16.05.2021 - 10:58 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Aus dem Amtsgericht Tirschenreuth: Schilder besprüht und mit 1,61 Promille am Steuer vor der Polizei davongerast

Sachbeschädigung in sieben Fällen. Dazu noch betrunken mit dem Auto unterwegs. Der damals 19-Jährige lieferte sich mit der Polizei ein Verfolgungsrennen und war mit bis zu 180 km/h auf der Landstraße unterwegs. Jetzt saß der Jugendliche auf der Anklagebank vor dem Jugendgericht in Tirschenreuth.

Ein 20-Jähriger saß unter anderem wegen Sachbeschädigung vor dem Amtsrichter.
von Armin Eger Kontakt Profil

Die beiden jungen Männer besprühten Verkehrszeichen, Wände, einen Zigarettenautomaten, schütteten Benzin an die Wand in eine Unterführung und zündeten sie an. Bei den sieben Aktionen im April und Mai vorigen Jahres entstand ein Schaden in Höhe von 1500 Euro. Einer der Beteiligen, ein 20-Jähriger aus dem westlichen Landkreis, stand nun wegen Sachbeschädigung vor Gericht.

Aber nicht nur deswegen: Am 3. Juli 2020 war er mit 1,61 Promille Alkohol im Blut mit seinem Audi unterwegs und flüchtete mit einer Geschwindigkeit von bis zu 180 km/h vor der Polizei. Die Anklage lautete hier auf "verbotenes Kraftfahrzeugrennen mit vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr".

"Stundenlang geschrubbt"

Es hätte keinen speziellen Hintergrund gehabt, warum er das getan habe, sagte der Angeklagte: "Es kam einfach so. Die Graffitis waren eine spontane Idee, nachdem wir etwas getrunken hatten." Nachdem er und sein Kumpel von der Polizei überführt worden waren, leisteten beide Wiedergutmachung. Sie bezahlten die beschädigten Sachen und machten die besprühten Schilder sauber. "Wir haben stundenlang geschrubbt", so der 20-Jährige. Daraufhin nahmen die Geschädigten ihre Strafanträge zurück. Während das Verfahren gegen den Mittäter eingestellt wurde, saß der 20-Jährige auf der Anklagebank, weil die Staatsanwaltschaft wegen der Schadenshöhe ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung hat.

Fahrt endet in Straßengraben

Nur wenige Wochen nach den Sachbeschädigungen stand der Jugendliche erneut in Fokus der polizeilichen Ermittlungen. Am 3. Juli war er mit seinem Audi unterwegs, hatte vorher schon kräftig getrunken. Einem Polizeibeamten, der auf dem Heimweg unterwegs war, fiel die rasante Fahrweise auf und er nahm die Verfolgung auf. Der damals 19-Jährige fuhr mit bis zu 180 km/h auf der Landstraße. Drei Polizeiautos versuchten, den Flüchtigen zu stoppen. Die Fahrt des Jugendlichen endete im Straßengraben. Er war nur leicht verletzt.

"Ich habe die Kurve aufgrund meines Zustandes und der überhöhten Geschwindigkeit nicht ganz gepackt", gab der Angeklagte zu. Eine Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,61. Schon mit 16 sei es mit Alkohol und Cannabis losgegangen, erzählte er. Die Trinkerei hätte mit Corona noch zugenommen. "Als Ziel hatte ich mir gesetzt, einen Liter Wodka auf einmal zu trinken." Inzwischen habe er den Alkoholkonsum runtergeschraubt und ein Drogenabstinenzprogramm absolviert.

"Legal, illegal, scheißegal. So haben Sie gelebt", sagte Oberstaatsanwalt Bernhard Voit in seinem Plädoyer. "Sie wurden wegen Drogen ermahnt, machten aber weiter mit den Sachbeschädigungen und dann kam noch die Fahrt hinzu. Was Sie an einer Serie hingelegt haben, geht weit über das Normale hinaus. Es ist zu überlegen, ob nicht schädliche Neigungen vorliegen."

Zugute hielt er dem 20-Jährigen, dass er weitgehend geständig sei, Wiedergutmachung geleistet habe und dass nun seit zehn Monaten nichts mehr passiert ist. Deshalb könne Jugendstrafrecht angewandt werden. Angemessen seien ein Jugendarrest von zwei Wochen sowie eine Sperre der Fahrerlaubnis von eineinhalb Jahren.

"Jugendtypisch und unreif"

Für Verteidiger Dominic Kriegel war das Verhalten seines Mandanten "jugendtypisch und unreif". Er sei auf die schiefe Bahn geraten, Drogen und Alkohol seien aus Langeweile konsumiert worden. Frust sei hinzugekommen und die Folge seien die Sachbeschädigungen gewesen. Es sei eine gewisse Reifeverzögerung festgestellt worden, deshalb beantragte Kriegel eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht. Er stellte allerdings infrage, ob der Tatbestand des Kfz-Rennens gegeben sei.

"Wir haben hier einen reuigen Angeklagten sitzen", sagte der Verteidiger. Ein Wochenend-Jugendarrest, dazu eine Geldauflage von 600 bis 800 hielt er für ausreichend. Die Fahrerlaubnis sollte für drei bis vier Monate entzogen werden.

Verurteilung nach Jugendstrafrecht

Richterin Janina Leinhäupl sah in ihrem Urteil den Tatbestand der siebenfachen Sachbeschädigung und auch den eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr gegeben. "Sie hätten viele Beteiligte in Gefahr bringen können, da Sie mit erhöhter Geschwindigkeit rücksichtslos unterwegs waren", sagte sie. "Drogen, Alkohol und dann Corona und Sie machen immer weiter. Das zeugt von einer Reifeverzögerung." Deshalb könne noch Jugendstrafrecht angewandt werden.

Sie hielt dem Angeklagten zugute, dass er ein Geständnis abgelegt habe, Wiedergutmachung betrieben habe und das Abstinenzprogramm für Drogen und Alkohol in Angriff nehme. "Sie sind heute niemals die Person, die in den Akten drin steht. Sie brauchen keine zwei Wochen Jugendarrest." Ihr Urteil: Ein Wochenendfreizeitarrest, 800 Euro Geldauflage, Führerscheinentzug für ein Jahr und vier Monate. Die Kosten des Verfahrens wollte sie dem Angeklagten "nicht aufbrummen".

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