14.01.2020 - 17:14 Uhr
TheisseilOberpfalz

Romanisches Kleinod und Fliehburg

Um das Jahr 1300 wird das Gotteshaus St. Ulrich in Wilchenreuth gebaut. Sie ist Simultankirche, seit 1909 evangelische Pfarrkirche. Besonders beeindruckend ist ihre Freskenmalerei.

Den Altar aus dem Jahre 1670 überließ man der katholischen Kirche. Er wurde durch einen einfachen Altar mit Holzkreuz ersetzt. So kommen auch die Jesus-Darstellung und weitere Fresken gut zur Wirkung.
von Rainer ChristophProfil

Der Zugang zur kleinen, im Ort versteckten Kirche St. Ulrich zu Wilchenreuth ist für Fremde kaum auffindbar. Immer wieder ist das Kirchlein Ziel von Besuchergruppen. Sie bestaunen diese Kirche, die einst eine enge Beziehung zu Weiden hatte. Auch die Pfarrer der Kirchengemeinde Neustadt/Altenstadt/Wilchenreuth stellen die Kirche nicht ohne Stolz vor.

Das Patronat St. Ulrich ist ungewöhnlich in unserer Gegend ungewöhnlich. Namenspatron ist der Augsburger Bischof Ulrich, der die Ungarn am Lechfeld besiegte. Sein Schüler Wolfgang, Bischof und Patron der Diözese Regensburg, sorgte aus Bewunderung zu Ulrich für die Verbreitung des Namens für Kirchen in seinem Raum.

Der Bau der Kirche im romanischen Stil lässt sich in die Zeit kurz nach 1300 datieren. Die Ausrichtung der Quadersteine, die Fresken im Inneren, lassen diese Einordnung zu. Aufgrund der Bauweise lässt sich zudem erkennen, dass die Kirche auch als "Fliehburg" bei Bedrohung diente. Im Archiv der Stadt Weiden liegt eine Urkunde, aus der hervorgeht, dass die Hofmark Wilchenreuth im Jahre 1407 von den "Schirndingern" an die Stadt Weiden verkauft wurde.

Jagdsitz der Weidener

Wilchenreuth war, weiß Stadtarchivarin Petra Vorsatz, "einst Jagdsitz der Weidener" und lag als "freieigene Gutsherrschaft" der Stadt Weiden seit 1407 im Amt Floß. Hinzu kamen noch die Orte Fichtmühle und Welsenhof sowie ab dem 16. Jahrhundert noch zwei "Hintersassen" aus dem entlegenen Ort Albernhof südlich von Beidl dazu. 1652 gab es in der Ortschaft Wilchenreuth 45 Haushalte, davon waren 28 evangelisch und 17 katholisch. Um 1800 wollte das Oberamt Neustadt unter den Lobkowitzern den Kirchweihschutz aussprechen, wurde aber "hofmarkseits mittels reprotestation abgewiesen". 1861 hatte Wilchenreuth 165 Einwohner.

Die Evangelisierung erfolgte unter den Leuchtenbergern. Die Gemeinde Wilchenreuth zählt zu den ältesten evangelischen Gemeinden der Oberpfalz. Sie war angesehen und reich. Nur kurze Zeit setzte sich der Katholizismus durch. Etwa 60 Hektar Grund gehören heute noch zum Pfarrbesitz. Erst in der Neuzeit, als die Abgabe des "Kirchenzins" nicht mehr in Naturalien erfolgte, erfolgte ein Niedergang bis hin zur Bedeutungslosigkeit.

Geschnitzter Blumenstrauß

Nachgewiesen wurde in der Zwischenzeit, dass auch reformatorische Strömungen wie Kalvinismus die Gemeinde tangierten. Zeichen dafür ist der noch heute sichtbare geschnitzte Blumenstrauß über der Kanzel. Wenn auch ein Kunsthistoriker bei einem Besuch vor längerer Zeit den durch Umbau- und Renovierungsarbeiten erfolgte Stilbruch missbilligte, der frühere Pfarrer Günther Breit sah es aus einer anderen Perspektive. Für ihn sind diese Maßnahmen Zeichen dafür, dass die Gemeinde Wilchenreuth ihre Kirche "in Gebrauch nahm". Hier lebten und leben Menschen, die sich um die Kirche und das Umfeld, selbst in schwierigen Zeiten, angenommen haben. "Das ist mir persönlich mehr wert, als die Bewahrung einer kunsthistorischen Kirche."

Bis 1972 bildeten die beiden evangelischen Gemeinden Wilchenreuth und Püchersreuth eine Einheit, diese löst sich mit dem Tode des letzten Pfarrers auf. Püchersreuth kam zu Plößberg, Wilchenreuth als eigenständige evangelische Gemeinde in die Obhut des jeweiligen Neustädter Pfarrers.

Ab 1618, damals war St. Ulrich Nebenkirche von Püchersreuth und dem katholischen Dekanat Sulzbach zugehörig, war St. Ulrich eine Simultankirche. Seit 1909 ist sie wieder evangelische Pfarrkirche, diesmal im evangelisch-lutherischen Dekanat Weiden. Durch den Neubau der katholischen Kirche einige Meter weiter, kam St. Ulrich in den Alleinbesitz der Gemeinde.

Einfaches Holzkreuz

Damit verbunden, wurden Renovierungsarbeiten notwendig. Die Weißdecke wurde durch eine Holzdecke ersetzt. Bedauerlicherweise wurde der alte in die Wand eingelassene Taufstein - ein Granitkessel, als wertlos empfunden, herausgerissen und vor der Kirche als Spülbecken missbraucht. Den Altar aus dem Jahre 1670 überließ man der katholischen Kirche. Er wurde durch einen einfachen Altar mit Holzkreuz ersetzt. So kommen auch der heute gut sichtbare Jesus und weitere Fresken gut zur Wirkung. Weitere Bemalungen konnten bei der Renovierung freigelegt werden.

Der restaurierte Meißnerkelch aus dem Jahre 1614 gehört zum wertvollen Besitztum und wird daher nicht in der Kirche aufbewahrt. Der Kelch wurde von einem gewissen Juwelier Lautensack aus Weiden gefertigt. Einen Besuch ist die Kirche, die inmitten eines liebevoll gepflegten Friedhofes liegt, auf jeden Fall wert. Die Kirche ist gewöhnlich geschlossen. Die Öffnungszeiten können im Evangelischen Pfarramt in Neustadt/WN (Telefon 09602/3475) erfragt werden.

Einen Besuch ist die Kirche, die inmitten eines liebevoll gepflegten Friedhofes liegt, auf jeden Fall wert.
Der Taufstein von St. Ulrich.
Der restaurierte Meißnerkelch aus dem Jahre 1614 gehört zum wertvollen Besitztum und wird nicht in der Kirche aufbewahrt.

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