30.12.2020 - 15:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Verzicht auf Freunde viel schlimmer als Böllerverbot

Im Corona-Jahr läuft alles anders als gewohnt, so auch Weihnachten und Silvester. Amberger und Sulzbach-Rosenberger erzählen, wie sie das Weihnachtsfest verbracht haben und welche Pläne sie für Silvester haben.

Mit einem Glas Champagner und einer Wunderkerze: So feiern heuer sicher einige Silvester.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Weihnachten war im Corona-Jahr anders als sonst. Es war ein Weihnachten, das viele im kleinen Kreis oder gar alleine feiern mussten. Viele mussten auf Feiern mit Freunden, auf den Kirchgang, auf Reisen, auf Besuche im Restaurant oder sogar auf Geschenke verzichten. Doch wie geht es den Menschen damit? Vor allem mit dem bevorstehenden Jahreswechsel und ohne Silvester- Party? Sulzbacher haben uns erzählt, wie sie Weihnachten gefeiert haben und den Silvesterabend verbringen.

"Weihnachten konnten wir dieses Jahr nicht ganz so groß zusammen feiern", erzählte der neunjährige Johannes Ertl aus Sulzbach, der am Mittwoch mit seinem jüngeren Bruder Sebastian (6) und seinem Papa Daniel am Luitpoldplatz unterwegs war. Die zwei Buben feierten Weihnachten mit ihren beiden Großeltern-Paaren auf die zwei Weihnachtsfeiertagen aufgeteilt: "Wir konnten nicht viele Verwandte einladen und wenn, dann mussten sie ja früher nach Hause gehen." Silvester wird bei den Ertls ähnlich wie Weihnachten sein. Daniel Ertl sagt dazu: "Wir sind wie jedes Jahr zu Hause. Mit Kindern kann man schlecht um die Häuser ziehen." In den Jahren davor haben sie mit befreundeten Familien zusammen gefeiert. Das geht heuer leider nicht: "Wir sitzen alle im gleichen Boot. Wenn wir uns alle zusammenreißen, dann wird das wieder alles." Nichtsdestotrotz freuen sich die drei Sulzbacher auf Silvester. Der Familienvater erklärt dazu: "Es ist nicht schlimm. Wir sind eh keine Fans vom Böllern."

Daniel Ertl (mitte) und seine Söhne Sebastian (6) (links) und Johannes (9) (rechts) haben Weihnachten im familiären Kreis verbracht. Silvester wird bei ihnen ähnlich in kleiner Runde gefeiert.

Der Sulzbacher Georg Schaller (86) hat das Weihnachtsfest gemütlich mit seiner Frau daheim genossen: "Ich habe Weihnachten ganz schön verbracht. Zusammen mit meiner Frau habe ich mir die Christmette von Rom im Fernsehen angeschaut." In den Jahren zuvor waren immer seine fünf Enkel mit Familie und den fünf Urenkeln zu Besuch. "Da war immer was los. Aber es ist jetzt wegen Corona ganz wichtig, zu Hause zu bleiben", erklärt der 86-Jährige. Auch Silvester hat er in den Vorjahren zusammen mit Freunden gefeiert: "Früher kamen sechs bis acht Leute zu Besuch. Dieses Jahr bin ich alleine mit meiner Frau." Der gelernte Schuhmacher freut sich aber schon auf den Silvesterabend. Er verrät mit einem Lächeln: "Es wird saure Bratwürste geben und dann schauen meine Frau und ich, was so im Fernsehen kommt. Das wird ganz gemütlich dieses Jahr."

Der Sulzbacher Georg Schaller (86) hat Weihnachten gemütlich zu Hause mit seiner Frau gefeiert. Silvester verbringen sie genauso gemütlich.

Für Gabriele Schötz (62) war Weihnachten heuer sogar stressiger als sonst. Die Sulzbacherin übernimmt im katholischen Pfarramt St. Marien den Ordnerdienst für die Christmette: "Heuer war die Arbeit stressiger wegen Corona. Es gibt mehr Schreibarbeit im Vergleich zu den Vorjahren." Nach der Christmette hat für die 62-Jährige und ihrem Mann, der Meßner ist, Weihnachten erst richtig begonnen. Aber auch das Ehepaar musste alleine feiern: "Sonst kommen immer Bekannte, heuer ging es halt einfach nicht. Aber am zweiten Weihnachtsfeiertag sind dann meine Kinder mit Familien gekommen." Silvester verbringt sie ebenfalls mit ihrem Mann. Aber es fehlt ihr, mit den Freunden und der Familie zusammen zu feiern: "Es ist nicht schön, aber was soll man machen? Es ist alles anders heuer. Wir werden es aber trotzdem überleben."

Das Weihnachtsfest war für Gabriele Schötz (62) heuer stressiger. Wegen Corona gibt es für den Ordnerdienst für die Christmette mehr Schreibarbeit im katholischen Pfarramt St. Marien.

Emma Härtel muss bei der Suche nach einer Antwort nicht sehr lange überlegen. Die Frau aus Igendsorf im Landkreis Forchheim verkauft ihre Produkte auf Wochenmärkten. Nicht nur in Amberg, sondern zum Beispiel auch in Weiden und Bamberg: „Wir dürfen unserer Arbeit nachkommen und sind jeden Tag woanders. Hinter uns liegen ganz normale Arbeitswochen.“ Deswegen habe es gutgetan, an Weihnachten mal drei Tage durchzuschnaufen: „Mir hat da nichts gefehlt.“ Von Corona habe sie nicht viel mitbekommen, wenn man von der Pflicht, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, einmal absieht. Am kommenden Samstag steht Emma Härtel wieder in Amberg auf dem Marktplatz: „Dann ist Silvester vorbei und es ist wieder Samstag und ein Arbeitstag.“ Für sie gelte zum Jahreswechsel das Gleiche wie an Weihnachten: „So, wie es ist, ist es für mich okay.“

Emma Härtel (links) verkauft Produkte auf dem Wochenmarkt in Amberg.

Eva Holler sieht das ähnlich. Die Ambergerin ist 88 Jahre alt und sagt: „Weihnachten war so wie immer. Wir haben auf nichts verzichten müssen. Wir haben uns um 16 Uhr mit unserer Tochter getroffen und gefeiert, bevor es vor 21 Uhr wieder ganz brav nach Hause ging.“ Aber dennoch relativiert die Seniorin: „Was fehlt, ist das Kartenspielen mit Freunden.“ Vor dem erneuten Lockdown traf sie sich regelmäßig zum Skat oder Schafkopf. Das ist jetzt so nicht möglich und stimmt sie nachdenklich: „Ich habe nicht mehr so viel Zeit und weiß nicht, wie oft wir uns noch werden treffen können. Das geht mir schon ab.“ Nicht aber die Party an Silvester, denn Eva Holler war und ist keine von denen, die das neue Jahr mit einem Feuerwerk begrüßen. Ganz im Gegenteil: „Ich bin oft erschrocken, wenn die Leute nachmittags schon geböllert haben. Das kommt ja immer wie aus dem Nichts.“ Das wird sie nicht vermissen. Aber sie denkt auch an die jungen Leute: „Die tun wir schon leid. Keine Kneipen offen, keine Discos. Nichts!“

Eva Holler vermisst das Kartenspielen mit Freunden.

Michael Belmer ist 30 Jahre jung und fühlt sich von Eva Hollers Aussage nicht angesprochen: „An Weihnachten hat mir nichts gefehlt. Ich habe mit meinen Eltern und meiner Schwester zu Hause den Tag genossen. Von daher war es wie jedes Jahr.“ Einzige Ausnahme: Es war unmöglich, Freunde zu treffen, die nicht mehr in der Region leben und nur an Weihnachten, zum Altstadtfest oder zum Bergfest kurz zurückkehren: „Das war alles nicht möglich. Einige Freunde sieht man heuer gar nicht.“ Dass auch an Silvester Verbote bestehen, stört ihn nicht: „Vor zehn Jahren hätte ich noch gesagt, da fehlt was, aber ich muss nicht mehr von Club zu Club ziehen.“ Stattdessen verbringt er den Jahreswechsel so: „Ich werde mit meiner Freundin zu Hause reinfeiern.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Es gibt Schlimmeres.“

Michael Belmer.

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