Finanzieller Kraftakt beschert Freizeitvergnügen

Der Badespaß im 2,5 Hektar großen und vom Grenzbach mit Wasser gespeisten Erlenweiher war schon immer kostenlos. Entstanden ist die Idee vor genau 60 Jahren, vollendet wurde das Werk aber erst im August 1973. Wir blicken zurück.

von Werner RoblProfil

Bereits 1959 taucht in einem Protokollbuch des Thumsenreuther Heimatpflege- und Fremdenverkehrsvereins der Gedanke auf, einen öffentlichen Badeweiher anzulegen. Ein Jahr später - unter dem damaligen Bürgermeister Hans Grünbauer – wurde eine erste Finanzrücklage in Höhe von damals stattlichen 10.000 Mark gebildet. Ideen wurden gesammelt. Thumsenreuth, das bis zur Gebietsreform zum Landkreis Neustadt gehörte, bemühte sich auch in den Folgejahren um das gewünschte Ferien- und Freizeitzentrum - mit dem Ziel, den Ort für die Bewohner, vor allem mit Blick auf den Fremdenverkehr, deutlich attraktiver zu machen.

So reifte 1964 erstmals der Plan für ein großes Hochwasserrückhaltebecken am vorbeifließenden Grenzbach zwischen Kohlbühl und Thumsenreuth. Man rechnete (bei Höchststau) mit einer Wasserfläche von maximal elf Hektar, was zweifellos einen attraktiven und stattlichen Badesee für die Region bedeutet hätte. Die zunächst hoffnungsvollen Planungen aber führten ins Leere. Aus dem Naherholungsgebiet, das auch der damalige Neustädter Landrat Christian Kreuzer befürwortete, wurde vorerst nichts. Man bezweifelte wohl den wasserwirtschaftlichen Nutzen, mehr aber noch scheiterte das Vorhaben an den hohen Kosten.

Einstimmig

Man schnürte ein anderes, flächenmäßig jetzt deutlich kleineres Paket. Die Verhandlungen wurden weitergeführt und nach alternativen Lösungen gesucht. Ins Blickfeld rückte die sogenannte Gänsehut mit ihrem seinerzeit noch vorhandenen Busch- und Erlenbestand. Im Juli 1962 wurde einstimmig beschlossen, dort einen Badeweiher mit Sportplatz zu errichten. Aber es sollte noch ein wenig dauern, bis es so weit war. Fünf Jahre später - im Dezember 1967 - wurden die ersten Erlen auf dem als Gänsehut bekannten Gelände gefällt. Im April 1970 übernahm Thumsenreuth die Bauträgerschaft durch einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss. Das Wasserwirtschaftsamt, das Landratsamt und die Regierung wurden in die neuen Planungen mit eingebunden.

Das Projekt wurde im August 1971 endgültig vorangetrieben. Eine große Bautafel – an der Straße nach Thumsenreuth – wurde aufgestellt, um auf das Vorhaben hinzuweisen. Vorgesehen war, auf der teilweise versumpften und somit landwirtschaftlich uninteressanten Fläche ein modernes Feriengelände mit Badesee, Liegewiese, Freizeitanlagen und den dafür erforderlichen Gebäuden entstehen zu lassen. In die Ideensammlung waren auch ein genügend großer Parkplatz, ein Camping- und Kinderspielplatz, ein Indianerdorf und ein Minigolfgelände eingearbeitet. Um dies alles verwirklichen zu können, sollte der Grenzbach auf einer Gesamtlänge von rund 700 Metern ausgebaut und eine Zufahrtsstraße errichtet werden.

18.000 Kubikmeter

Inzwischen war die Altgemeinde Thumsenreuth in die Gemeinde Krummennaab eingegliedert worden. Auf der Baustelle – mitten auf dem Land – kehrte Leben ein. Nach und nach rückten Arbeiter und Baumaschinen an, um das Gelände umzugestalten. Rund 18.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt; 300 Meter Rohrleitungen und eine gut 800 Meter lange Drainage wurden zudem notwendig. Zeitnah sollte auch die Bepflanzung erfolgen.

Der Weiterbau und die Fertigstellung erfolgten in der Amtszeit von Bürgermeister Georg Mark (Krummennaab). Die auf 1,4 Millionen Mark veranschlagte Finanzierung stellte einen Kraftakt dar. Dies war wohl auch der Grund, dass mit Verantwortlichen des Landkreises Tirschenreuth, zu dem Thumsenreuth seit der Gebietsreform gehörte, Anfang September 1972 ein Ortstermin vereinbart wurde, um auch über die Kostensituation zu sprechen. Landrat Franz Weigl teilte die Sorgen der Gemeinde, was die Finanzierung anbetraf. „Ich hoffe sehr, dass es zu keiner Baueinstellung wegen Finanzierungsproblemen kommt“, äußerte sich der damalige Landkreischef. Weigl verwies darüber hinaus auch auf einen Vermerk des Bayerischen Staatsministeriums vom 18. Oktober 1971, worin ein Zuschuss in Höhe von 100.000 Mark in Aussicht gestellt wurde. „Der Badesee und der Campingplatz passen sich wunderbar in das Fremdenverkehrsgebiet ein", lobte der Tirschenreuther Landrat vor Ort die „gelungene Maßnahme", die später auch vom Bezirk, zudem auch vom Landkreis Neustadt mitfinanziert wurde, die dafür Geldmittel bereitstellten.

Vergessen war inzwischen auch das Misstrauen, das man bei der Gebietsreform hegte. „Wir sind überrascht und befriedigt über die Aufnahme und Unterstützung, die wir erfahren“, sagte der Krummennaaber Bürgermeister Mark mit Blick auf die neue, vorher aber kritisch beäugte Zugehörigkeit zum Landkreis Tirschenreuth. Thumsenreuth sei fortschrittlich und zeige, dass man solch ein Projekt, trotz der bescheidenen Ortsgröße, auf den Weg bringen könne, fügte das Gemeindeoberhaupt hinzu und versprach – im Namen Krummennaabs - das Vorhaben mitzufinanzieren. „Das Freizeit- und Ferienzentrum ist für die Fremden, aber auch für die Einheimischen da“, kommentierte er wörtlich den fest gefassten Entschluss, dafür Geld im Haushalt bereitzustellen. Der Weiterbau war gesichert.

Begonnen wurde die Maßnahme von der Gemeinde Thumsenreuth, vollendet von Krummennaab. Nur wenige wissen noch, dass auch ein komfortables Hotel, sogar ein modernes Hallenbad zu den Ideen gehörte. Doch dieser "Höhenflug" hätte wohl das kleine Thumsenreuth überfordert. Die Fertigstellung und die Übergabe der Ferienfreizeitanlage erfolgten im August 1973 durch Bürgermeister Georg Mark. Die Beliebtheit der Anlage wuchs. Schon drei Jahre später wurden an Spitzentagen bis zu 900 Autos gezählt. Jedes Plätzchen auf der Liegewiese war belegt. Bald wurde auch der Campingplatz zu klein und musste von 70 auf 100 Stellplätze erweitert werden. Unter Bürgermeister Franz Stangl wurde zwischen 1994 und 1995 der Flachbau zur Bewirtschaftung erweitert und saniert. Trotz des Erfolges weigerte sich Krummennaab, Eintritt zu verlangen. Man hätte das Gelände umzäunen und einen Kassier einstellen müssen. „Das Geld, das wir den Leuten abnehmen, würden wir anderswo wieder ausgeben.“ Der freie Eintritt war stets mit einer Bedingung verknüpft: Sauberkeit und Ordnung auf dem Gelände.

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