13.06.2019 - 11:34 Uhr
Oberpfalz

Tempo, Taktik, Träume - Leistungssport im Rollstuhl

Bei den Rollactiv-Baskets Oberpfalz drücken die Sportler aufs Tempo. Mit Ehrgeiz jagen die Rollstuhlbasketballer aus Weiden, Amberg, Schwandorf, Roding und Regensburg ihrem Ziel hinterher: dem Aufstieg in die Oberliga Süd.

Sie geben ordentlich Gas: Die Rollactiv-Baskets Oberpfalz haben das Rollstuhl-Basketball perfektioniert - und sind ein eingespieltes Team.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Das Team bilden sowohl Fußgänger als auch Menschen mit Handicap. Passen, blocken, Körbe werfen. Nur laufen, das geht nicht. Beim Rollstuhlbasketball fahren die Spieler – teilweise in einer rasenden Geschwindigkeit – auf zwei Rädern über das Spielfeld. Wer auch im Alltag auf den Rollstuhl angewiesen ist und wer nicht, das ist auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen. Hier spielen sogenannte Fußgänger mit Menschen mit Handicap zusammen, geschenkt wird sich gegenseitig nichts. „Das Schöne an diesem Sport ist, dass er absolut körperbetont ist. Er hat eine bestimmte Härte und man bewegt sich extrem schnell“, sagt Stefan Kessler, Trainer der Rollactiv-Baskets Oberpfalz.

Team aus "Fußgängern" und Rollstuhlfahrern

Nicht nur bei den Ligaspielen, auch im Training der Roll- activ-Baskets – heute in der Turnhalle des Weidener Kepler-Gymnasiums – geht es schnell zu. Immer wieder bewegen sich die Spieler in ihren Sportrollstühlen in einer beeindruckenden Geschwindigkeit über das Spielfeld, nehmen sich gegenseitig den Ball ab, werfen diesen in einen der beiden Körbe. Wer bei Rollstuhlbasketball zunächst einmal an Inklusion und gemütliches Bällewerfen denkt, der liegt komplett falsch. Hier hat man es mit einem echten Leistungssport zu tun, der die Spieler schnell an ihre Grenzen bringen kann. „Wenn ich erzähle, dass ich Rollstuhlbasketball spiele, dann sagen die Leute oft, wie toll sie mein soziales Engagement fänden“, erzählt Anna Sedelmaier und lacht. „Viele kennen das gar nicht, dass man auch als Fußgänger Rollstuhlbasketball spielt. Für mich ist das ein Sport wie für andere eben Tennis, Fußball oder Reiten.“ Fußgänger, so werden hier die genannt, die im Leben außerhalb des Spielfelds nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind. Für sie ist dieser einfach ein Sportgerät. „Beim Rollstuhlbasketball muss man nicht nur mit dem Ball, sondern auch mit dem Rollstuhl umgehen können“, sagt Andreas Betzlbacher, ebenfalls einer der Fußgänger in der Mannschaft. „Und das macht ja auch die die Herausforderung in diesem Sport aus.“

17 Spieler stehen im Kader

„Die Stühle nicht so eng stellen! Pass! Kreuzen! Defense!“ Trainer Stefan Kessler hat seine Augen immer bei seinen Spielern, geschont wird hier niemand. „Ich behandle alle gleich schlecht“, sagt er und lacht. „Egal ob Frau oder Mann, Fußgänger oder Rollstuhlfahrer.“ Schließlich will er seine Mannschaft von der Bayernliga in die Oberliga Süd bringen. Die Chancen stehen gerade mehr als gut. Rund 20 Spieler trainieren regelmäßig bei den Rollactiv-Baskets, 17 davon sind im Kader. „Es war schon lange ein Ziel von mir, die ganzen kleinen Grüppchen aus den verschiedenen Städten zu einer großen Mannschaft zusammenzufassen“, erzählt Stefan. „Im Mai 2016 hat das dann auch geklappt. Deswegen macht es mir gerade am meisten Spaß zu sehen, wie hier Schwandorfer, Amberger, Weidener, Rodinger und Regensburger zusammen spielen. Das ist schon eine tolle Sache.“ Das finden auch die Spieler, viele von ihnen trainieren mehrmals die Woche. Einer von ihnen ist auch Jürgen Weiß, der ursprünglich vom RSC Amberg kommt und auch dort noch als Vorstand aktiv ist. „Es schaut vielleicht zunächst etwas wild aus, wenn es da kracht und scheppert“, sagt er mit einem Blick auf das Spielfeld und lacht. „Aber das gehört einfach dazu. Auf dem Feld schenken wir uns nichts, aber danach gehen wir zusammen einen trinken.“

Ball in die Hand und ab Richtung Basketballkorb.

Jürgen erfuhr mit 17 nach einem Verkehrsunfall, dass er den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen wird. Genauso wie Stefan. Beide fingen schon in der Reha mit dem Rollstuhlbasketball an – und blieben später auch dabei. „Über diesen Sport habe ich ganz viele Leute kennengelernt, die das gleiche Handicap haben wie ich“, erzählt Jürgen. „Von ihnen konnte ich viel lernen und mir vieles abschauen.“ „Der Sport war damals für mich der Motivator“, sagt auch Stefan. „Denn man hat gemerkt, dass man auch im Rollstuhl aktiv sein kann.“ Inzwischen ist nicht nur der Rollstuhl fester Bestandteil seines Lebens, sondern auch sein Sport. „Ich freue mich immer wahnsinnig auf das Training und natürlich auch auf die Spiele“, meint auch Thomas Mückl, der zusammen mit Stefan und Andreas die Rollactiv-Baskets gegründet hat. Er ist Fußgänger – und setzt sich nur für den Sport in den Rollstuhl. „Früher habe ich Fußball gespielt, war 25 Jahre Torwart“, erzählt der Weidener. „Nach einer Knieverletzung habe ich mir dann Rollstuhlbasketball etwas näher angeschaut – und es hat mir richtig Spaß gemacht. Inzwischen ist es mein Lieblingssport – und sogar mein einziger.“

Ein starkes Team mit einem ehrgeizigen Ziel: Die Rollactiv-Baskets Oberpfalz wollen in die Oberliga Süd aufsteigen.
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