23.07.2020 - 10:22 Uhr
TännesbergOberpfalz

Tännesberg: Heuer keine Wallfahrt gegen die Seuche

Immer am vierten Wochenende im Juli lockt die Pferdewallfahrt viele Besucher an. Erstmals nach 43 Jahren legt der St.-Jodok-Ritt eine Pause ein. Dass das Gelübde aufgrund einer Pandemie nicht erfüllt werden kann, ist Ironie des Schicksals.

Eine Aufnahme aus längst vergangenen Tagen, der Feldgottesdienst wurde damals unterhalb der Wallfahrtskirche St. Jodok abgehalten.
von Rebekka FischerProfil

Der St.-Jodok-Ritt zur Tännesberger Wallfahrtskirche ist auf ein Gelübde der Tännesberger Bürger und Bauern aus dem Jahr 1796 zurückzuführen. Patron des Waldkirchleins ist Jodok, Heiliger für Krankheiten bei Mensch und Tier. Jedes Jahr am vierten Wochenende im Juli lockt die Pferdewallfahrt zahlreiche Besucher nach Tännesberg. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass die Wallfahrt trotz einiger Unterbrechungen immer wieder neu belebt wurde.

Ross und Reiter prägen den St.-Jodok-Ritt

Tännesberg

Die Wallfahrtskirche war auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. 1690 wütete die Pest in Wien. Mit einem großen Kreuz machten sich Wiener Bürger auf und pilgerten zur Jodok-Kirche. Dort angekommen erhielten sie die Nachricht, dass ihr Gebet erhört wurde und die Pest zu Ende war. Aus Dankbarkeit ließen die Pilger das Kreuz zurück, welches heute noch zu sehen ist.

Die Wurzeln des St.-Jodok-Ritts liegen im Jahr 1796, als in Tännesberg eine schwere Viehseuche grassierte und in kurzer Zeit 200 Stück Hornvieh der Seuche zum Opfer fielen. Bei dem früheren Besitzer des heutigen „Zeugmacherhaus“ überlebte damals die erste Kuh. Voller Dankbarkeit wurde ein Marterl zu Ehren des heiligen Wendelin, Heiliger für Viehkrankheiten errichtet. Dieses Mahnmal existiert noch heute und ist an der Oberviechtacher Straße in Richtung Jodokkirche zu finden. Die Tännesberger gelobten aus diesem Anlass, jährlich eine feierliche Prozession zur St.-Jodok-Kirche abzuhalten.

Irgendwann jedoch unterblieb diese Tradition, der St. Jodok-Ritt soll sogar aus nicht geklärten Gründen verboten worden sein. 1949 wurde der St. Jodok-Ritt nach alter Tradition von Pfarrer Friedrich Reichl und dem Heimatpfleger Karl Eckl wieder zum Leben erweckt. Neben der Erfüllung des alten Gelübdes auch aus Dankbarkeit, dass ihre Heimat von all den grausamen Schrecken des Zweiten Weltkriegs verschont blieb. Die Pferdewallfahrt fand bis 1964 jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juli statt.

Aus Mangel an Pferden, aber auch wegen der zunehmenden Baufälligkeit der Wallfahrtskirche konnte der St. Jodok-Ritt nicht mehr durchgeführt werden. Im Frühjahr 1976 wurde dann mit der Renovierung des Gotteshauses begonnen. Viele Spenden und unzählige Arbeitsstunden von Freiwilligen ließen das Waldkirchlein, das im Volksmund „Gost“ genannt wird, in neuem Glanz erstrahlen. Am 17. Oktober 1976 weihte Abt Anastas aus Rohr die Kirche. Damit waren die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Pferdewallfahrt erfüllt. Nach einer Unterbrechung von 13 Jahren hatte sich die Marktgemeinde 1977 zur Aufgabe gemacht dieses Brauchtum mit neuem Leben zu erfüllen. Fortan wurde der St.-Jodok-Ritt wieder jedes Jahr durchgeführt, der kirchliche Teil stets traditionell mit einem Feldgottesdienst direkt an der Wallfahrtskirche. Der weltliche Teil mit Festzelt oder auch im Rahmen eines historischen Markttreibens, zuletzt meist in Form eines Bürgerfestes.

Die Prozession führte damals schon vom Marktplatz aus über die heutige Oberviechtacher Straße nach St. Jodok.
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