(ge) Die Handwerker sind sehr unzufrieden mit der Politik: Datenschutz, Überregulierung, ungerechte Steuern. Karl Standecker fungierte als Gastgeber für die Schreiner-Innung Amberg. Auf dem Podium: Alexandra Sitter (Freie Wähler), Uwe Bergmann (SPD), Jürgen Mistol (Grüne), Wolfgang Berndt (Die Linke) und Klaus Mrasek (ÖDP), Kandidaten für den Landtag, Henner Wasmuth (CSU) und Christian Weiß (FDP) für den Bezirkstag.
Standecker konfrontierte sie zunächst mit der Bürokratisierung und überbordenden EU-Dokumentationspflichten. Das werde auch in der Verwaltung immer schlimmer, bestätigte Alexandra Sitter als Bürgermeisterin. Die Entbürokratisierung komme überhaupt nicht voran, im Gegenteil. "Was man uns da angetan hat, ist eine Katastrophe" - die Freien Wähler wollten das ändern. Jürgen Mistol forderte, alle Vorschriften müssten auf den Prüfstand. Klaus Mrasek verwies auf den Verbraucherschutz, etwa bei Haustürgeschäften. Daten vor großen Konzernen zu schützen, sei schon in Ordnung.
Große dürfe man nicht mit Kleinen vergleichen, unterstrich auch Wolfgang Berndt. Uwe Bergmann meinte: "Großteils sind wir selber schuld an dieser Entwicklung, weil ständig gegen alles vor Gericht geklagt wird." Es werde zu recht viel geschimpft, bestätigte Christian Weiß. Der Schreibkram müsse auch auf die Betriebsgröße abgestimmt werden. Henner Wasmuth regte eine Überprüfung der nötigen und unnötigen Dokumentationen an. Aus dem Publikum erhoben sich Stimmen, die den Interessensvertretern der Handwerker auch Eigenverschulden zuwiesen: "Da wurde zu lange geschlafen, da sind keine Profis am Werk."
"Die beste Integration ist die durch Arbeit", leitete Uwe Bergmann auf den Fachkräftemangel über. Es müsse nicht jeder studieren, meinte er zur Auszubildenden-Misere. Christian Weiß brachte eine Meister-Prämie als Weiterbildungsanreiz ins Spiel, ebenso Bafög und kostenlose ÖPNV-Tickets für Azubis. Jürgen Mistol betonte die Notwendigkeit lebenslangen Lernens und der Zuwanderung. "Aus Tschechien wird bald keine Fachkraft mehr kommen!"
Deutlich hinter den Meistertitel stellten sich die meisten der sieben Diskutanten, die erfahrenen Gesellen die Leistungen nicht absprechen wollten, aber trotzdem den Handwerksmeister als unverzichtbar sahen. Über massive Schikanen durch Betriebsprüfer berichteten einige Handwerker voller Wut und Unverständnis, zumal meist nur Kleinbeträge festgestellt würden, nach oft monatelanger Filz-Arbeit. Am Ende stand der klare Aufruf von Karl Standecker, sich für die Handwerker einzusetzen und ihnen das Leben durch immer mehr Regularien nicht ständig schwerer oder gar ganz unmöglich zu machen. "In 100 Tagen lade ich Sie alle wieder ein, dann schauen wir, ob unsere Gäste was erreicht haben für uns."













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