26.08.2018 - 12:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

80 Zentimeter Potenzial

Mit neuen Gesichtern eröffnet Bürgermeister Franz Stahl die Stadtrat-Sitzung im August. Besonders imponierte Ludwig Bundscherer, Leiter der Tourist-Info, mit seiner Präsentation. Außerdem geht es um die Landtags- und Bezirkswahl im Herbst diesen Jahres.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Personalien auf der Tagesordnung: Nachdem Franz Stahl Gunar Prauschke als neuen Stadtrat vereidigte (siehe Bericht unten), stellte er dem Gremium Ludwig Bundscherer als neuen Leiter der Tourist-Info vor. Der 29-Jährige trat seine Stelle bereits Anfang Juli an (wir berichteten). "Herr Bundscherer hat sich sehr gut eingearbeitet und mit der Materie vertraut gemacht. Er ist ein absoluter Fachmann", sagt Stahl. Der gebürtige Großkonreuther verbrachte die vergangenen Jahre beruflich in Ostdeutschland, umso mehr freut es ihn wieder in der Heimat zu sein.

Tourismus stärken

Seine Strategie, die Stadt in touristischer Hinsicht noch weiter nach vorne zu bringen, erläuterte er anhand eines Metermaß. "Wir haben touristisch viel Potenzial und bereits viel geschafft", sagt er und klappt den Meter Stück für Stück aus. Indem er viele Partner, mit denen die Tourist-Info zusammenarbeitet, aufzählt, klappt er den Zollstock wieder ein. Vier Elemente bleiben übrig. "Das sind meine 80 Zentimeter Potenzial, die ich anpacken möchte", sagt Bundscherer. Dafür nennt er vier Ansatzpunkte: Zielgruppenorientierte Werbung, weitere Digitalisierung, Ausbau der Gastronomie und Gastgeberstruktur als Anbieter von beispielsweise Ferienwohnungen, und schließlich eine enge Zusammenarbeit mit dem Stadtrat.

Um den ländlichen Tourismus in und um Tirschenreuth weiter als Wirtschaftsfaktor voranzubringen, möchte er unter anderem unkonventionelle Wege gehen, was Stahl begrüßt: "Wir wollten jemanden der Kreativität hat, Charme hat und neue Wege geht." Auch die Räte waren beeindruckt von der Präsentation. Vor allem der Punkt "Akquise von Gastgeber-Betrieben" löst im Gremium Zustimmung aus, wobei einige Räte prophezeihten, dass dies ein langer und steiniger Weg werden könnte. Dennoch habe Bundscherer die Unterstützung des Stadtrats.

Zahlung spaltet Räte

Zu einer heißen Diskussion kommt es beim Thema Erfrischungsgelder, die zur Landtags- und Bezirkswahl 2018 Wahlhelfern als Aufwandsentschädigung gezahlt werden sollen. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sollen zehn Euro und einen Tag frei erhalten, andere Wahlhelfer 30 Euro, der Wahl-Vorsitzende 40 Euro. Einige Räte sprachen sich für eine einheitliche Zahlung aus, andere fanden die Differenzierung sinnvoll, da etwa der Wahlleiter mehr Verantwortung trage, als ein Wahlhelfer. Mit drei Gegenstimmen wurde der Beschluss gefasst.

Ortsumgehung kommt

Aus der Nichtöffentlichen Sitzung gab der Stadtrat bekannt, dass mit der Planung der Ortsumgehung Tirschenreuth begonnen werde (wir berichteten). Die St 2167 soll den Verkehr von Mähring kommend südöstlich an Tirschenreuth vorbei zur B 15 lenken. Von insgesamt 137 Maßnahmen in der Kategorie "1R", Reserve, wurde die Ortsumgehung Tirschenreuth ausgewählt, in die Dringlichkeitsstufe 1 vorzurücken. Noch im Herbst beginnt die Planung für die knapp drei Kilometer lange Umgehung, die 5,3 Millionen Euro kosten soll. "Die Planungszeit dauert mindestens zwei Jahre. Vielleicht, eventuell können wir im Frühjahr 2021 mit dem Bau beginnen", rechnet sich Stahl aus. Paulus Mehler (CSU) bedankt sich beim Rathauschef für seine Hartnäckigkeit, "sonst wäre sicher nichts passiert." Manfred Zandt (Freie Wähler) findet es gut, dass die Räte geschlossen hinter dem Trassenverlauf stehen. "Ein großer Gewinn", merkt zweiter Bürgermeister Peter Gold an.

Einige Räte sehen auch in der Mitterteicher Straße Handlungsbedarf. Dort soll es mit einem Fuß- und Radweg kleine Verbesserungen geben. Auch beim Landratsamt soll ein Fußgängerüberweg mit Insel entstehen.

Aus dem Stadtrat:

Von Ludwig Bundscherers einprägsamen Präsentation zur Strategie der Tourist-Info zeigt sich der Stadtrat beeindruckt. „Jetzt haben wir schon einen Bürgermeister, der in großen Schritten voran joggt – wenn es jetzt so in der Tourist-Info weiter geht, ist es kein Wunder, wenn dem Stadtrat die Luft ausgeht“, kommentiert CSU-Stadträtin Angelika Brunner mit einem Augenzwinkern.

Konrad Zant (CSU) sprach weiter das Thema Mühlbach an. Bei der alten Brück in der Lohnsitzer Straße sei der Bachlauf eine „Katastrophe“. Herumliegende Flaschen würde den Mühlbach verschmutzen, der Wasserlauf sei komplett eingegrünt. „Man sieht kein Wasser mehr“, beschwert sich Zant. „Wenn ein richtiges Wetter kommt, haben wir ein Problem.“ Der Bürgermeister versprach dort tätig zu werden.

Hans Zölch (Freie Wähler) sei von mehreren Eltern angesprochen worden, ob nicht am Spielplatz beim Fischhofpark eine Art Überdachung möglich sei. „Das Thema haben wir mehrfach durchgekaut, wir haben bereits Bäume gepflanzt, die für Schatten sorgen“, sagt Stahl dazu. Ein Segel werde derzeit nicht viel bringen, findet das Stadtoberhaupt.

Manfred Zandt (Freie Wähler) erkundigte sich noch nach der Rappelkiste. Dort gab es vonseiten der Rechtsaufsicht, Regierung und Landratsamt, Mängel bezüglich der Betreuung. Bereits im Juni war eine Begehung mit allen Beteiligten. Gerade werde vom Betreiber Kinderschutzbund ein arbeitstechnisches Modell erarbeitet, sagt Stahl. „Die Rappelkiste geht in ihrer Grundstruktur weiter.

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