Thanstein
28.01.2019 - 10:35 Uhr

Wege aus der Einsamkeit

Der 1000-Quadratmeter-Garten zehrt an den Kräften, das Haus ist zu groß, und einsam ist es auch: Die Gemeinde Thanstein hat jetzt eine Lösung für Senioren parat, die Schule machen könnte.

Die gelbe Bautafel neben dem Eingang zum Schulgebäude von 1965 verkündet den Umbau in eine Seniorenwohnanlage. Bild: bl
Die gelbe Bautafel neben dem Eingang zum Schulgebäude von 1965 verkündet den Umbau in eine Seniorenwohnanlage.

Mit den Kräften schrumpfen auch die Quadratmeter, die sich ältere Menschen zumuten wollen. Doch vor dem Weg ins Senioren- oder Pflegeheim schrecken viele zurück. Basierend auf diesen Überlegungen hat sich die Gemeinde Thanstein nun für eine Seniorenwohnanlage entschieden. In den Räumen der seit 2013 leerstehenden Schule in der Eibensteinstraße sollen zwölf Eigentumswohnungen in der Größenordnung von 44 bis 62 Quadratmeter entstehen.

"Jeder will, solange es geht, im Alter zu Hause bleiben", weiß der Thansteiner Bürgermeister Walter Schauer. Er ist überzeugt, dass das Thansteiner Modell Zukunft hat und bedauert, dass es für dieses "Leuchtturm-Projekt" keine Fördermittel gab. So ist nun nicht die Gemeinde selbst, sondern die Curata Immobilien GmbH & C. Hausen KG aus Wenzenbach Bauherr für die Senioren-Apartments in den Räumen der Schule. Die Gemeine kassiert für die Überlassung des Bauwerks Erbbauzins, den Umbau übernimmt die Firma.

Fast wie im Hotel

"Im Prinzip ist es hier wie im Hotel", erklärt der Bürgermeister und führt durch die bereits leer geräumten Klassenzimmer: Jeder Bewohner hat sein eigenes Reich mit Küche, Ess- und Wohnzimmer und Schlafraum sowie WC und Dusche. "Zusätzlich gibt es aber auch einen Gemeinschaftsraum", berichtet der Bürgermeister. Serviceleistungen wie Kochen oder Pflege könnten dann dazu gemietet werden. Bereits jetzt, im Januar, soll Baubeginn sein. "Die Raumaufteilung muss sich hier natürlich ändern, die über drei Meter hohe Decke wird abgehängt, und die riesigen Fenster werden künftig ein wenig kleiner ausfallen", berichtet der Bürgermeister, der über die Plattform "Marktplatz der Generationen" von einem Modell dieser Art erfahren hat und selbst bis vor wenigen Jahren im ehemaligen Lehrerzimmer seine Bürgermeister-Sprechstunde abgehalten hatte.

"Aus der ganzen Umgebungen haben schon Leute nachgefragt, die sich für einen Platz hier interessieren", erzählt er stolz: Kein Wunder, denn hier könnten die Menschen, die sonst in Oberviechtach oder Neunburg auf einen Heimplatz angewiesen wären, nahe am gewohnten Umfeld untergebracht werden. Als Generalmieter stehe der Pflegedienst Hammerl aus Eslarn parat. Und wer sich hier einkaufen wolle, könne barrierefrei und altersgerecht wohnen oder die Räume bis zum eigenen Einzug vermieten. "Hier ist der Personalbedarf nicht so groß wie in Pflegeheimen, das koste dann auch nicht gleich 2500 bis 3000 Euro im Monat", rechnet der Rathauschef vor.

"Das Interesse an solchen Wohnformen ist definitiv da, und der Bedarf wird nicht kleiner, wir haben sogar eine Anfrage aus Straubing", informiert Schauer. Er geht davon aus, dass Thema "Senioren-Wohnungen" bald ähnlich brisant wird wie es Kinderbetreuungseinrichtungen in den vergangenen Jahren waren.

Gegen "Einwohner-Verlust"

Der Bürgermeister sieht im Umfeld der Wohnanlage auch schon Erweiterungsmöglichkeiten: Für den vorderen Teil überlege man den Anbau einer Tagespflege-Einrichtung. Und wem das alles zu eng ist, für den könnten kleine Häuser interessant sein, die man auf dem Gelände auch noch ebenerdig unterbringen könnte. Etwa acht solcher kleinen bauten wären möglich, die Bewohner könnten dann ebenfalls von der Infrastruktur im Haupthaus profitieren. "Das wäre jedenfalls eine super Ergänzung", ist Schauer überzeugt. Nicht nur, weil das Projekt, den "Einwohner-Verlust" bremsen könnte, sondern weil dabei letztlich ein paar Arbeitsplätze in der Pflege herausspringen könnten.

Info:

Drei Schulen und keine Noten

In Thanstein ist die Schule in der Eibensteinstraße keineswegs das einzige Gebäude, das an Zeiten mit kinderreichen Familien erinnert. Neben dem Bau aus dem Jahr 1965 gibt es noch ein älteres Gebäude in der Nähe der Burganlage, das nun als Bürgerhaus genutzt werden soll. Momentan ist dort das Jugendheim untergebracht, dass nach einem Umbau ins Untergeschoss ziehen soll. Und in direkter Nachbarstadt steht ein noch älteres Modell aus dem Jahr 1888. Dieses Haus wird inzwischen als Wohnhaus genutzt. Die Schüler aus Thanstein werden inzwischen im benachbarten Winklarn in der Thomas-Aquinus-Rott-Grundschule unterrichtet.

Aus der ganzen Umgebung haben schon Leute nachgefragt, die sich für einen Platz hier interessieren.

Bürgermeister Walter Schauer

Bürgermeister Walter Schauer baut darauf, dass in die umgebauten Klassenzimmer bald Senioren einziehen werden. Bild: bl
Bürgermeister Walter Schauer baut darauf, dass in die umgebauten Klassenzimmer bald Senioren einziehen werden.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.