Es war ein Planspiel der besonderen Art: Schüler des HCA-Gymnasiums simulierten eine Bundestagsdebatte über die Wehrpflicht. Doch was bei diesem Planspiel besonders auffiel, war nicht nur das detaillierte Fachwissen der Schüler, sondern die Entschlossenheit, in politischen Fragen mitzureden. Fabia Koch (17), Hannah Poeplau (16) und Vincent Baier (17) gehören zu einer Generation, die sich nicht einfach mit der politischen Situation abfindet, sondern eine klare Haltung bezieht und in politische Diskussionen einbringt. Sie wollen gehört werden – und sie wissen, wovon sie sprechen. Das zeigte ein Gespräch mit den Jugendlichen am HCA-Gymnasium.
„Ich würde sagen, der wichtigste Punkt ist, dass alles weiterhin auf Freiwilligkeit basiert und dass keiner gezwungen wird, zur Bundeswehr zu gehen“, betont Fabia Koch. Stattdessen zeigt sie sich offen für Kompromisslösungen. „Ein freiwilliges Gesellschaftsjahr finde ich ziemlich gut“, erklärt sie. So wie es etwa der von den 70 Schülern erarbeitete Gesetzentwurf des Planspiels vorsieht: „Es wird ein für alle Jugendlichen verpflichtendes soziales Jahr eingeführt, welches in den Bereichen der Bundeswehr, öffentlicher und sozialer Arbeit sowie im Katastrophenschutz absolviert werden kann.“ Die 16-jährige Hannah findet, dass man sich natürlich im Ernstfall verteidigen können müsse. Aber auch sie sagt, es sollte niemand gezwungen werden, einen Wehrdienst zu leisten. „Es hat ja einen Grund, warum jemand sagt: ,Ich möchte nicht zur Bundeswehr.‘“
Vincent Baier, der als einer der ersten Jahrgänge gilt, der mit der Wehrpflicht wieder konfrontiert werden könnte, hat ebenfalls eine klare Meinung: „Ich war schon vorher skeptisch gegenüber der Wehrpflicht, das hat sich nach dem Planspiel nicht geändert“, sagt der 17-Jährige. Deshalb findet der Sulzbach-Rosenberger die grundsätzliche Perspektive für ein freiwilliges oder verpflichtendes Gesellschaftsjahr ansprechender. Der Fokus liege aktuell ja sehr stark auf dem Militär. „Ich glaube, das bringt der Gesellschaft nicht so viel. Man sollte den Fokus mehr auf soziale Einrichtungen richten“, sagt Vincent Baier.
Braucht es so viele Soldaten?
Außerdem bringt der 17-Jährige ein anschauliches Beispiel an, das die veränderte geopolitische Lage und die technologische Entwicklung unterstreicht: „Die Zukunft liegt mehr in der in Technologie. Wenn man sich den Krieg in der Ukraine anschaut: Eine 10.000-Euro-Drohne kann locker einen Zehn-Millionen-Euro-Panzer zerstören.“ Da stelle sich die Frage: Braucht es wirklich so viele Soldaten an der Front oder sollte Deutschland besser in moderne Verteidigungstechnologien investieren.
Das Planspiel selbst war für alle Beteiligten eine wertvolle Erfahrung. Hannah Poeplau hebt hervor, wie wichtig es ist, auch mal in die Rolle der Politik zu schlüpfen: „Es hilft auf jeden Fall, so ein Planspiel mal selbst mitzuspielen. Da versteht man, wie es in einer Fraktion zugeht.“ Wenn man nicht der gleichen Meinung ist, gebe es intensive Diskussionen, so die 16-Jährige. Auch Fabia Koch kann so dem Planspiel viel abgewinnen, weil es „schon ziemlich realitätsnah“ sei.
Die Schüler des HCA-Gymnasiums sind sich nicht nur einig, dass die Wehrpflicht nicht die Antwort auf die politischen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft ist. Stattdessen möchten sie, dass die junge Generation in politische Entscheidungen mit einbezogen wird. Vincent Baier betont: „Es wird oft behauptet, die Jugendlichen sind nicht reif genug oder sind uninformiert, die wollen gar nicht mitmachen. An dem Planspiel, das wir durchgeführt haben, sieht man, dass es nicht so ist.“ Er findet, dass die Jugend alleine schon aufgrund der Tatsache, dass sie betroffen sei, mitsprechen dürfe und müsse. Deswegen macht sich der Schüler etwa auch für ein Wahlrecht ab 16 Jahren stark.
"Wichtig, dass man hinhört"
Zuspruch erhält der 17-Jährige von seinem Lehrer Tobias Grieb: „In der Debatte um das Wehrpflichtgesetz war immer der Punkt: Die jüngere Generation müsste gehört werden.“ Wenn man sich den Altersschnitt im Bundestag und die Experten in der Talkshow betrachte, dann sei es schon so, dass die Jugend zu wenig vertreten gewesen sei. Dabei sei die Wehrpflicht ein Thema, wo der Lebensbezug wirklich vorhanden sei. „Deswegen ist es schon wichtig, dass man hinhört, was die Jugend sagt und nicht so in unserer Gerontokratie – das Wort habe ich letzte Woche gelernt – einfach über die Köpfe hinweg entschieden wird“, erklärt der 40-Jährige. Die Schüler Hannah Poeplau, Fabia Koch und Vincent Baier haben in jedem Fall eine klare Meinung und gute Vorschläge zum Thema Wehrpflicht.


























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