18.04.2021 - 13:50 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bürgermeister-Versammlung: Fahrradfahren auf Kreis- und Bundesstraßen "ist Harakiri"

Die Ziele sind hoch gesteckt. Der Anteil des Radverkehrs in Bayern soll in naher Zukunft auf 20 Prozent gesteigert werden. Allerdings ohne neue Radwege zu bauen. Für die Bürgermeister im Landkreis Tirschenreuth ist das völlig inakzeptabel.

Dass sich Radfahrer und Autofahrer eine Straße teilen, wie hier auf diesem Bild aus Mecklenburg-Vorpommern, sollte nicht sein. Darin sind sich die Bürgermeister im Landkreis Tirschenreuth einig. Die Gefahr sei einfach zu groß. Sie möchten lieber, dass mehr Radwege gebaut werden.
von Armin Eger Kontakt Profil

Bayern will den Radverkehr fördern. Ziel ist es, den Anteil des Radverkehrs auf 20 Prozent zu erhöhen. Wie das erreicht werden soll, stellte Markus Heimann, der stellvertretende Sachgebietsleiter der Kreisstraßenverwaltung, den Bürgermeistern bei der Dienstversammlung im Tirschenreuther Kettelerhaus vor.

"Von jeder Gemeinde zu jeder Gemeinde, von jedem Rathaus zu jedem Rathaus soll ein Radweg ausgeschildert werden", erklärte Heimann. "Das allerdings soll auf schon vorhandenen, asphaltierten Wegen stattfinden. Der Bau neuer Radwege ist nicht geplant."

Weiße Schilder

Erst Mitte März habe man die Vorgaben erhalten und nun habe der Landkreis zwölf Monate Zeit, diese auf einer Karte vorgegebenen Wege, die nichts mit dem touristischen Radwegenetz zu tun haben, zu bestätigen. Dann folgten eine Befahrung und anschließend die Beschilderung mit den weißen Schildern und der grünen Schrift, so wie bei den touristischen Radwegen.

"Der Freistaat möchte dieses Netz, um 20 Prozent Radanteil am Gesamtverkehr zu erreichen", sagte Heimann. "Wie wir das in unserem ländlichen Gebiet umsetzen sollen, weiß ich allerdings noch nicht."

„Auf die Straße von Tirschenreuth nach Pilmersreuth möchte ich keinen Radfahrer schicken. Das ist Harakiri.“

Bürgermeister Lothar Müller

Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer wollte wissen, ob der Freistaat die Beschilderung zahlt und ob es tatsächlich so sei, dass das Radnetz über vorhandene Straßen führe. Dies bestätigte Heimann. "Auf die Straße von Tirschenreuth nach Pilmersreuth möchte ich keinen Radfahrer hinschicken", sagte der Vorsitzende der Bürgermeisterdienstversammlung, Lothar Müller. "Das ist Harakiri." Kollege Klaus Meyer aus Bad Neualbenreuth sah keinen Nutzen darin, wenn die Wege doppelt beschildert sind. „Dann haben wir oben auf den gelben Tafeln den Hinweis, wie weit es in den nächsten Ort für die Autofahrer ist, und darunter auf dem weißen Schild die gleiche Entfernung für die Radfahrer. Die sollen uns lieber das Geld geben und wir bauen neue Radwege.“

Radwege immer mitplanen

Dass viele Lastwagen unterwegs sind, sei positiv, denn es sei ein Zeichen, dass sich was bewege. Aber jetzt müsse man mit der Infrastruktur nachziehen, meinte Müller. Das sah auch Landrat Roland Grillmeier so: "Das Radfahren nimmt immer mehr zu und deshalb sollten bei jeder Straßensanierung oder bei jedem Neubau Radwege mitgeplant werden." Die Ausschilderung von Radwegen auf Staats- oder Bundesstraßen bezeichnete der Landrat als lebensgefährlich. "Das kann man nicht empfehlen. Wir müssen schauen, dass wir hier vorankommen und das Straßenbauamt wieder mit an Bord holen." Aber wie schwierig das alles sei könne er aus seiner Zeit als Mitterteicher Bürgermeister bestätigen. "Für den Radweg von Mitterteich nach Wiesau haben wir zehn Jahre mit den Grundstückseigentümern verhandeln müssen, bis er verwirklicht werden konnte."

Ständig wird das Radwegenetz erweitert

Bärnau

 

 

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