17.05.2021 - 10:57 Uhr
TheisseilOberpfalz

Die Zukunft in den Oberpfälzer Wäldern gehört der Weißtanne

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Die Förster des Landwirtschaftsamts Weiden starteten eine Aktion zur Rückkehr der Weißtanne in den Oberpfälzer Wald. Hintergrund ist der Klimawandel.

Zum Schutz des Saatgutes gibt es zwei Möglichkeiten: Die Saatflächen einzäunen (im Hintergrund) oder mit einem Maschendrahtzaun überdecken und die Stelle mit Baumstämmen abgrenzen. Forstdirektor Gerhard Hösl (rechts) erläutert Bastian Träger von der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/Nord (links) und Josef Maier von der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß Einzelheiten.
von Walter BeyerleinProfil

Forstdirektor Gerhard Hösl, der Leiter des Forstamts Pressath, blickte im sonnendurchfluteten Wald bei Theisseil auf die Geschichte der Tannenkulturen in der Region zurück. Weit verbreitet im Mittelalter, deckte diese Baumart den enormen Holzbedarf der damaligen Glas- und Eisenindustrie. Große Kahlschläge waren die Folge. Als Schattenbaumart hat die Tanne auf der Freifläche gegenüber der Fichte große Nachteile, besonders mit Blick auf Spätfrostschäden, langsames Jugendwachstum und vor allem durch Wildverbiss.

Die Industrialisierung trug letztlich mit dazu bei, dass die Tanne stark aus den Wäldern zurückgedrängt wurde. Die Reduktion der Schwefelemissionen hat dazu beigetragen, dass sich der Gesundheitszustand der Bäume in den letzten Jahren verbessert hat. Hösl nennt bei seinen Erläuterungen die Tanne „die Königin des Oberpfälzer Waldes“, die sich mit ihren langen Wurzeln aus der Tiefe bestens versorgt und im Gegensatz zur Fichte auch sehr gut verankert ist. Zudem hat die Tanne mit 500 Jahren eine hohe Lebenserwartung.

Samen statt Jungbäume

Die Förster sprechen mit der Aktion „Rückkehr der Weißtanne in die Oberpfalz“ hauptsächlich Privatwaldbesitzer und Kommunen an. Im Kommunalwald nahe Theisseil wurden aber keine kleinen Tannen gepflanzt, sondern der Samen der Bäume vermischt mit Sand in vorbereiteten Plätzen aufgebracht. Die Tannensaat ist ein günstiges Verjüngungsverfahren, erklärte Hösl vor den für Privat- und Kommunalwälder zuständigen Förstern. Mit dabei war Josef Maier, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß und Bastian Träger, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/WN-Nord.

Noch vor der eigentlichen Vorführung der Tannensaat waren von den Forstleuten die Vorbereitungen für die Ansaat getroffen worden. Per Eisenrechen wurde die vermooste Waldoberfläche leicht abgetragen. Bereit stand ein großer Behälter, dessen Inhalt sich für den Laien als reiner Sand darstellte. Der geschulte Blick des Försters aber zeigte, dass mit diesem Sand die Tannensamen vermischt waren.

Im Zweierteam gingen die Forstbeamten oder Forstanwärter an die Arbeit: Mit einem kleinen Becher wurde die Sand-Samen-Mischung aus der großen Wanne geholt und locker über den freigelegten Waldboden gestreut. Dann wurde sie mit den Füßen etwas festgetreten. Etwas Wasser aus der Gießkanne ließ die Samenkörner noch etwas tiefer in den Boden eindringen. Grundsätzlich sind für Tannenansaaten von Fichten dominierte Wälder mit einem Bestand von 50 bis 80 Jahren bestens geeignet. Ein idealer Bodenzustand ist erreicht, wenn der Boden leicht grün, also mit Moos oder Sauerklee bedeckt ist und nur wenig Fichtennaturverjüngung vorhanden ist.

Ansaat schützen

Wichtig ist der Schutz der Ansaat. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die teurere Variante ist die Einzäunung der Saatstellen, die in nur geringem Abstand nebeneinander angelegt werden. Einfacher die Abdeckung mit einem Maschendrahtgitter, das über Baumstämme, die den Saatbereich abgrenzen, gelegt wird. Ab sofort helfen dann nur noch die erhofften Niederschläge, dass sich aus der Saat zunächst eine Mini-Tanne entwickelt.

Nur für den Fachmann direkt unmittelbar an den Saatstellen zu sehen sind Tannen, die „wild“ aufgegangen sind. Sie sind so klein, dass ein Laie nicht unbedingt auf eine Tanne tippen würde. Am Dienstagnachmittag ging es bei den Förstern flott zu: an vier unterschiedlichen Stellen wurde Tannensaat eingebracht, die weniger durch Fraßfeinde, etwa Mäuse gefährdet ist, die dann als kleine Bäumchen gegenüber denen aus der Baumschule weniger Wildverbiss befürchten müssen. Das sind nur einige der Vorteile, die eine Tannensaat mit sich bringt.

Interessierte Waldbesitzer können sich an die örtlich zuständigen Revierförster wenden, die auch im Internet unter Försterfinder.de zu finden sind. Die Beratung ist kostenlos. Das Interesse kann aber auch in den Geschäftsstellen der Waldbesitzervereinigungen oder Forstbetriebsgemeinschaften angemeldet werden. Es ist beabsichtigt, Saatgut gemeinsam zu kaufen, um bessere Preise zu erzielen. Außerdem sind weitere Informationsveranstaltungen geplant.

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Etzenricht

Der Kampf der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Nord um gute Preise

Letzau bei Theisseil
Das Sand-Samen-Gemisch wird aus einem kleinen Becher heraus auf die zu bearbeitende Waldfläche gestreut.
Forstdirektor Gerhard Hösl (links) erläutert den Förstern, Anwärtern für den Forstdienst und den Vertretern der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/WN Nord und der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß die Bedeutung der Tannensaat.
Statt mit einem herkömmlichen Rechen kann die Saatfläche auch per Motorgerät vorbereitet werden.
Mit einem kleinen Becher wird die Sand-Saat-Mischung auf die vorbereitete Fläche ausgebracht.
Hintergrund:

Investitionen in Tannen

  • Kostenkalkulation Tannensaat bei 20 bis 30 Prozent Tannenanteil in der künftigen Bestockung:
    Saatgut 20 kg/ha – 120 Euro/kg 2400 Euro; Bodenbearbeitung 800 Euro; Ausbringung des Saatgutes von Hand 500 Euro. Zaun 400 laufender Meter pro Hektar 2.000 Euro, gesamt rund 5700 Euro
  • Förderung: Grundfördersatz flächige Saat 1500 Euro, Zuschlag Waldschutz 1500 Euro, Zuschlag erhöhte Ausbringungskosten von Hand 1000 Euro, gesamt rund 4000 Euro.

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