23.08.2018 - 15:24 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Zuversicht in größter Gefahr

Leben und arbeiten in Todesgefahr – für die meisten unvorstellbar. Nicht so für Marianne und Georg Taubmann. Seit 35 Jahren leisten die beiden Sulzbach-Rosenberger Aufbauarbeit in Pakistan, Afghanistan und Irak.

SNI-Direktor Georg Taubmann (links) und stellvertretender Direktor Dieter Drexler stellen der SRZ im Shelter-Büro in Rosenberg das neue Buch "Zurück in Kabul" vor.
von Autor RLÖProfil

Darüber – und auch über die viermonatige Geiselhaft Taubmanns und etlicher seiner Mitarbeiter bei den radikalislamischen Taliban – berichtet nun ein neues Buch: „Zurück in Kabul“. Spannender als jeder Krimi, weil authentisch und wahr.

Dieses Buch ist die Fortsetzung des inzwischen vergriffenen Bestsellers „Gefangen in Kabul“, der die dramatische Entführung und Geiselnahme der acht Shelter-Mitarbeiter in Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 und die Befreiung in letzter Minute durch amerikanische Spezialstreitkräfte schildert. Aber „Zurück in Kabul“ liefert noch viel mehr, nämlich eine Zusammenschau aller bisherigen Aktivitäten von Shelter Now International, beginnend bei den bescheidenen Anfängen 1983 in Pakistan bis heute, wo unter anderem die prekäre Not in den Flüchtlingslagern im Nordirak (Kurdistan) den ehrenamtlichen Helfern alles an Einsatz abverlangt.

Bei seinem letzten Heimataufenthalt in Sulzbach-Rosenberg stellte Georg Taubmann im Shelter-Büro im Stadtteil Rosenberg das neue Buch der SRZ vor. Der Name „Shelter“ – das englische Wort für Schutzdach oder Zuflucht – bezeugt zugleich die Philosophie der internationalen Hilfsorganisation: „Chritliche Nächstenliebe“, so Georg Taubmann, „bedeutet für uns eben auch, den Ärmsten der Armen zu essen und zu trinken zu geben und ein Dach über dem Kopf“. Shelter Now International (SNI) begann 1983 mit der Arbeit in Pakistan unter afghanischen Flüchtlingen, die vor der russischen Invasion 1979 und dem Mudschaheddin-Regime geflohen waren. Die Organisation hat seither zehntausenden von Flüchtlingen geholfen. Seit 1989 ist SNI in Afghanistan beim Wiederaufbau des Landes beteiligt. Weitere Projekte sind in Kurdistan angesiedelt.

Heute ist SNI eine internationale christliche Hilfs- und Entwicklungsorganisation mit Hauptsitz in Sulzbach-Rosenberg und nationalen Büros in Braunschweig, Australien, Großbritannien, Holland und den USA. Ihre Mitarbeiter kommen weltweit aus bis zu 30 Ländern. In Afghanistan ist SNI in acht Provinzen mit Büros in Kabul, Herat und Faizabad tätig, ein Shelter Now-Team in Erbil koordiniert die Projekte in Kurdistan/Nordirak. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen neben der aktuellen Nothilfe für Flüchtlinge und Opfer von Erdbeben und Flutkatastrophen auf landwirtschaftlichen Projekten, Unterstützung einheimischer Landwirte und Kleinunternehmer durch Mikrokredite, auf Baumaßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur (Straßen, Brücken, Kliniken, Brunnen- und Toilettenbau, Trinkwasserversorgung, medizinische Projekte) sowie auf Bildung und Ausbildung.

Bei dieser humanitären Mammutaufgabe ist Shelter Now International stets auf internationale Solidarität und Spendenbereitschaft angewiesen. Wer mithelfen möchte, die oft aussichtslos erscheinende Situation der Menschen in Afghanistan und Nordirak zu verbessern, kann auf folgendes Konto spenden: Shelter Now International, Sparkasse Amberg-Sulzbach, BIC: BYLADEM1ABG, IBAN: DE87 7525 0000 0021 1513 29.

Zur Motivation für seine Arbeit schreibt Georg Taubmann in dem Buch „Zurück in Kabul“ unter anderem: „Es gibt zurzeit kein Volk, das so viel gelitten hat wie die Afghanen. Seit 1979 herrscht Krieg in diesem Land, das schon vorher eines der ärmsten Länder gewesen ist. Bald werden es 40 Jahre sein, in denen die Menschen dort nichts als Wellen von Gewalt, Tod und Zerstörung erlebt haben. Die Menschen, die in ihrem Land geblieben sind, machen einfach weiter, wo die meisten Menschen aufgegeben hätten. Viele haben trotz des Schreckens und des Leides ihren Lebensmut und die Hoffnung nicht verloren, dass es eines Tages Frieden geben wird.

Was Menschen in Not tröstet und was sie brauchen, ist, dass andere an ihrer Seite bleiben. Viele sind gekommen, als das Taliban-Regime gestürzt wurde, doch die meisten haben sie wieder alleine gelassen. Wir glauben mit ihnen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis in Afghanistan wieder Frieden herrscht. Momentan sieht es nicht so aus, und die Kämpfe sind schlimmer geworden. Die Taliban kontrollieren wieder große Teile des Landes. Doch wir wissen auch, dass kurz bevor die Sonne aufgeht, die Nacht am dunkelsten ist. Möge die Sonne bald wieder über diesem Land aufgehen“.

Info:

Der ehemalige Bundesarbeits- und Sozialminister Dr. Norbert Blüm zählt zu den prominenten Unterstützern von Georg Taubmann. In seinem Vorwort zum neuen Buch „Zurück in Kabul“ schreibt er unter anderem: „Georg Taubmann? Ich kenne ihn nicht nur vom Hörensagen und aus öffentlichen Berichten. Ich bin mit ihm abenteuerlich von Peshawar über den Khyberpass nach Kabul gereist… wie Taubmann Todesnot in der Geiselhaft überwunden hat, wie er den Wiederaufbau des zerstörten Werkes bereits vier Monate nach der Befreiung in Angriff nahm, welches Glück der Gnade er dabei hatte, lesen Sie in diesem spannenden Buch. Ich habe von Georg Taubmann viel gelernt. Von seiner Tapferkeit möchte ich mir eine Scheibe abschneiden. Seine Zuversicht ist ungebrochen: „Siebenmal hinfallen, siebenmal aufstehen“ empfiehlt schon die Bibel“.

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