Tirschenreuth
23.05.2024 - 13:46 Uhr
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Bürgermeister Franz Stahl noch zwiegespalten in Sachen erneute Kandidatur

Vor 40 Jahren wurde Franz Stahl in den Stadtrat gewählt. Seit 22 Jahren ist er Bürgermeister der Kreisstadt Tirschenreuth. Im Rathaus zieht er Bilanz und gibt einen Ausblick.

Bürgermeister Franz Stahl hat noch nicht entschieden, ob er bei der nächsten Kommunalwahl 2026 noch einmal für den Posten als Rathauschef kandidiert. Er ist bereits seit 22 Jahren, die vierte Periode im Amt. Bild: szl
Bürgermeister Franz Stahl hat noch nicht entschieden, ob er bei der nächsten Kommunalwahl 2026 noch einmal für den Posten als Rathauschef kandidiert. Er ist bereits seit 22 Jahren, die vierte Periode im Amt.

2002 trat Franz Stahl das Amt des Bürgermeisters an. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt der 63-Jährige, warum er diese Zeit - auch die 18 Jahre davor als Stadtrat - nicht missen möchte. Auch die weitere Lebensplanung ist ein Thema.

Erst zu seinem 40. Stadtratsjubiläum Anfang Mai fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: In zwei Jahren ist Kommunalwahl. "Die Zeit verging wie im Flug", sagt Stahl. Nach dem Tod von Karl Berr ist Stahl nun noch dazu der dienstälteste Stadtrat. Tritt er 2026 noch einmal als Bürgermeisterkandidat an oder räumt er den Chefsessel?

Auf diese Frage, ob er sich eine fünfte Amtsperiode als Stadtoberhaupt vorstellen kann, kann er aktuell noch keine klare Antwort geben. "Das muss ich mir die nächsten Wochen und Monate selbst noch gut überlegen." Nachdenklich sitzt Franz Stahl in seinem Chefsessel im Tirschenreuther Rathaus. Die vergangenen Jahrzehnte – im Ehrenamt, Stadtrat und als Bürgermeister – sei er immer für die Gesellschaft und die Menschen da gewesen. Jetzt stelle sich für ihn immer mehr die Frage: "Was will ich für mich privat", sagt der 63-Jährige, der kürzlich zum dritten Mal Opa wurde.

Große Aufgabe: Stadtentwicklung

Stahl hatte und hat immer noch viele Ideen. Der Bürgermeister forderte seine Stadträte – die enorme Vielzahl an Projekten, das gewaltige Tempo der Umsetzung forderten aber auch den 63-Jährigen. "Die letzten Jahre waren mit einem wahnsinniger Arbeitsaufwand verbunden", betont er. In der heutigen schnelllebigen Zeit gehe es aber gar nicht mehr anders als Projekte permanent parallel zu verfolgen.

Als Bürgermeister schrieb er sich die Stadtentwicklung groß auf die Fahne. "Das gab es unter meinen Vorgängern nicht." Mittel- oder langfristige Ziele hatte das Gremium damals nicht auf dem Schirm. Bildung, Kultur, Wirtschaft, soziales Miteinander: Wie soll sich die Stadt weiter entwickeln? "Wir waren damals eine der ersten Städte in Bayern, die das konsequent erarbeitet und umgesetzt haben."

In den 40 Jahren, die Stahl im Stadtrat tätig ist, habe sich viel verändert. Allen voran in Sachen Digitalisierung. Auch Nachhaltigkeit spiele immer mehr eine Rolle. "Klimaresilienz war vor zehn Jahren noch gar kein Thema. Wobei wir das 2013 mit der Gartenschau schon umgesetzt haben: mehr Grün und Wasser in der Stadt."

Besonders genoss Stahl die vergangenen zwei Amtsperioden. "Es war eine sehr homogene Arbeit im Gremium", lobt er den Stadtrat. Nicht die Parteipolitik, sondern der Mensch stand im Vordergrund der Arbeit. Wichtig sei ihm gewesen, nicht nur Ziele zu setzen, sondern auch umzusetzen. Und ein Ohr für die Anliegen der Menschen zu haben. "Es ist nicht immer alles himmelblau und rosarot. Aber bei allen Themen, egal ob positiv oder negativ, habe ich versucht, eine ehrliche Antwort zu geben. Das ist besser als ein herumeiern."

Entscheidung mit Familie klären

Zurück zur Frage nach der erneuten Kandidatur für den Bürgermeister-Posten: "Ich habe in den vergangenen vier Jahren nie dran gedacht, wie es für mich persönlich weitergeht. Es stand so viel auf der Agenda, da bin ich schlicht nicht dazu gekommen." Besonders mit seiner Familie will er die Entscheidung absprechen. "Meine Frau hat meine Entscheidungen immer mitgetragen. Meine Familie hat in der Vergangenheit sehr oft auf mich verzichten müssen", gibt Stahl zu. Mit seinem Leben ist der Tirschenreuther dennoch sehr zufrieden, betont er. "Ich habe keine ausgefallenen Wünsche oder Reisen, die ich unbedingt noch machen will."

Ob es Projekte gibt, die er noch als Bürgermeister abschließen will? "Nein, bei einer Stadt ist man ja nie fertig", sagt Stahl und lacht.

Auch die offene Frage, wer ein möglicher Nachfolger für das Amt des Bürgermeisters sein könnte, lässt Stahl bei seinen Überlegungen außen vor. "Das spielt bei meinen Überlegungen im Augenblick keine Rolle."

Wichtig sei vor allen Dingen, dass die Gesundheit stimmt, findet Stahl. Wenn er sich noch einmal aufstellen lasse und zum fünften Mal Bürgermeister wird, dann will er die Amtsperiode auch durchziehen, sagt Stahl. "Das ginge dann bis 2032, da bin ich dann 71 Jahre alt", überlegt er.

Angesichts der vergangenen Jahre, die sehr fordernd waren, fände es der 63-Jährige aber schön, "aufzuwachen und mal keine Verantwortung zu haben, nichts entscheiden müssen". Denn das Amt habe sein Leben in den vergangenen Jahrzehnten bestimmt.

Andererseits: "Füße stillhalten liegt nicht in meiner Natur. Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn ich am 1. Mai 2026 kein Bürgermeister mehr wäre."

Hintergrund:

Privat und politische Karriere

  • Geboren am 12. November 1960 in der Kreisstadt
  • 1978 Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landratsamt Tirschenreuth
  • 1982 Eintritt in die CSU (2005 bis 2015 Vorsitzender)
  • 1984: als 23-Jähriger in den Stadtrat gewählt
  • 1996 bis 2002: Zweiter Bürgermeister
  • 2002: knapper Sieg mit 54 Prozent bei der Bürgermeisterwahl gegen Franz Kühn (Freie Wähler)
  • Seit 2002: Mitglied im Kreisausschuss
  • Bereits seit 2014 kein Gegenkandidat für das Bürgermeister-Amt
  • Kommunalwahl 2020: Wiederwahl mit 92,4 Prozent
  • Zahlreiche Mitgliedschaften in Vereinen und Organisationen
  • Verheiratet seit 1985 mit Cornelia Stahl, drei Kinder sowie mittlerweile drei Enkel
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