09.02.2021 - 09:24 Uhr
ThansteinOberpfalz

Thansteiner Bürgerhaus "macht was her"

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Harter Granit im Rücken: Das hat dem künftigen Thansteiner Bürgerhaus in der Vergangenheit schwer zugesetzt. Doch jetzt darf sich das Material als Bodenbelag profilieren. Die Fenster machen den Bürgermeister jetzt schon stolz.

Die Südansicht des künftigen Bürgerhauses in Thanstein punktet mit einer Reihe schöner Fenster, die für helle Räume sorgen werden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Jetzt, im Februar, soll es richtig losgehen mit der Innensanierung des Bürgerhauses, das ursprünglich mal eine Schule war. Weitgehend entkernt wartet das Gebäude mit Baujahr 1888 auf das Ergebnis mehrerer Ausschreibungen von Elektro- über Maler- bis hin zu Schreinerarbeiten. "Momentan steht es als Rohbau da", sagt Bürgermeister Walter Schauer, "aber man sieht schon die optische Veränderung". Im Blick hat er dabei die neuen Sprossenfenster, die marode Scheiben aus den 60er oder 70er Jahren ersetzt haben. "Das macht was her", freut sich der Thansteiner Rathauschef.

Weniger sichtbar ist die erste Phase der auf rund 1,3 Millionen Euro veranschlagten Sanierung: die Trockenlegung. Denn die alte Schule steht direkt am Hang und bekam über den wasserundurchlässigen Granit und die Erde auf der Rückseite in der Vergangenheit jede Menge Feuchtigkeit ab. Neue Gründung und Fundament-Stabilisierung, Lehmabdichtung und Drainagen: Diese Schritte sollen dazu führen, dass ein neuer Putz nicht gleich wieder abblättert und der Schimmel keine Chance mehr hat. "Der Dachstuhl ist ergänzt worden, auch von oben ist das Haus jetzt dicht", erklärt der Bürgermeister.

So sah es im Sommer auf der Baustelle aus

Thanstein

Für die insgesamt drei Stockwerke (Untergeschoss, Erdgeschoss, erster Stock) soll nun der Estrich kommen. Was die Böden betrifft, hat man sich mit dem Granit versöhnt: Ganz unten, dort wo die Jugendgruppen ihr Domizil kriegen, ist ein strapazierfähiger Granitbelag geplant. "Wenn wir schon diesen Rohstoff hier haben, dann soll er auch zum Einsatz kommen", meint der Bürgermeister. Und so soll es auch im Treppenhaus steinerne Stufen geben. Auf der nächsten Etage mit dem Bürgerbüro und dem Multifunktionsraum mit modernster Medientechnik knüpft man an die Original-Ausstattung an: Holzdielenböden feiern hier ein Comeback.

Ganz oben, wo das Gemeindearchiv einziehen soll, ist ein Filzboden vorgesehen, "wegen der Wärme". Hier könnten bald schon Ordner stehen, die den Umbau dokumentieren und Anknüpfungspunkte an die Geschichte der Region liefern. Denn Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Ecksteine für die frühere Schule aus zugehauenem Stein erstellt, Feldsteine wurden verarbeitet, und nur für den Bereich der Fenster gab es Ziegel. "Die stammten wahrscheinlich aus der direkten Umgebung, es gibt da eine Verbindung zu den Ziegeleien in Kulz", freut sich der Bürgermeister über solche Details, die später einmal für eine Geschichtsforschung interessant sein könnten. Das Material dazu steht dann im "Oberstübchen" des Bürgerhauses parat, wo auch Fundstücke rund um den Thansteiner Burgturm untergebracht werden könnten. Im Anbau soll ein Reklame-Museum entstehen.

"Man ist nie vor Überraschungen sicher, wenn man alte Gebäude angeht."

Bürgermeister Walter Schauer

Bürgermeister Walter Schauer

Insgesamt 1,3 Millionen Euro sind für die Sanierung dieses Altbaus veranschlagt, "aber endgültig werden wir das erst wissen, wenn die nächsten Gewerke vergeben sind", schränkt Schauer ein und ergänzt: "Man ist nie vor Überraschungen sicher, wenn man alte Gebäude angeht." Ohne eine 80-prozentige Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung hätte man das Projekt ohnehin nicht realisieren können, so der Bürgermeister, der von dem Programm "Innen statt Außen" voll überzeugt ist. "Es gibt da auch kritische Stimmen. Aber ich denke wir sollten als Vorbild vorangehen und zeigen, welchen Reiz so ein altes Gebäude haben kann."

Dabei ist das künftige Bürgerhaus nur ein Mosaikstein in einem von Geschichte geprägten Umfeld unter dem Burgturm. "Auch der Platz selber wird gestaltet", verspricht der Bürgermeister, für den es momentan keine Hinweise darauf gibt, dass Corona die Sanierung ausbremsen könnte. "Wir liegen voll im Zeitplan", stellt er klar und fügt hinzu: "Ich bin wirklich stolz auf das, was hier entsteht."

Im Zuge der Sanierung wurden mehrere Fenster freigelegt, die nun auch einen Blick Richtung Kirche gestatten.
Architekt Christian Schönberger nahm bei Baubeginn den Dachstuhl unter die Lupe. Inzwischen sind morsche Stellen ausgebessert, und das Dach ist neu gedeckt.
Hintergrund:

Von der Schule zum Bürgerhaus

Die alte Schule am Kirchplatz von Thanstein ist nur eines von insgesamt drei Gebäuden, die früher für den Unterricht genutzt wurden. Im jüngsten Gebäude (Unterricht bis 2013) gibt es inzwischen Wohnungen und eine Tagespflege-Einrichtung für Senioren. Die älteste Schule (Baujahr 1560) wird als Wohnhaus genutzt. Der Bau aus dem Jahr 1888, der nun zum Bürgerhaus wird, diente bis 1966 als Schule.

  • Zeitplan: Start der Sanierung im Juni 2020; Fertigstellung für Spätherbst 2021 geplant.
  • Baukosten: Veranschlagt sind 1,259 Millionen Euro; Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung im Zuge der Dorferneuerung 80 Prozent (rund eine Million Euro).
  • Leitung: Bauoberrat Martin Stahr (Amt für Ländliche Entwicklung), Architekturbüro Christian Schönberger, Bauausführung (Trockenlegung) Wilhelm GmbH.

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