27.04.2021 - 11:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Amtsgericht Tirschenreuth: Nochmals Bewährung für Betrügereien

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Auf rund 2600 Euro summiert sich der Schaden, den eine 34-Jährige bei zehn Gläubigern hinterließ. Dass sie teilweise aus finanzieller Not handelte, trug zu einem milden Urteil bei. Trotz Vorstrafen gab es nochmal Bewährung.

Symbolbild
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Im Winter 2017 begann eine Serie von zehn Betrugsfällen, die sich über mehr als ein Jahr erstreckten. Die Angeklagte aus dem Landkreis Wunsiedel räumte vor dem Amtsgericht Tirschenreuth die Taten ein: "Ich weiß, dass es falsch war." Die Mutter von drei Kindern nannte als Gründe ihrer Taten finanzielle Probleme und einen psychischen Ausnahmezustand.

Vor dem Amtsgericht Tirschenreuth listete Staatsanwalt Christoph Mey die einzelnen Käufe auf. Der teuerste unbezahlte Posten war die Rechnung eines Energieversorgers über 1145 Euro. "Ich habe damals seit sechs Monaten kein Geld vom Arbeitsamt bekommen und saß ohne Strom für mich und meine Kinder in der Wohnung", schilderte die Angeklagte ihre brenzlige Situation im November. Kurz vor Weihnachten bestellte sie Spielsachen. Nachdem ihr wegen unbezahlter Rechnungen immer wieder der Strom abgestellt wurde, schloss sie weitere Verträge mit anderen Anbietern ab. Diverse Telefonverträge, teilweise auf den Namen des Sohnes oder der Mutter, folgten. Unter einem Pseudonym verschaffte sich die Marktredwitzerin auch Zugang zum Pay-TV und bestellte im Internet Waren.

Finanziell war es immer eng. Die Angeklagte lebte wie ihr Mann von Arbeitslosengeld und jobbte als Bedienung, sagte sie vor Gericht aus. Der Ehepartner sei gewalttätig gewesen und habe sie vergewaltigt, was sie nicht anzeigte, weil sie für die Kinder stark sein wollte.

"Bei weiteren Straftaten müssten Sie trotz Ihrer Kinder für erhebliche Zeit ins Gefängnis."

Richter Thomas Weiß

Inzwischen habe sie sich von dem Mann getrennt. Mit Unterstützung der Familienhilfe laufe ihr Leben wieder in geordneten Bahnen, sie könne auch wieder arbeiten und sei dabei, sich einen Gesamtüberblick über ihre Schulden zu verschaffen. Wegen ihrer psychischen Probleme sei sie in Behandlung gewesen: "Jetzt ist alles gut." Ein ärztliches Gutachten bescheinigte eine Angststörung mit depressiver Reaktion.

Das Vorstrafenregister der Frau hat schon etliche Einträge, die letzten aus dem Jahr 2014. Damals verkaufte sie wiederholt über das Internet Sachen, die sie dann nicht lieferte, und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Jetzt sei eine Freiheitsstrafe angezeigt, folgerte der Staatsanwalt: "Mit einer Geldstrafe werden wir nicht mehr durchdringen." Zwar sei die Angeklagte geständig und habe teilweise aus Not gehandelt. "Aber kein Mensch, der kein Geld hat, braucht Sky oder so viele Telefonverträge."

Der Forderung nach einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung setzte Verteidiger Andreas Schätzler seinen Antrag entgegen, die Frau zu höchstens einem Jahr mit Bewährung zu verurteilen. Die Angeklagte habe von Anfang an reinen Tisch gemacht, ihre Taten seien nicht planmäßig erfolgt und aus der Not entstanden. "Sie ist keine Bewährungsversagerin", sagte der Anwalt mit Verweis auf die psychischen und finanziellen Probleme.

Richter Thomas Weiß folgte diesem Antrag und sah eine günstige Sozialprognose. Eine wiederholte Bewährung sei nur unter besonderen Umständen möglich, und die seien durch die äußerst belastende Situation der dreifachen Mutter gegeben. Das Urteil lautete ein Jahr Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährung. Die Frau muss 100 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Abschließend belehrte sie der Richter eindringlich: "Bei weiteren Straftaten müssten Sie trotz Ihrer Kinder für erhebliche Zeit ins Gefängnis."

Bewährung gab es in einem weiteren Betrugsfall

Tirschenreuth

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.