 19. Oktober im Capitol upcyceln wird.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Auf die Idee, aus alten Brautkleidern neue zu machen, kam Astrid Reyzl durch eine Kundin. Die stand bei ihr im Atelier und sagte, sie würde für ihre Trauung das Hochzeitskleid ihrer Mutter anziehen. Astrid Reyzl war davon begeistert: "Das hat ja auch ein nostalgischen Wert", sagt die Schneiderin und Modedesignerin. "Es ist doch für eine Braut ein wunderschönes Gefühl, etwas zu tragen aus demselben Stoff, den schon die Mama oder die Oma getragen haben", schwärmt sie. Von der Ursprungsfassung besagten Kleides blieb allerdings nicht viel übrig. "Wir haben es vielmehr komplett auseinander genommen." Aber selbst die großen Schleifen und die Puffärmel fanden eine neue Verwendung: ein Taufkleid für das Töchterchen von Braut und Bräutigam.

Auch nostalgischer Wert

Die Idee vom Upcycling gefällt Astrid Reyzl total gut. "Das ist doch super", urteilt sie und verweist auf den Gedanken von Nachhaltigkeit. Sie ist überzeugt davon, dass sich aus jedem Material etwas Neues machen lasse. Selbst aus schweren Stoffen, die einst als Vorhänge dienten. "Die sind super für Dirndln, total robust", sagt der Mode-Profi. Vor etwa eineinhalb Jahren kam eine Frau ins Atelier Reyzend und schenkte Astrid Reyzl ihr altes Brautkleid - in der Hoffnung, sie könne es irgendwie verwenden. Und Astrid Reyzl konnte. Das upcycelte Brautkleid führte sie bei der Modenschau im Frühjahr im Capitol vor. Zufällig war die frühere Besitzerin auch da und kam vor der Show auf die Mode-Expertin zu. "Sie hat sich total gefreut, was aus ihrem Brautkleid geworden ist." Selbst für den fünf langen Schleier, hatte Astrid Reyzl eine zündende Idee: Ein ebenfalls an der Modenschau beteiligtes Blumengeschäft bespannte ihn - "so wurde aus dem Schleier ein Sonnenschirm für die Braut", freute Rezyl über die Wiederverwertung.

Upcycling von Brautkleidern im Atelier Reyzend von Astrid Reyzl in Sulzbach-Rosenberg.

Flohmarkt-Schnäppchen

Für die Herbst-Modenschauen am Freitag, 18., und Samstag, 19. Oktober, im Capitol hat die junge Geschäftsfrau vier alte Brautkleider in ihrem Atelier, die sie in modern umändert. Eines davon hat sie selbst auf dem Flohmarkt ergattert, "zu einem Schnäppchenpreis". Die drei anderen brachten ihr Frauen ins Atelier. "Sie sind so ab 1980 aufwärts", sagt sie über das Alter der Hochzeitskleider. Für die letzte Modenschau upcycelte sie eines aus den 1950er-Jahren. "Damals waren die Brautkleider relativ brav, aber mit viel Spitze."

Manchmal kommt ihr beim ersten Blick auf das Kleid schon die Idee. Ein anderes Mal überlegt sie hin und her. Das Brautkleid aus den 1980ern, das sie der Schneiderpuppe einstweilen übergezogen hat, wird definitiv seine Ärmel einbüßen. "Die kommen sofort raus", sagt die Sulzbach-Rosenbergerin. Auch der Stehkragen mit der Spitze wird dran glauben müssen. Genauso die Rüschen am Saum. In der Mülltonne landen die Ärmel aber nicht. "Da lässt sich sicherlich was anderes draus machen", sagt Astrid Reyzl. Spontan fallen ihr Ärmelstulpen oder ein Haarschmuck ein. "Es kann wiederum schlicht sein oder total anders", sinniert die Fashion-Expertin über das zweite Leben jenes Brautkleids.

Gut möglich, dass das upgecycelte Stück nah am Original bleibt. Denkbar aber aus, dass Astrid Reyzl nur ein Detail aus dem Ursprungskleid herauspicken und dieses als Design-Element ins neue einbringen wird. "Teilweise ist das schon eine Riesen-Bastelgeschichte", erzählt sie lachend. Eine, die ihr aber Spaß macht.

Viel Gespür für Stoffe, Mode und Schnitte: Astrid Reyzl bei der Arbeit in ihrem Atelier.
Info:

Royale Hochzeiten setzen Trends in der Mode

Als Lady Diana am 29. Juli 1981 den britischen Thronfolgen Charles heiratete, setzte sie damit auch Maßstäbe in Sachen Mode. Ihr Brautkleid mit der über sieben Meter langen Schleppe genießt Kultstatus. Damals hat es hat heiratswillige Damen weltweit für ihren eigenen schönsten Tag im Leben inspiriert: En Vogue waren plötzlich Puffärmel, opulente Rüschen und riesige Schleifen. „Königliche Hochzeiten haben schon immer Trends vorgegeben“, sagt Astrid Reyzl über royale Influencer.

Bei den Materialarten legte man sich damals nicht fest: Es durfte Satin sein, aber auch Organza, Spitze oder Chiffon, mit Glitzer, ohne Glitzer. Selbst aus Leinen werden Brautkleider gefertigt. . Auch heute noch heiraten viele Bräute in Weiß, wobei die Kleider nicht immer reinweiß sind, sondern vielfach auch in Creme oder Ivory. Gerne würden zarte Pastelltöne wie Rosé oder Apricot sowie sanftes Nude eingearbeitet. Andere wiederum bevorzugen schlichtes Weiß, kombiniert mit einem veritablen Hingucker – in Form einer knallroten Schleife zum Beispiel. „Junge Frauen heiraten schon gerne in Weiß“, so Astrid Reyzls Erfahrung. Die Schneiderin und Designerin, die sich 2010 selbstständig gemacht hat, nähte schon immer gerne. „Das ging schon los, als ich noch ein Kind war“, erzählt sie. Als das Ende der Schulzeit nahte, wusste sie zunächst nicht, was sie nach dem Abi machen wollte. Und entschied sich für eine Ausbildung zur Schneiderin. Handwerklich zu arbeiten, habe ihr schon immer unheimlich gefallen, gesteht sie. „So gesehen bin ich lieber Schneiderin als Designerin.“

Upcycling ist in ihren Augen eine tolle Sache. Aber auch etwas ganz anderes als Kleidung zu entwerfen und anzufertigen. „Man hat etwas, was vorgegeben ist: das Material, aber auch der Schnitt“, sinniert Astrid Reyzl und findet, das sei schon mal ein guter Basispunkt, „mit dem man arbeiten kann“. Und so manches Brautkleid wandert somit nicht in den Müll, sondern tritt erneut vor den Traualtar.

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