"Wir sind total aus dem Häuschen!", beschreibt Edeltraud Weyh-Preßler die Lage am Donnerstagnachmittag, nachdem in der Ministerpräsidentenkonferenz der Leitfaden für den Disco-Restart bekannt wurde. Sie führt den Familienbetrieb, das WS in Kulmain, in dritter Generation. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung. Sie und ihre Tochter Linda wollen sofort aufmachen. "Wir überlegen noch, ob wir Freitag und Samstag oder nur einen Tag aufmachen. Aber wir machen in jedem Fall auf." Die Vorfreude sei unbeschreiblich.
Regelungen sehr kurzfristig
Zur Vorfreude auf die Öffnungen im Oktober mischte sich auch Unsicherheit. Wann genau geht es los? Welche Maßnahmen gelten dann? Gelten Abstandsregeln? Muss mit Maske gefeiert werden? Welche Vorlieben haben die Disco-Gänger? Kommt das Personal zurück? Edeltraud Weyh-Preßler hätte sich früher mehr konkrete Infos gewünscht. Doch wieder kommen die Regelungen sehr kurzfristig. Den Betreibern bleibt kaum Zeit, sich auf die Hygiene-Leitfäden einzustellen und alle Regelungen umzusetzen. "Wir haben zwar unsere Hausaufgaben gemacht. Aber trotzdem geht die Wiedereröffnung nicht von heute auf morgen!" Sie und ihre Tochter versuchen es trotzdem mit der Hau-Ruck-Aktion. Sie ließ die Lüftungsanlage mit Reinigungsfiltern aufrüsten. Im Eingangsbereich wurde für den Kassier ein Glashäuschen installiert, ebenso wurden Bildschirme angeschafft, über die dann die Getränkekarte zu sehen ist.
In die Bredouille bringt die 55-jährige Inhaberin die Regelung, dass auch für das Personal die 3G-Regel gilt. "Das wird schwierig für uns." Die neuen, jüngeren Barmitarbeiter seinen zwar alle geimpft, freut sie sich. Doch die älteren Mitarbeiter, um die 30 Jahre alt, nicht. Gerade diese sollten aber die Neuen anlernen. Fehlt ihnen der Impf- oder Genesenen-Nachweis, müssen sie zwei Mal in der Woche einen negativen PCR-Test vorlegen. Anderfalls dürfen sie nicht arbeiten. Die 3G-Regel findet Weyh-Preßler in Ordnung. Schwierig werde es wohl mit PCR-Tests. Erst recht, wenn diese ab 11. Oktober nicht mehr kostenlos sind.
Doch am Donnerstag überwiegt die Vorfreude. "Es ist unbeschreiblich, nach 18 Monaten dürfen wir endlich wieder aufsperren!" Bestimmt liegen die Nerven vor der Öffnung blank, sagt die 55-Jährige. Alles muss geputzt werden, passt die Elektrik, stehen die Cocktailshaker an ihrem Platz?
Große Wiedereröffnung am Freitag
Die Freude ist auch bei Alexander Holländer riesengroß. Etwas gebangt hatte er doch: Nicht, dass es sich Markus Söder doch noch anders überlegt und die Wiedereröffnung der Clubs nochmal abbläst. Der 30-Jährige betreibt das No4 in Tirschenreuth seit September 2019. Auf Facebook kündigt Holländer gleich für den 1. Oktober eine Party an: Grand Re-Opening ("Große Wiedereröffnung"). Am Samstag geht es sofort weiter mit einer Mallorca-Party. Seit klar ist, dass er wieder aufsperren darf, ist er jeden Tag im No4. "Es laufen ziemlich viele Arbeiten im Hintergrund." Auch er rüstete die Lüftungsanlage mit Partikelfiltern auf, im Sommer standen zudem Umbauarbeiten an.
Zuviel will Holländer noch nicht verraten. "Das soll eine Überraschung für die Partygäste werden." Sein Personal hatte der Betreiber schnell wieder beisammen. "Die meisten sind wieder da, nur einige sind neu", berichtet er. Der Putzaufwand sei enorm. Eine Staubschicht hätte sich seit März 2020 über den Tresen gelegt. Teilweise mussten die Geschirrspüler repariert werden. "18 Monate Stillstand lügen nicht", kommentiert Holländer.
























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