28.06.2020 - 10:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Aktion Solidarität: "So schlimm war es noch nie"

Ein Hilfeschrei aus Ruanda erreicht die Aktion Solidarität: Wegen der harten Corona-Einschränkungen sind die Menschen dort von einer akuten Hungersnot betroffen.

Mit den Spenden der Aktion Solidarität werden Lebensmittel gekauft. Die Patienten im Krankenhaus in Gikongo freuen sich darüber (Bild). Durch die strikten Corona-Ausgangsbeschränkungen brach in vielen afrikanischen Ländern, auch in Ruanda, eine Hungersnot aus.
von Lena Schulze Kontakt Profil

In vielen Ländern Afrikas ist durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen eine Notsituation entstanden. "Wir haben von unseren beiden Partnern in Ruanda erschütternde Briefe erhalten", berichten Karl Mehler, Vorsitzender der Aktion Solidarität, und Mitglied Anneliese Müller.

Die Ausgangsbeschränkungen seien in Ruanda sehr streng. Niemand dürfe das Haus verlassen, auch nicht zu Fuß. Der Handel sei blockiert, Läden und Märkte sowie Kirchen und Schulen seien geschlossen. Besonders für die Kinder sei die Lage dramatisch: "Keine Schule, keine tägliche Mahlzeit", weiß Mehler. Besonders armen Menschen fällt durch die Ausgangsbeschränkung das Einkommen weg, sie können nichts zu Essen kaufen. "Hungersnöte gab es in Ruanda schon öfter", schildert Gründungsmitglied Müller. "Aber so schlimm war es noch nie!" Mit einem Hilferuf wenden sich Organisationspartnerin Dr. Uta Düll, die ein Krankenhaus in Gikongo betreibt, und Pater Danko vom Salesianerorden in Gatenga an die Aktion Solidarität.

Alle Spendengelder überwiesen

Um schnell zu helfen, hat die Tirschenreuther Hilfsorganisation alle Spenden- und Patenschaftsgelder, die sich in zwei Jahren angesammelt haben, an Pater Danko und Uta Düll überwiesen. "Jeder Cent kommt zu 100 Prozent in Ruanda an", sagt Mehler. Die Spende im niedrigen fünfstelligen Bereich verwenden die Partner vor Ort hauptsächlich für Lebensmittel wie Mais, Reis, Bohnen, Zucker. Auch Hygieneartikel wie Seife wird davon gekauft. Mit der Zuwendung aus dem Stiftland wird das Krankenhaus betriebsbereit gehalten - mit dem Geld werden ebenfalls Lebensmittel für die Programme unterernährter Kinder und Medikamente angeschafft. "Sachspenden haben derzeit für uns keine Priorität", betont Mehler. Viel dringender seien derzeit finanzielle Mittel, die zudem schneller bei den Betroffenen in Afrika ankommen als Sachspenden.

Durch Hunger geschwächt

Erste Priorität der Verantwortlichen sei, den Hunger zu stillen. Während in Europa die Wirtschaft langsam wieder angekurbelt wird und man mit der Aufarbeitung der Folgen des Virus beschäftigt ist, steht der Corona-Ausbruch in Afrika wohl erst noch bevor. "Wenn das Virus dort ankommt, sind die Menschen schon durch die Hungersnot geschwächt", sorgen sich die Verantwortlichen der Aktion Solidarität.

Jahrzehntelang arbeitete die Tirschenreuther Hilfsorganisation mit den Partnern darauf hin, durch die Spenden Berufsausbildungen zu finanzieren und schulische Bildung zu unterstützen. Corona machte alles zunichte. "Da lösen sich Träume in Luft auf", seufzt Anneliese Müller. "In Afrika erholen sich die Länder nicht so schnell von Corona. Bis dort wieder Normalzustand herrscht, dauert es Jahre", vermutet Mehler.

Außenordentliche Versammlung

Die Aktion Solidarität ist derzeit dabei, sich neu zu strukturieren. Auch hier machte Corona der Organisation einen Strich durch die Rechnung. "Die Pandemie hat uns in unserer Vereinsentwicklung massiv zurückgeworfen." Es stehe noch eine außerordentliche Generalversammlung an, in der die neue Satzung beschlossen und das Vorstandsteam bestätigt werden müssen. "Das passiert in jedem Fall noch dieses Jahr", verspricht Karl Mehler.

Verbindung nach Uganda knüpfen

Nach 35 Jahren Hilfeleistung in Ruanda möchte er die Aktion Solidarität noch weiter ausbauen. Weil in Tirschenreuth seit einiger Zeit drei Schwestern aus Uganda leben, können sich die Verantwortlichen gut vorstellen, die Arbeit des Ordens in der Heimat der Schwestern zu unterstützten und eine Verbindung zu knüpfen. Die Aktion Solidarität hat knapp 40 Mitglieder und Patenschaften sowie weitere Unterstützer.

Ob die Hilfsorganisation weiter existieren kann, stand auf der Kippe:

Tirschenreuth
Die finanziellen Mittel aus der Oberpfalz sind dringend notwendig: Davon kaufen die Partner in Ruanda Lebensmittel, wie Reis, Bohnen und Mais. Wegen den Corona-Einschränkungen brach in Afrika eine Hungersnot aus.
Mithelfen :

Spende, Paten- oder Mitgliedschaft

Weil die Aktion Solidarität bereits alle Spenden überwiesen hat, ist dem Verein derzeit keine weitere Hilfe möglich. Die Tirschenreuther Hilfsorganisation ist für auf Geldspenden angewiesen. Spenden an: Sparkasse Oberpfalz Nord, IBAN: DE67 7535 0000 0008 8286 67, Verwendungszweck: Corona - Hungerkatastrophe Afrika.

Auch neue Mitglieder und neue Patenschaften sind gerne gesehen. Auskünfte erteilt Vorsitzender Karl Mehler unter Telefon 01 59 / 03 02 82 28 oder per E-Mail an aktion-solidaritaet[at]web[dot]de.

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