31.07.2020 - 15:15 Uhr
TeunzOberpfalz

Ohne Maske, aber mit Abstand: Blaskapellen kämpfen sich durch die Krise

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Die Corona-Pandemie hat die Blasmusik-Welt im Griff. Nach dem Lockdown läuft es langsam wieder an. Doch "spielend" ist die Krise nicht zu meistern, denn die "Angst vor den klingenden Aerosolen" geht um. Das spürt auch die Blaskapelle Teunz.

Musikunterricht per Whatsapp-Videoanruf: Mila Juraske (9) spielt das Stück auf der Trompete vor und Ausbilder Stefan Karl hört am Handy mit.
von Gertraud Portner Kontakt Profil
Nachwuchswerbung: Vorsitzende Daniela Juraske (von links), Musiklehrer Stefan Karl und Jugendvertreterin Selina Präßl in der Grundschule Teunz.
Nach über drei Monaten Lockdown, endlich wieder gemeinsam Musikmachen: Die Blaskapelle Teunz probt mit Abstand im Hof des Gemeindehauses. Bei Regen treffen sich die Musikanten zu Registerproben im kleineren Kreis.

Der Sommer 2020 marschiert leise auf den Herbst zu. Und es bleibt dabei: Keine Vereinsfeste mit Blasmusik. Das trifft die Musikkapellen hart, denn wenn sie lange in der Wartestellung verharren müssen, drohen finanzielle Probleme und der Verlust des Nachwuchses. Die Zwangspause sieht auch Joseph Ferstl, Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbunds (NBMB) mit Sorge: "Wir befürchten, dass eine gewisse Lethargie der Musiker eintritt, dass sie aus dem Verein wegbrechen und dass das bisherige hohe Niveau merklich sinkt."

Aktuell sind die Blaskapellen froh darüber, dass die Nachwuchsausbildung wieder unter Auflagen möglich ist und sie trotz Abstand wieder miteinander musizieren können.

Joseph Ferstl, NBMB-Kreisvorsitzender

Joseph Ferstl, NBMB-Kreisvorsitzender

Nicht alles sinnvoll

Als Vorsitzender und Tubist der Jugendblaskapelle Nabburg vermisst Ferstl das gemeinsame Musizieren, die Festzüge und Gartenfeste sowie die NBMB-Organisationsarbeit. "2020 mussten alle Wettbewerbe und Konzertwertungen gecancelt werden. Ob diese 2021 neu aufgelegt werden können, ist von der Corona-Entwicklung abhängig", betont er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Für das am 25. Oktober 2020 geplante Kreisjugendkonzert in der Schwarzachtalhalle stehen die fünf Nachwuchsorchester noch in den Startlöchern. "Nicht alles, was derzeit erlaubt ist, ist auch sinnvoll", betont Ferstl in Bezug auf den Organisationsaufwand.

Bei der Blaskapelle Teunz ist der im Januar gut gefüllte Terminkalender coronabedingt leer. Auch die von der Kapelle für Oktober geplante "Muse im Stodl" wurde abgesagt. Das Ständchen für den wiedergewählten Bürgermeister am 15. März ist bis dato der einzige Auftritt. "Aktuell sind die Blaskapellen froh darüber, dass die Nachwuchsausbildung wieder unter Auflagen möglich ist und sie trotz Abstand miteinander musizieren können", sagt Ferstl. Seit 15. Juni darf mit Auflagen und einem Schutz- und Hygienekonzept wieder geprobt werden.

Auch die Blaskapelle Kunschir probt nach dem Lockdown wieder:

Winklarn

Ton mit Tröpfchen

Das Problem: Aus Trompete, Klarinette und Co. kommen nicht nur Töne heraus. Diskutiert wird eine mögliche Gefahr durch herumfliegende Viren-Tröpfchen und schwebende Aerosole. Die Querflöte steht besonders im Fokus: Hier wird die Luft über die Lochplatte geblasen und tritt fast ungebremst in den Raum hinein. Blasmusikanten können keine Mund-Nase-Maske tragen; der Schutz vor einer Infektion muss über Sicherheitsabstände (aktuell zwei Meter) erfolgen. Hier stoßen viele Klangkörper raumbedingt an ihre Grenzen. Markus Ferstl, Dirigent der Jugendblaskapelle Nabburg, lädt bis zu dreimal in der Woche zum Proben in kleinen Besetzungen ein. Die Teunzer Blaskapelle trifft sich im Hof hinter dem Gemeindehaus; bei Regen werden Registerproben angesetzt.

Seit 15. Juni ist auch der gesamte Musikunterricht wieder möglich. Damit die Kinder in der Bläserklasse Teunz bei der Stange blieben, hat sich das Vorstandsteam nach der Zwangspause im April etwas einfallen lassen: "Unterricht per Whatsapp-Videoanruf". Vorsitzende Daniela Juraske hat selber zwei Mädels im Trompetenunterricht bei Diplom-Musiklehrer Stefan Karl: "Ich war erstaunt darüber, wie gut es klappte." Der Ausbilder war nicht persönlich, aber einmal wöchentlich per Handy am Notenständer präsent. Trotz Corona wurde auch die Nachwuchswerbung gestartet: Mit neuen Flyern zur Instrumentalausbildung und einer aufwendig erstellten Internetpräsentation ging es kurz vor den Ferien zur Grundschule Teunz. Bei den acht Terminen in den geteilten Klassen war das Ausprobieren von Posaune oder Tenorhorn natürlich verboten. "Wir konnten aber vermitteln, dass Musik Spaß macht", freut sich Juraske.

Vorstandskollege Tobias Schmid kümmert sich um die "Corona-News", die der Musikbund - abhängig von politischen Entscheidungen - regelmäßig publiziert. Seit 15. Juni ist die "Verordnung zur Änderung der Fünften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung" in Kraft und damit eine weitere Öffnung für die Laienmusik ohne Beschränkung der Personenzahl. Eine Woche vorher war der Probenbetrieb für zehn Musiker mit einem Abstand von drei Metern verkündet worden.

"Es ist schwer zu vermitteln, dass Flugzeuge bis auf den letzten Platz vollgepackt werden, dass in Freibädern Hunderte von Besuchern im gleichen Wasser unterwegs sind, Musiker aber bei Proben und Auftritten zwei Meter Abstand halten müssen", kritisiert Joseph Ferstl. Dabei verlasse der Ton einer Trompete erst nach 134 Zentimetern den Schalltrichter, bei seiner Tuba sei der Ton sogar 541 Zentimeter unterwegs. Der engagierte Musiker und Funktionär blickt mit Sorgenfalte auf den Herbst: "Sollten uns übermütige Urlauber eine zweite Corona-Welle bescheren, werden die Karten neu gemischt und das nicht nur für die Blasmusiker."

Das Vereinsjahr 2020 der Blaskapelle Teunz startete vor der Coronakrise verheißungsvoll:

Teunz
Hintergrund:

Blasmusik in Coronazeiten

"Risikofaktor" Blasmusik

Noch nicht ganz klar ist, wie stark Bläser im Falle einer Infektion die Viren in der Umgebung verteilen und welchen Einfluss Raumluftströmungen spielen. Der Schutz vor einer Tröpfcheninfektion erfolgt über den Mindestabstand (derzeit zwei Meter). Anzahl

Seit dem 15. Juni sind Ausbildung, Proben und Auftritte ohne Beschränkung hinsichtlich der Anzahl der Musiker möglich. Hygienekonzept

Kondenswasser aus den Instrumenten muss in Tücher oder Gefäße aufgefangen werden, die entsorgt oder desinfiziert werden. Durchlüftung der Probenräume ist wichtig. Kreisjugendkonzert 2020

Der Termin am 25. Oktober in der Schwarzachtalhalle in Neunburg ist noch reserviert. Falls es bis Anfang September keine weiteren Lockerungen für den Probenbetrieb und für Konzerte in Innenräumen gibt, wird die Veranstaltung abgesagt. NBMB-Bronzeprüfung

Über 220 Kinder aus dem Bezirksverband Oberpfalz (darunter fünf Klarinetten-Mädels der Bläserklasse Teunz) warten darauf, die wegen der Krise abgesagten Bronzeprüfung absolvieren zu können (in Sulzbach-Rosenberg, Nabburg und Velburg).

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