18.10.2020 - 16:24 Uhr
Theuern bei KümmersbruckOberpfalz

Wolfsbeauftragter Markus Martini: „Mensch kein Teil des natürlichen Beutespektrums“

Der Wolf ist auch im Landkreis Amberg-Sulzbach längst kein Unbekannter. Immer wieder gibt es Meldungen von Sichtungen. Wolfsberater Markus Martini räumt nun seinen Posten. Er verabschiedete sich mit einem Vortrag zum Konfliktfeld.

Wolf im Tierfreigelände Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald.
von Klaus HöglProfil

„Der mit dem Wolf tanzt“ kann man nicht sagen, der mit dem Wolf arbeitet schon eher. Markus Martini war seit rund zwei Jahren Wolfsbeauftragter der Oberpfalz mit Sitz im Kulturschloss Theuern. Martini war im Rahmen des im Zuständigkeitsbereich des bayerischen Landesamtes für Umwelt angesiedelten „Wolfs-Monitorings“ tätig und in dieser Eigenschaft Beauftragter.

Moderator im Konfliktfall

Kernaufgabe: Offizielle Zuständigkeit für das Projekt Regionale Information und Kommunikation zum Thema Wolf in der Oberpfalz. Oder auch: Beobachtung, Aufzeichnung und Populationsnachweis der Wölfe, sei es für „Durchzügler“ oder standorttreue Wölfe. Der Wolfsbeauftragte hatte alle Meldungen auf Wolfsvorkommen aus der Bevölkerung entgegen genommen, diese überprüft und bewertet.

Darüber hinaus gehört zu seinen Obliegenheiten die Koordination der Wolfsberater, ebenso stand er für Fragen zum Wolfsmonitoring zur Verfügung. Es war ihm ein Anliegen, das immer noch bestehende Konfliktpotential zwischen Wolf und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen. Sein Vortrag „Wölfe in Bayern“ letzte Woche im Kulturschloss in Theuern war praktisch hier seine letzte Aktion nach zwei Jahren. Das Interesse am Vortrag war groß, hieß es im Museum, überwiegend aus dem Wald-, Forst, Schäferbereich waren Zuhörer da, coronabedingt war aber die Teilnehmerzahl limitiert.

Wie Markus Martini dabei informierte, sei der Wolf weder gut noch böse, er sei ein Wildtier, das von Natur aus eher vorsichtig agiere und dem Menschen aus dem Weg geht. „Der Wolf ist eine Bereicherung für die heimische Fauna, wobei das Gefahrenpotential, das von ihm für Haustiere tatsächlich ausgeht, mit anderen Gefahrenlagen (zum Beispiel wildernde Hunde) eher als gering einzuschätzen ist. Der Mensch jedenfalls ist nicht Teil des natürlichen Beutespektrums des Wolfes.“ sagte Martini. Schalenwild und Nager gehören zum Beispiel dazu, aber auch Beeren und – das sorgt dann eben für die Konflikte – weil insbesondere Weidetiere wie Schafe, Ziegen und Rinder sehr wohl ins Beutespektrum des Wolfes passten. „Untersuchungen aber haben gezeigt, dass Wölfe insgesamt gesehen die Wildbestände nur in geringem Umfang beeinträchtigen“, berichtete der Fachmann von seinen persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Wolf und Bär, die er sich unter anderem im Kontext von mehreren Auslandsaufenthalten erworben habe.

Untersuchungen aber hätten gezeigt, dass Wölfe insgesamt gesehen die Wildbestände nur in geringem Umfang beeinträchtigen.

Wolfsbeauftragter Markus Martini

Martini selbst halte auf einem Bauernhof Schafe, er kenne deshalb sehr wohl die Problematik. Verschiedene Lösungsansätze würden derzeit erprobt: Wolfsdichte Elektrozäune oder Herdenschutzhunde beispielsweise. Der Mensch jedenfalls habe grundsätzlich nichts zu befürchten: Bei zufälligen Begegnungen heiße es Ruhe bewahren, sich langsam entfernen, den Wolf keinesfalls verfolgen oder gar reizen. Der Wolf zeige in der Regel kein Interesse an Menschen und trotte davon.

Es sei im Übrigen nicht einfach, auf den ersten Blick streunende Hunde von Wölfen zu unterscheiden. So habe sich bei Tests oft genug herausgestellt, dass Betrachter auf Bildern Wölfe von Hunden nicht sofort unterscheiden könnten. Für das unberechtigt schlechte Image des Wolfes sorgten auch Fake-News, oder Fotomontagen. Märchen mögen diesem Vorurteil gegenüber Wölfen auch Vorschub leisten. „Aktuell“, so Martini weiter, „existiert eine stabile Wolfspopulation in Deutschland“.

100 Kilometer am Tag

In den letzten Jahren sei es lokal zur Ausbildung von Rudeln gekommen. Auch in Bayern gebe es derzeit mehrere Rudel: Nationalpark Bayerischer Wald sowie im Veldensteiner Forst, aber auch im Truppenübungsplatz Grafenwöhr sei ein Wolfspärchen gesichtet worden.

Analysen von Wanderbewegungen via GPS-Halsbändern hätten belegt, dass Wölfe am Tag über 100 Kilometer zurücklegen können. Die Wander- und Streifgebiete von Wölfen könnten sogar mehrere tausend Kilometer weit reichen. Wegen der Wanderbewegungen fielen Wölfe relativ häufig dem Straßenverkehr zum Opfer.

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Mantel
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