29.04.2021 - 18:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Amtsgericht Tirschenreuth: Im Internet bestelltes Gold und Silber kommt nicht an

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Ein Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth wollte viel Geld in Gold und Silber investieren. Er fiel aber im Internet auf einen Betrüger herein. Der Fall landete nun vor dem Amtsgericht Tirschenreuth.

Ein 37-Landkreisbürger wollte im Internet Gold und Silber in Barren und Münzen kaufen. Allerdings erhielt er nie seine Ware.
von Armin Eger Kontakt Profil

Er habe eine größere Summe von der Versicherung erhalten und wollte das Geld anlegen, erzählte ein 37-Jähriger aus dem westlichen Landkreis vor dem Amtsgericht in Tirschenreuth. "Ich habe bei Ebay-Kleinanzeigen geschaut", so der Mann. Er wollte im Mai 2019 Gold und Silber in Barren und Münzen kaufen. Er habe sich informiert und die Firma, über die alles abgewickelt werden sollte, schien seriös zu sein.

Kaution vorab überwiesen

"Das hatte alles Hand und Fuß", schilderte der 37-Jährige, der als Zeuge geladen war. Er überwies bei zwei Käufen mit einer Gesamtsumme in Höhe von 68.000 Euro vorab 14.550 Euro als Kaution. Die Abwicklung und Übergabe der Ware hätte sich aber hingezogen, erklärte der 37-Jährige. "Einmal konnte wegen eines anstehenden Feiertags der Geldtransporter nicht fahren, dann hatte ich keine Zeit." Irgendwann hatte er genug und er forderte die Ware oder das Geld zurück. "Die Frechheit war, die haben mir eine Rechnung geschickt. Ich sollte jetzt 33 Prozent der Gesamtsumme zahlen." Der Mann erstattete Anzeige.

Von Ebay-Verkauf nichts gewusst

Vor Gericht saß ein 61-Jähriger aus Baden-Württemberg, der mit dem Verkäufer gemeinsame Sache gemacht haben soll. Weil er den Strafbefehl nicht akzeptiert hatte, der ein Jahr auf Bewährung vorsah, kam es zur Verhandlung wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug in zwei tatmehrheitlichen Fällen.

Die 14.550 Euro, die der Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth überwiesen hatte, waren auf das Konto des Angeklagten eingegangen. Von diesem Betrag hatte er einen Teil an seinen Kumpel zurücküberwiesen, der den Deal abwickeln sollte. "Ich hatte keine Kenntnis davon, dass mein Kumpel diese Sachen über Ebay-Kleinanzeigen verkauft", so der Angeklagte. "Es war einfach so, dass wir uns bei finanziellen Schwierigkeiten gegenseitig unterstützten." Wie sich in der Verhandlung herausstellte, ist der Hauptverdächtige inzwischen in Ungarn untergetaucht und wird per Haftbefehl gesucht.

Den E-Mail-Verkehr zwischen dem Flüchtigen und dem Geschädigten las Richter Thomas Weiß auszugsweise vor. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten in Baden-Württemberg wurden Kontoauszüge sichergestellt, die den Eingang der Kaution bestätigten. Zudem wurden Visitenkarten gefunden, die den Angeklagten als Mitarbeiter der Firma auswiesen, die den Kauf abwickeln sollte, berichtete ein Polizist der KPI Weiden, die den Fall untersuchte. "Das hat den Tatverdacht verstärkt", so der Zeuge.

Keinen Kontakt mehr

"Ich habe mit ihm keine gemeinsame Sache gemacht", sagte der 61-Jährige über seinen damaligen Freund. "Nur weil er Geld gebraucht hat, habe ich ihm was überwiesen. Wenn ich gewusst hätte, dass er kein Gold liefern kann, hätte ich das Geld nicht genommen. Ich habe auch seit Monaten keinen Kontakt mit ihm."

"Mein Mandant ist bereit, in den nächsten Tagen das Geld zurückzuüberweisen", sagte Verteidigerin Stefanie Jetter. Da es nicht erwiesen sei, dass der Angeklagte die Kontonummer bewusst an den Untergetauchten weitergegeben hatte, beantragte sie ein Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage. "Mein Mandant war einfach nur dumm. Er hat sich auch mit dem Geld keine teueren Uhren gekauft. Er wollte nur überleben. Und er hat seinen Kumpel unterstützt."

Leichtfertige Geldwäsche

Er tue sich schwer damit, das Verfahren einzustellen, meinte Staatsanwalt Christoph May. "Der Angeklagte hätte erkennen müssen, um was es sich für Gelder handelt, wenn die aus irgendwelchen unbekannten Quellen kommen." Für May war es deshalb der Tatbestand der leichtfertigen Geldwäsche. Er beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätze zu 35 Euro.

Auch Richter Thomas Weiß sah das so. "Leichtfertige Geldwäsche ist es dann, wenn Geld verschleiert wird, das aus einer Straftat kommt." Der Angeklagte hätte sich Gedanken machen müssen, warum das Geld auf sein Konto überwiesen wurde und nicht auf das seines Kumpels. Er hielt dem 61-Jährigen zugute, dass er einsichtig und nicht vorbestraft ist und damals in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Er bestätigte die geforderte Geldstrafe des Staatsanwaltes.

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