Sulzbach-Rosenberg
29.07.2018 - 18:36 Uhr

"Weil wir alle Heilige sind"

„Es ist weit mehr, was uns verbindet, als was uns trennt.“

Zum Abschluss des ökumenischen Gottesdienstes auf dem Annaberg segneten Kaplan Daniel Fenk und Dekan Karlhermann Schötz gemeinsam die Gemeinde. cog
Zum Abschluss des ökumenischen Gottesdienstes auf dem Annaberg segneten Kaplan Daniel Fenk und Dekan Karlhermann Schötz gemeinsam die Gemeinde.

(cog) Dekan Karlhermann Schötz schaute auf eine fast unübersehbar große Gemeinde zum ökumenischen Gottesdienst auf dem Annaberg. Eng miteinander verbunden, im Leben und Sterben, waren auch die vier Lübecker Märtyrer, derer im Gottesdienst gedacht wurde.

Die vier Lübecker Märtyrer, das sind die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange, dazu der evangelische Pastor Karl-Friedrich Stellbrink; sie nannten gemeinsam das Unrecht der Nazis beim Namen, erlitten Folter und Gefängnis, dann wurden sie von Nazi-Richtern verurteilt und am 10. November 1943 hingerichtet. „Es gibt keinen Beleg dafür, dass die vier Lübecker Geistlichen das Wort Ökumene jemals gebraucht hätten“, sagte Dekan Schötz, „aber sie haben die Ökumene gelebt.“

Vikar Stefan Fischer, die Diakoninnen Irene Elsner und Sabrina Schmidt, Klaus Köstler, Andreas Schober vom Pfarrgemeinderat St. Marien und Günter Schultheiß vom Kirchenvorstand der Christuskirche stellten die Märtyrer vor. Für jeden stand der Glaube an Gott im Vordergrund, nicht die eigene Konfession.

Auch Norbert Roth, Pfarrer an der Bischofskirche St. Matthäus in München, ging auf die vier Lübecker ein, als er in seiner tiefgründigen Predigt der Frage nachspürte, was Heilige seien und ob jeder Mensch ein Heiliger sei. Er erinnerte an die Märtyrer aus Lübeck, die aus Liebe zu Gott und ihren Mitmenschen den höchsten Preis zahlen mussten, den man zahlen kann, das eigene Leben.

In der frühen Kirche wurden Christenmenschen, denen wegen ihres Glaubens das Leben genommen wurde, als Heilige verehrt. „Doch was macht sie zu Heiligen?“, fragte Roth. Der Prediger erklärte ganz evangelisch, dass nicht das, was jemand tut oder lässt, ihn zu einem Heiligen macht, sondern „weil wir Heilige sind, können wir Dinge tun oder lassen“. Die vier Märtyrer von Lübeck und alle anderen Heiligen seien nicht erst durch ihren Tod zu Heiligen geworden, sondern sie seien gestorben, weil sie bereits Heilige waren.

Die Antwort auf die Frage, wer ein Heiliger ist, gebe Jesus im Johannesevangelium, wenn er sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Der Prediger erklärte es so: „Heute, sagt Christus, bist du eine Beere in der Traube der Gemeinschaft der Heiligen. Die Gemeinschaft der Heiligen – das sind die, die wissen, wer sie in Christus sind. Das macht uns alle zu Heiligen. Und deswegen ist heute bei über 30 Grad auch schon der 1. November. Ein großes Sommerfest aller Heiligen.“

In ökumenischer Verbundenheit trugen Hermann Dehling, Daniela Kohl und Johanna Wirth die Fürbitten vor. Sie baten für die verfolgten Christen in aller Welt und darum, dass Gott den Verantwortlichen immer wieder neue Kraft und Zuversicht geben möge, weitere Schritte zur Einheit der Christen zu wagen.

Kaplan Daniel Fenk dankte als Vertreter für den erkrankten Dekan Walter Hellauer allen Mitwirkenden an diesem bewegenden Gottesdienst, insbesondere dem Posaunenchor unter der Leitung von Doreen Deyerl, Kirchenmusiker Steffen Kordmann und Kantorin Sabine Morgenschweis. Dann überreichte er dem Prediger Roth als Zeichen des Dankes die Regensburger Sonntagsbibel. Schließlich segneten Kaplan Fenk und Dekan Schötz gemeinsam die Gemeinde.






 
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