09.01.2020 - 11:02 Uhr
TheisseilOberpfalz

Erz und Holz bringen Reichtum in die Region

Der frühere Eisenhammer Hammerharlesberg ist einer der ältesten Orte im Landkreis Neustadt/WN. Über 300 Hammerwerke hat es in der Oberpfalz gegeben. In ihnen wird im Mittelalter mehr Eisen produziert, als in Frankreich und Großbritannien.

Wo heute ein Wasserkraftwerk steht, war einst ein Hammerwerk: Hammermühle (von rechts), Kraftwerk und Betreuerhaus.
von Rainer ChristophProfil

Der Eisenhammer Harlesberg gehört zu den ältesten der Oberpfalz. Vor 630 Jahren siegelte Ulrich Hirschl, Besitzer des Hammers Harlesberg mit seinem Siegel, dessen Original in Amberg aufbewahrt ist. 1387 wurde die Hammervereinigung für alle Hammerwerke in der Oberpfalz erstellt. 1497 gab es einen neuen Vertrag zwischen dem Kurfürsten der Pfalz und den Pfalzgrafen von Mosbach, Bayern-München, Landshut, und den Städten Amberg und Sulzbach.

Über die Naabauen von Altenstadt/WN aus, ist Hammerharlesberg in einer Viertelstunde zu erreichen, von Weidens Stadtmitte über den "Hammerweg" in einer knappen Stunde. Zu unterscheiden sind die beiden Teile der politischen Gemeinde Theisseil (früher Roschau) Harlesberg und der Weiler Hammer-Harlesberg. Die Tradition des Hammerwerkes wird im weitesten Sinne heute durch das bestehende Wasserkraftwerk der Familie Schmidt weitergeführt.

Schmelzhütte

Hier stand bereits vor der Zeit von Ulrich Hirschl eines der über 300 Hammerwerke in der Oberpfalz. Ein Hammer bestand in der Oberpfalz aus einer Kombination von Schmelzhütte und Weiterverarbeitungsstätte zu Halbfertigungsware. In diesen Hämmern wurde im Mittelalter mehr Eisen produziert, als in den Ländern Frankreich und Großbritannien zusammen. Nicht ohne Grund sprechen wir heute von der Oberpfalz als das " Ruhrgebiet des Mittelalters". Von wegen, arme Oberpfalz!

In einem Steuerbuch des Herzogtums Niederbayern aus dem Jahre 1270 gibt es den Hinweis eines Hammers in Harlesberg, damaliger Name "Horminsperch", der zum Amt Störnstein gehörte. Insgesamt zählte der Ort vier Höfe, die beiden heute an der Naab gelegenen und die Höfe der Familie Scheidler und Witt am Bergrücken.

Eine von zwei Turbinen. Zusammen produzieren sie rund 40 Kilowattstunden, die Spitzenwerte liegen bei 65 KW.

Königliches Lehen

Am 17. Juli 1353 kam die Herrschaft Störnstein/Neustadt als Pfand an den böhmischen König und Kaiser Karl IV.. 1368 wird mit Ulrich Wurger erstmals ein Hammerschmied namentlich erwähnt. Der Böhmenkönig gab den Hammer als Lehen weiter. Zunächst an das Geschlecht der Steinlinger aus Nürnberg, ihnen folgten 1396 die Pflug von Rabenstein (siehe "Meilenstein" in der Goldenen Gasse in Altenstadt/WN). Weiterer Lehensfamilien waren die Guttensteiner und die Heidecker. Ihre Grabdenkmäler sind in der alten Pfarrkirche zu Altenstadt/WN.

1398 übergab König Wenzel den Hammer "Harnungsperg" an den Nürnberger Bürger Ulrich Hiessel, dem auch der Hammer Ödenmühl (Neuenhammer) gehörte. 1562 verpfändete Kaiser Ferdinand die Herrschaft Störnstein an die Lobkowitzer, zu dem auch der Eisenhammer Harlesberg gehörte. Da jedoch 22 Jahre davor Georg von Heideck den Hammer käuflich erworben hatte, blieb er im Besitz der Heidecker. Von 1420 bis 1500 kam es zu einem häufigen Wechsel der Hammermeister. 1502 taucht dann der Name der Witwe Adelheit Hornungsperger aus Weiden als Besitzerin auf. Alle nach 1540 auftauchenden Hammermeister sind nicht mehr selbstständig, sondern Angestellte oder Pächter der Heidecker.

Kraft der Waldnaab

"Vier der fünf ältesten Oberpfälzer Eisenhämmer lagen bei Neustadt an der Waldnaab", berichten Julian und Adrian Bäumler aus Altenstadt/WN in einer historischen Abhandlung. Das Erz sei hauptsächlich in dem nahe gelegenen Hammerharlesberg verhüttet worden, wo man die Kraft der Waldnaab zum Betrieb der Hämmer nutzte. "Der Transport erfolgte möglicherweise mit Plätten naababwärts." Dafür spreche auch der noch heute existierende Straßenname "Schiffgasse" in Neustadt/WN.

Fast 300 Jahre bezog Harlesberg das Eisenerz aus der Umgebung, nur 1365 und 1557 kam es aus Amberg. Im 13. Jahrhundert waren die Ämter Parkstein und Störnstein federführende Erzlieferanten. Es existiert die Geschichte, dass um 1348, als Karl IV. Neustadt um die Freyung erweiterte, über 100 Bergleute in diesem Ortsteil ihren Wohnsitz hatten. Eine Reihe von Flurnamen mögen noch heute Zeugnis davon geben: der Goldbach, der unterhalb von Mühlberg in die Naab fließt. Aus der Silbergrube fließt der eisenhaltige Siechenbach in der Nähe der Hohen Linde zur Naab. Am Kalvarienberg berichtete der 2004 verstorbene Rektor Karl Singer von Halden und verfallenen Stollenlöchern. Im Bärenloch im Kronholz wurden ebenfalls Schächte gefunden. Ein Grundstück an der Flosser Straße in der Kreisstadt wird als "Eisenacker" bezeichnet.

Die Federzeichnung des Siegels von Ulrich Hirschl gestaltete der Weidener Georg Freytag. Für Ihre Untersuchungen zum Eisenhammer Harlesberg fertigte Freytag für die verstorbene Weidener Stadtarchivarin Annemarie Kraus etliche Zeichnungen an.

Aus dem Zwergloch am Klauberg kam das Wasser so eisenhaltig, dass es früher in einem Badehäuschen zu Heilzwecken aufgestaut wurde. Carl Wilhelm von Gümbel (1823 bis 1898) berichtet in seinen geologischen Beschreibungen von Bayern, von Schwefeleisen und zeichnete rund um die Stadt Neustadt Eisenerzschächte in seine Karte. Stollen finden sich im Sauerbachtal. Bei Edeldorf gab es 1516 unter den Lobkowitzern ein Bergwerk.

Nachschub aus Amberg

Nach der totalen Ausbeutung des Erzes musste der Nachschub aufwendig von Amberg her erfolgen. Mit großer Raffinesse wurden die Hammervereinigungen in die Hände der Amberger Bürger gespielt, so mussten die Hammermeister, um Erz zu erhalten, das Amberger Stadtrecht erwerben.

Dazu gehörte auch der Hammermeister von Harlesberg. Das betraf erstmals 1382 Heinrich Hiessel, ebenso wie Adelheit Hornungsperger, die in Amberg sogar ein Haus besaß.

Sprechen wir heute über Kartellabreden, so gab es das damals auch schon. Hämmer, die bis 1386 nicht in Betrieb waren, mussten stillgelegt werden. 1497 gab es einen neuen Vertrag zwischen dem Kurfürsten der Pfalz und den Pfalzgrafen von Mosbach, Bayern-München, Landshut, und den Städten Amberg und Sulzbach. Er umfasste 91 Paragrafen und galt für zehn Jahre. Geregelt waren die Produktionszeit der Hämmer auf 40 Wochenstunden, die Produktionshöhe, die gleichen Gewichte, eine Schutzmarke (Logo) mit eigenem Hammerzeichen, Regelungen für Streitfälle und Arbeitsplatzwechsel. So war eine Abwerbung von Hammerleuten streng verboten. Abgestuft und genau geregelt waren die Löhne der Hammerleute, vom Facharbeiter über den Schmiedemeister bis hin zum Hilfsarbeiter, Reparaturen und Wartung der Hämmer bis hin zu Vorschriften für den Verkauf von Eisen und Blech. Alljährlich wurde eine Jahresversammlung vorgeschrieben.

Kahle Landschaften

Standortfaktoren für einen Eisenhammer war - neben dem Erz - die Holzkohle. Für jeden Hammerherren war es das oberste Ziel, diese Vorgaben zu erfüllen. Im Mittelalter gab es einen gewaltigen Bedarf an Holzkohle. Schauen wir uns alte Bilder von St. Felix, von Quirin oder dem Parkstein aus jener Zeit, aber auch noch danach, an, so ist festzustellen: Auf keinem der Hügel oder Berge war auch nur ein Baum zu sehen, alles war kahl. Es gab keine Wälder mehr, der Streit um das Holz fand vor allem mit der Herrschaft von Pfalz-Neuburg statt.

Zur Herstellung einer Wehrung (altes Kohlemaß) Holzkohle wurden rund 3,2 Kubikmeter Holz verbraucht. Die Wald-Ordnung des Amtes Parkstein-Weiden reglementierte die Holzgewinnung mit strengen Vorschriften. Bald kam es zu Einschränkungen. Die Kosten für Holz verdoppelten sich, aus den Parksteiner Wäldern kam kein Holz mehr. Die Heidecker mussten sich nach neuen Holzlieferanten umsehen. Groß war der Streit mit der Stadt Weiden. Schreiben, Bittbriefe, Beschwerden, nichts half. Verbittert verließ Jörg Pottenpeck, Hüttkapferer von Harlesberg, 1564 seine Arbeitsstätte und zog nach Amberg. Die Stilllegung des Hammers war somit beschlossene Sache.

Je nach Wassersituation werden stündlich rund 35 bis 40 Kilowatt Strom erzeugt.

Heute ist nichts mehr vom Hammerwerk zu sehen. Es existiert ein kleines Wasserkraftwerk, daneben noch die Mühle, die ebenfalls 1270 erstmals erwähnt wird. Sie war für die Versorgung des Hammerwerk-Gesindes zuständig. 1758 besteht die Mühle aus drei Mahlwerken, einer Brettersäge und einer Walkmühle. Wohnhaus und Ausnahmehaus sind gemauert. Vor 1900 erwirbt die Mühle ein Josef Götz, der sie 1903 an seinen Schwiegersohn Johann Rauh übergibt. Mit der zunehmenden Elektrifizierung der Stadt Weiden wird ab 1921 immer mehr Strom benötigt. Bald reifte der Entschluss, das vorhandene Kraftwerk, drei Kilometer entfernt bei der Mühle in Hammer Harlesberg, von der Familie Rauh zu erwerben. Dieses wurde total erneuert und neue Turbinen wurden eingebaut. Kosten: 160 Millionen Mark Inflationsgeld. Zur Einweihung kamen sogar der Regierungspräsident, der Bürgermeister und sämtlich Stadträte von Weiden.

Stromgewinnung

Von 1925 bis 1951 wurden mit Hilfe des Naabwassers rund 4 800 000 Kilowattstunden Strom gewonnen. Eine 3,2 Kilometer lange Stromleitung führte bis zum Langen Steg. 1935 bekam der Betriebsführer ein eigenes Wohnhaus, das heute noch steht. In den 1970er Jahren kaufte das Kraftwerk ein Elektromeister aus Cham. Zwei Turbinen und ein Generator sind rund um die Uhr in Betrieb. Je nach Wassersituation werden stündlich rund 35 bis 40 Kilowatt Strom erzeugt.

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