13.05.2020 - 10:55 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bagger im Bachbett

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Kinder, die im Sommer am Mühlbachufer im Schlamm matschen oder im Winter auf der vereisten Teichfläche Schlittschuh laufen – eine Vorstellung, die schon bald wahr werden könnte.

Einen markanten Umbau erfährt der Teich an der Mühlbühlstraße. Jetzt noch ein Fahrweg, soll mit dem Geländestreifen wieder ein Bachbett für den Mühlbach geschaffen werden. Der Wasserstand des Teichs zur Stadt hin soll über zwei Wehre geregelt werden. Im Winter könnte dann der Wasserstand gesenkt und eine Fläche zum Schlittschuhlaufen geschaffen werden.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Seit Mitte März graben sich die Mitarbeiter des Schirmitzer Unternehmens Schmidt durch den Bach- und Teichgrund und krempeln die Flächen entlang des Mühlbachs kräftig um. Wo jetzt blanker Erdboden und schlammiger Teichgrund ein eher tristes Bild abgeben, soll bald schon eine weitere attraktive Freizeit- und Erholungsanlage im Zentrum der Kreisstadt entstehen. "Wir halten auch in Corona-Zeiten an der städtebaulichen Entwicklung fest", beschreibt Bürgermeister Franz Stahl die auffällige Baumaßnahme.

Mit der Neugestaltung der Grünflächen zwischen Bahnhofstraße und Stadtteich Nord-Ost nimmt Tirschenreuth die erste Etappe eines Plans, der eigentlich für die Bewerbungsunterlagen für die kleine Landesgartenschau 2022 ausgearbeitet wurde. Nach einem Rückzieher der Stadt Traunstein hatte Tirschenreuth eine interessante Bewerbung abgegeben, die auch als Fortführung des Gartenschaugeländes von 2013 zu verstehen war. Der "grüne Gürtel" um die Altstadt war Kern des Konzeptes, wonach Tirschenreuth wieder von Wasserflächen umgeben sein sollte. Den Zuschlag bekam Franz Stahl nicht, den ausgearbeiteten Plan wollte er aber nicht aus den Augen verlieren. Mit dem Städtebauförderprogramm "Zukunft Stadtgrün" fand sich eine Möglichkeit, die Ideen bei einer hohen Bezuschussung umzusetzen.

Radikaler Umbau

Im März durfte Stahl den Startschuss für den ersten Abschnitt geben. Seitdem sind die Arbeiter mit dem Umbau der Flächen beschäftigt. Auffällig ist das Vorhaben an der Bahnhofstraße im Bereich des Platzes La Ville du Bois. Dort findet sich nur mehr der blanke Erdboden, was den radikalen Umbau des Platzes verdeutlicht. Zur Bahnhof- und Mühlbühlstraße werden Rad- und Gehwege entstehen, ebenso Baumreihen, die den Platz zu den Fahrbahnen hin abgrenzen. Auffällig wird die Gestaltung der freien Fläche hin zum Mühlbach. Mit acht breiten Stufen soll das Gelände zum Bach hin abfallen. Unten soll eine Flachwasserzone entstehen, die gerade den Kindern eine willkommene Spielfläche bieten wird. Nach Norden hin wird der Gehweg zum Teich eine kleine Kurve und damit eine Aufwertung bekommen. Schilfgrünzonen oder Steine im Bachbett, ähnlich wie im Fischhofpark, sollen zudem für mehr Attraktivität in diesem Bereich sorgen.

Zwei Wehre

Kaum mehr wiederzuerkennen sind die Teichfläche entlang der Mühlbühlstraße und ihre Umgehung. "Doch keine Sorge, die Pläne sehen auch hier eine deutliche Aufwertung vor", kann Bürgermeister Franz Stahl bei der Besichtigung der Baustelle versprechen. Zu den Besonderheiten gehört ein Geländestreifen nahe der Westseite des Teiches, der wieder ein Bachbett für den Mühlbach schaffen wird. In diesen Grünstreifen wird auch die vorhandene Insel integriert. Das neue Bachufer hat eine Reihe von Vorteilen. Zum einen finden die Wasservögel hier einen nahezu ungestörten Bereich. Zudem wird der Bach den benachbarten Teich weniger mit Sedimenten belasten. Und schließlich kann auf die Wasserfläche des Teiches Einfluss genommen werden. Denn zwei Wehre (Zu- und Ablauf) werden den Teich regulieren. Damit könnte im Winter der Wasserstand gesenkt werden und vielleicht auch eine Fläche zum Schlittschuhlaufen geschaffen werden, freut sich der Bürgermeister jetzt schon auf diese Möglichkeit.

Zudem wird der Freizeitbereich an diesem Stadtteich eine Aufwertung erfahren, die gerade die Familien freut. Mehr Wasserfläche wird die Baumaßnahme bringen, sowie eine "Kaimauer mit Pergola im unteren Teil". Gerade den Kindern wird natürlich der Spielplatz "Stadt am Wasser" gefallen. Ein Balanceturm wird sich dort finden, der dann Klettnersturm heißen soll, aber auch ein "Hauptplatz" mit Rutschen, Wippen und Schaukeln. Alles ein bisschen in Bezug auf die Altstadt. Am Nordende soll ein weiterer Stufenzugang zum Teich entstehen, mit einem Flachwasserbereich und Stegen. Von den Planern des Büros NRT sind hier fantasievolle Ideen ausgearbeitet worden. Der vorhandene Bolzplatz wird zu einer Multifunktionsarena, die auch Sitzmöglichkeiten einrahmen sollen.

Bericht im Neuen Tag über den Spatenstich

Tirschenreuth

Die Pläne sollen nach den Vorstellungen der Stadt heuer noch umgesetzt werden. "Die Aufträge sind alle vergeben", betont der Bürgermeister. Im kommenden Jahr steht dann der Ausbau der Franz-Böhm-Gasse im Programm, mit Erneuerung des Mühlbachbrücke. Für die gesamten Vorhaben plant die Stadt mit vier Millionen Euro Kosten und einer Förderung von 2,1 Millionen Euro.

Stahl: Hohe Ziele

Doch damit nicht genug: Als nächsten Abschnitt des "grünen Gürtels" um die Altstadt hat Stahl den Bereich zwischen Mühlbühlstraße und dem Lengenfelder Weg im Auge. Damit könnte, wenigstens angedeutet, eine historische Situation wieder entstehen. Denn bis 1808 war Tirschenreuth von Teichflächen umgeben. "Wir haben hohe Ziele", versichert Stahl weitere Bemühungen, die Attraktivität der Altstadt zu stärken.

Völlig "umgekrempelt" wird der Platz La Ville du Bois. Mit der Baumaßnahme soll auch eine Stufenanlage hin zum Mühlbach entstehen. Das Projekt "Zukunft Stadtgrün" werde zu einer weiteren Steigerung der Attraktivität der Altstadt führen, ist Bürgermeister Franz Stahl überzeugt.
Der Plan für das Projekt "Zukunft Stadtgrün".
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