29.04.2021 - 12:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Junger Mann feuert mit Softair-Pistole aus Auto und landet auf der Anklagebank

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Aus dem Auto heraus schoss ein 19-Jähriger mit einer Softair-Pistole grundlos auf zwei Jugendliche. Viermal wurden sie getroffen, einmal nur knapp unter dem Auge. Jetzt stand der junge Mann vor dem Jugendschöffengericht in Tirschenreuth.

Ein 19-Jähriger stand wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht in Tirschenreuth.
von Armin Eger Kontakt Profil

"Es trifft alles so zu, wie in der Anklageschrift beschrieben. Mein Mandant weiß, dass er Mist gebaut hat", erklärte Verteidiger Dominic Kriegel für den 19-Jährigen, der wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen und dem vorsätzlichen unerlaubten Führen einer Schusswaffe auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts in Tirschenreuth saß.

Was war geschehen? Im August vorigen Jahres hatte der junge Mann in einem Ort im Landkreis Tirschenreuth mit einer Softair-Pistole völlig grundlos auf zwei Jugendliche geschossen und diese auch verletzt. "Wir waren vier Jungs und zwei Mädchen und sind spazieren gegangen", schilderte einer der Geschädigten den Vorfall von damals. Es kam zum Streit mit einer anderen Gruppe, der aber der Angeklagte nicht angehörte. "Die haben uns geschubst, aber wir sind dann weggegangen", erzählte der Zeuge. "Wir wollten den Streit nicht. Als wir dann auf einer Bank saßen, kam ein Auto. Der Fahrer hat das Fenster runter gekurbelt und auf uns geschossen." Er sei dreimal getroffen und auch verletzt worden.

Diesen Ablauf bestätigte der zweite Zeuge. Der 16-Jährige wurde an der Wange knapp unterhalb des Auges getroffen. Das Gesicht sei angeschwollen gewesen und er habe nicht richtig gesehen. "Eine Frau hat uns geholfen und Erste Hilfe geleistet und auch die Polizei gerufen", so der Junge.

Angeklagter entschuldigt sich

"Das tut mir leid, das war sehr dumm. Ich möchte mich entschuldigen", sagte der Angeklagte zu den beiden Geschädigten persönlich. Der Anwalt überreichte im Namen seines Mandanten jeweils 300 Euro Schmerzensgeld direkt im Gerichtssaal.

Diese Tatsachen bewertet Staatsanwältin Jaclyn Zäch zugunsten des Angeklagten. Genauso, dass er die Tat voll umfänglich eingeräumt habe, sozial eingeordnet lebe und nicht vorbestraft sei. Sie erwähnte auch die psychischen Probleme, mit denen der Angeklagte im vorigen Sommer zu kämpfen gehabt habe, diese aber nun offenbar im Griff habe. "Es hätte um einiges schlimmer ausgehen können. Wäre die Kugel höher gewesen, hätte der Geschädigte sein Auge verlieren können. Alle haben erhebliches Glück gehabt und es sind keine bleibenden Schäden entstanden", so die Staatsanwältin.

"Fünf Zentimeter weiter oben, und der Schuss wäre ins Auge gegangen, vielleicht sogar ins Gehirn. Dann hätten Sie lebenslang für ihn bezahlen müssen."

Richterin Janina Leinhäupl

Die Tat sei keine spontane Entscheidung gewesen, sondern der Angeklagte habe die Waffe noch zu Hause geholt, meinte die Staatsanwältin. Das zeuge von krimineller Energie. Sie beantragte eine Jugendstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung und eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro.

Sein Mandant habe alles zugegeben, übernehme die Verantwortung, sagte Verteidiger Kriegel. Der Kumpel, der mit im Auto saß, hätte den Angeklagten "angestachelt". Die Staatsanwaltschaft sei der Sache jedoch nicht weiter nachgegangen und habe das Verfahren gegen den jungen Mann sogar eingestellt. Der Verteidiger räumte ein, dass der Anlass der Tat in keinem Verhältnis zu den Ereignissen vorher gestanden hätte. Es hätte dumm ausgehen können, aber Gott sei Dank sei alles recht glimpflich verlaufen. Er sah eine Jugendstrafe nicht für angemessen und beantragte eine Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts.

Das Schöffengericht verurteilte den 19-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung und unerlaubtem Waffenbesitz zu einem Wochenend-Jugendarrest und einer Geldauflage in Höhe von 500 Euro. Richterin Janina Leinhäupl bewertete das vollumfängliche Geständnis positiv, genauso wie die persönliche Entschuldigung und die Zahlung des Schmerzensgeldes.

Günstige Sozialprognose

Zulasten des Angeklagten spreche jedoch die Tatsache, dass er "wild um sich geschossen hat und es noch schlimmer hätte ausgehen können. Fünf Zentimeter weiter oben, und der Schuss wäre ins Auge gegangen, vielleicht sogar ins Gehirn. Dann hätten Sie lebenslang für ihn bezahlen müssen", sagte die Richterin zum Angeklagten. Auch das dieser nochmals heimgefahren sei, um die Waffe zu holen, sei ein Beweis dafür, dass die Tat nicht spontan war. "Sie haben die psychische Seite noch zu tragen, sind aber auf einem guten Weg und entwickeln sich positiv. Ich hoffe, dass wir Sie hier nicht mehr sehen", schloss die Richterin.

Nochmals Bewährung für Betrügereien

Tirschenreuth

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