Tirschenreuth
27.12.2018 - 10:55 Uhr

Böse Geister in der Rauhnacht vertreiben

Susanne Lehner war im Wald - vor einer ganzen Weile schon hat sie Harzklumpen von Fichten gesammelt und getrocknet. Verräuchert wird Harz etwa bei der Rauhnacht am 4. Januar in Tirschenreuth.

Die zertifizierten Kräuterführerinnen Cornelia Stahl (links) und Susanne Lehner (rechts) mit traditionellen Räucherpflanzen für die Rauhnacht am Freitag, 4. Januar in Tirschenreuth. Bild: exb (Susanne Lehner)
Die zertifizierten Kräuterführerinnen Cornelia Stahl (links) und Susanne Lehner (rechts) mit traditionellen Räucherpflanzen für die Rauhnacht am Freitag, 4. Januar in Tirschenreuth.

"Sicherheit und Schutz und Erde! Das Räuchern mit Kräutern, Wurzeln und Harzen ist ein alter Tirschenreuther Ritus", erklärt die zertifizierte Kräuterführerin. Was man alles verräuchern kann und welche Wirkung unsere Ahnen dem Rauch nachgesagt haben oder wieso nordamerikanische Indianer genauso wie die Slawen räucherten, erläutern am Freitag, 4. Januar, ab 16 Uhr Susanne Lehner und Cornelia Stahl mit einer einmaligen Kräuterführung auf dem Tirschenreuther Mühlbühl. Beim uralten Ritual des Rauhnacht-Räucherns wartet auf die Teilnehmer ein geruchsintensives Mitmacherlebnis am warmen Feuer.

Mystische Rauhnacht

Das Datum des Räucherritus ist kein zufälliges, denn noch bis Dreikönig sind die sogenannten Rauhnächte - eine Zeit, um den bösen Geistern des alten Jahres klar zu machen, dass sie gerne in 2018 zurückbleiben können. Die Räucherkultur dazu ist bis auf wenige Reste verschwunden. Nur noch wenige Bauern verräuchern traditionell den an Mariä Himmelfahrt geweihten Kräuterbusch im Stall. Die Kirche bewahrt immerfort die einst heidnische Räucherkunst und lässt zu Hochfesten den süßlichen Weihrauchduft verströmen, mit dessen Schwaden die Gebete gen Himmel steigen sollen.

Am Feuer im Winterdunkel bieten die zertifizierten Kräuterführerinnen Geruchserlebnisse, "die nicht nur nach Räucherstäbchen stinken", sagt Susanne Lehner. Kräuterführerin Cornelia Stahl hat beispielsweise einen echten Wacholder in einem alten Garten in der Tirschenreuther Ringstraße gefunden und erklärt: "Im Wacholder wohnt ein uriger Oberpfälzer Duft, allerdings entfaltet nur der originale Wacholder dieses Räucheraroma. Den alten Wacholder erkennt man daran, dass er Stacheln trägt - die heute verbreitete Ziervariante macht das nicht."

Weil Wacholder, Fichte und Mariengras recht intensive Aromen entfalten können, ist eine alte Jacke wohl das richtige Kleidungsstück für den einmaligen Räucherworkshop.

Wertvolles aus der Natur

55 Euro kosten 100 Gramm Harz im Onlinehandel - denn das Blut der Oberpfälzer Bäume ist wertvolles Räuchergut. Die Kräuterführerinnen wissen allerdings, wo man in der Natur suchen muss und wie man die Räucherutensilien richtig einsetzt.

Treffpunkt zur Räucher- und Kräuterführung ist am Freitag, 4. Januar, um 16 Uhr vor der Mittelschule am Parkplatz. Die Anmeldungen laufen über die Tirschenreuther Tourist-Information per E-Mail an urlaub[at]stadt-tirschenreuth[dot]de oder per Telefon 09631/600-248. Die Teilnahme kostet 10 Euro; bezahlt wird direkt bei den Gästeführerinnen. In den Rauhnächten im Januar 2020 soll es dann eine Fortsetzung geben.

 
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