16.04.2020 - 09:56 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Baumschnitt fordert Entscheidungen

Forsch müssen Obstbäume zurückgeschnitten werden, dann wachsen sie wohlgeformt und sind ertragreich. Wie das geht und wie man einen "Chef" wählt, zeigt Kreisfachberater Harald Schlöger.

von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn Harald Schlöger, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, mit Fachausdrücken nur so um sich wirft, spitzen die Teilnehmer seines jährlichen Kurses "Obstbaumschnitt" angestrengt die Ohren. Schlöger spricht von einer "Zugsäge", von "Fruchtästen", von "Wasserschösslingen", von "Frostrissen", einem "Erziehungsschnitt" und vielem mehr. Was für ihn selbstverständlich ist, wollen 20 Männer und Frauen lernen.

Schlöger hat die Kursteilnehmer diesmal hinter das Amt für Landwirtschaft und Forsten gebeten, wo eine kleine Obstbaumplantage dringend auf einen Fachmann wartet. Apfelbäume, ein neu gepflanzter Quittenbaum, eine alte Kirche und weitere Obstbäume wollen geschnitten werden. Für Harald Schlöger ein wahres "Eldorado" seines Faches. Denn hier wurde, wie er sagt, in der Vergangenheit bei der Baumpflege viel falsch oder gar nichts gemacht.

Nicht zimperlich

"Die Leute wollen in ihren Gärten niedrige Bäume und kriegen nach dem Schnitt besonders hohe", spricht der Fachmann an, was passiert, wenn man alles falsch macht. Ein Baumschnitt, so Schlöger weiter, "braucht Entscheidungen". Forsch und kein bisschen zimperlich geht er ans Werk. Die Kursteilnehmer lernen direkt am Objekt. Schlöger setzt sein umfangreiches theoretisches Wissen zu Demonstrationszwecken gleich in die Realität um.

Glatte Schnitte

Beim Werkzeug rät er zur Zugsäge. Diese sei leicht bedienbar und könne für wenig Geld in jedem Baumarkt gekauft werden. Um den Baum so wenig als möglich zu verletzen, sollte an dickeren Ästen immer ein glatter Schnitt gemacht werden. "Bei zu dicken Ästen kann's dann zu Baumhöhlen kommen", erklärt Schlöger an einem Beispiel. Das gefalle den Vögeln, die dort brüten und den Naturschützern. "Dem Hobbygärtner weniger."

Schlöger zeigt auch, wie ein normaler Ast zum Leitast wird. Nicht ganz einfach, so dass mehrere Demonstrationen notwendig werden. "Mein Baum schaut aus wie ein Besen", sagt ein Teilnehmer und zeigt Schlöger ein Handyfoto. Damit sei er nicht der einzige, tröstete der Fachmann den Laien. Diese "Hirschgeweihe" könne man mit einem Schnitt an einem Trieb unterhalb des Fehlers entfernen.

Leitäste schaffen

Jeder Baum solle drei Leit-äste haben. "Aus Nebenästen können sie bei alten Bäumen gern auch einen neuen Leit-ast machen", erklärt Schlöger zur langfristigen Pflege. Dafür könne auch ein neuer, noch schwacher Ast aufgebaut werden. Zur Symmetrie eines Baumes biete sich die Form eines Kegels an. "Äste flach nach oben können stehenbleiben", so Schlöger. Was sich kreuze oder nach innen und unten wachse, könne weg. "Da kriegen Sie ein Auge dafür. Immer am besten ein paar Meter weggehen und schauen, wie das Ergebnis des Schnitts wirkt." Um Astgabeln zu vermeiden, müsse man konsequent einen "Chef" wählen. Zeitpunkt der Pflege sei für Obstbäume der Frühling. Für Nussbäume sowie einige Laubbäume sei der Sommer besser. Zu den senkrecht nach oben ragenden Wasserschösslingen meinte Schlöger, diese könnten sich auch zu schönen Ästen entwickeln. Wegreißen könne man sie, solange sie noch weich sind, gut zum Sommeranfang, vor dem Verholzen. Regelmäßiges Auslichten fördere den Ertrag der Ernte.

Löschkalk einsetzen

Schlöger spricht auch Verletzungen am Baum, der Rinde und deren Behandlung an. Gerissene Baumrinden, oft auch aufgrund von intensiver Sonneneinstrahlung, könne man mit Löschkalk bestreichen oder sich Pflegematerial im Fachhandel besorgen. Auch Umwickeln sei hilfreich. "Sonst wird der Baum anfällig für Schädlinge sowie Pilze und geht kaputt."

Um Sonnenschäden zu vermeiden, helfe ein weißer Anstrich. Zur regelmäßigen Pflege meint Schlöger, ein aufwendiger Schnitt sei nicht jedes Jahr erforderlich. Jedoch erfordere jeder Baum regelmäßige Beachtung. "Dann wird er bis zu 100 Jahre und kann uns überleben."

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