26.10.2020 - 11:47 Uhr
ThansteinOberpfalz

"S' Kapellerl" in Thanstein erstrahlt in neuem Glanz

"S' Kapellerl" nennen die Bewohner von Thanstein diesen Ort der Andacht am Kleberacker. Mit einem neuen Dach und begradigten Stufen erstrahlt die Gebetsstätte nun in neuem Glanz. Das Projekt geht mit finanzieller Hilfe über die Bühne.

Nach Renovierungsarbeiten erstrahlt die kleine Kapelle in Thanstein in neuem Glanz.
von Rainer KöpplProfil

Am äußersten Rand des Bebauungsgebiets Kleberacker steht „s' Kapellerl“ in Thanstein. Dort treffen sich seit jeher im Mai sowie am Dreifaltigkeitssonntag Frauen zum abendlichen Gebet vor der holzgeschnitzten Madonna mit Kind sowie dem auf Holz gemalten Bild der Krönung Mariens.

Früher war das „Kapellerl“ aus Stein gemauert und mit Mörtel verputzt. Die heutige Form ist heimgekehrten Kriegsteilnehmern zu verdanken. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, kam auch für Männer aus Thanstein der Marschbefehl. Johann Zwicknagel (Hoartl), Josef Reimer (Hutveicht), Sebastian Ettl (Hane Wast) und Johann Ettl (Naderer) gelobten, falls sie gesund wieder heimkehren sollten, die in die Jahre gekommene Kapelle abzureißen und größer wieder aufzubauen. Nach Kriegsende kamen nur drei von ihnen wieder zurück, Johann Ettl war gefallen. Die Rückkehrer aber begannen, ihr Versprechen einzulösen.

Die abgeschlossene Sanierung der Kapelle in Rottendorf (Gemeinde Niedermurach) war Anlass für ein Fest

Rottendorf bei Niedermurach

Von einer aufgestapelten Steinmauer in der „Finkn-Wies“ wurden mit Kühen Steine zur Kapelle gebracht. Diese Steine wurden von August Winter (Dradlhane Gustl) behauen und zum Bau verwendet. Den Plan dazu hatte Franz Reimer gezeichnet, die Maurer-Arbeiten übernahm Johann Zwicknagel. Nach Fertigstellung wurde das Firstkreuz von der alten Kapelle wieder auf das Dach gesetzt und die Kapelle feierlich von Pfarrer Zeidler eingeweiht. Die Mutter von Josef Reimer pflegte die Kapelle von Beginn an. Später hat dann Franz Frank („Bejm-Franz“) das Gewölbe der Kapelle mit Sternen bemalt.

Bis zum Jahr 1972 führte eine Straße am Eingang vorbei, denn die Kapelle stand auf einer Insel der Straßengabelung. Bei Errichtung der Verbindungsstraße nach Dautersdorf wurde der obere Weg geschlossen und der Eingang zur Kapelle ist seitdem straßenabgewandt. Die an der Kapelle stehende Linde wurde von Josef Rückerl gepflanzt.

1991 wurde in Eigeninitiative unter Führung von Adalbert Krämer diese Andachtsstätte saniert. Ein gefälliges Aussehen erhielt dabei auch die holzgeschnitzte Madonna. Um das auf Holz gemalte Holztafelbild vor weiteren Witterungseinflüssen zu schützen, entschloss man sich, dieses im Pfarrhof aufzustellen.

Die Renovierung fand am Dreifaltigkeitssonntag in einem Feldgottesdienst mit Segnung durch den damaligen Pfarrer Michael Wittmann ihren Abschluss. Einen würdigen musikalischen Rahmen verliehen den Feierlichkeiten der Thansteiner Kirchenchor unter der Leitung von Richard Waldmann und eine Bläsergruppe mit Paul Windschüttl. Jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag finden sich Gläubige zu einer abendlichen Gebetsstunde ein.

Seit zu Fronleichnam der dritte Altar nicht mehr beim Anwesen Reimer errichtet wird, schmückt der Frauenbund alljährlich einen Altar bei der Kapelle, auch die SRK feiert ihre Waldweihnacht alle Jahre an der Kapelle. Die Pflege haben Frauen aus dem Ort übernommen. Die Kapelle wird vom Frauenbund gepflegt.

Als nun Renovierungsarbeiten an der Kapelle anstanden, steuerte der Frauenbund 200 Euro aus dem Erlös der Kräuterbüschel-Aktion zur finanziellen Unterstützung bei. Bürgermeister Walter Schauer freute sich, als die Vorsitzenden Käthe Zientarra und Resi Ruhland die Spende übergaben. Zuvor beteiligten sich auch Landrat Thomas Ebeling und die Raiffeisenbank Chamer Land an diesem Herzensprojekt mit Spenden von 400 und 300 Euro.

Die Arbeiten erledigten Manfred und Stefan Legl sowie Ewald Zimmermann. In Eigenleistung brachten sie ein neues Dach an und begradigten die Treppe vor der Kapelle. Zur Freude aller Dorfbewohner erstrahlt das „Kapellerl“ jetzt wieder im neuen Glanz und bleibt damit sowohl Schmuckstück als auch ein Zeitzeugnis des dörflichen Lebens in Thanstein.

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