17.11.2020 - 16:22 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Corona-Antikörper-Studie: Tirschenreuther lassen Blut fließen

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Wie verhalten sich Corona-Antikörper? Darauf gibt es bislang nur wenig gesicherte Antworten. Einige könnte aber die Corona-Studie des Landkreis Tirschenreuth liefern. Die zweite Runde hat am Montag begonnen.

Auch Landtagsabgeordneter Tobias Reiß ist Teilnehmer der Covid-19-Studie im Landkreis Tirschenreuth. Eine Mitarbeiterin des BRK nimmt ihm Blut ab.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Nach und nach kommen am Montag die Probanden in die Turnhalle St. Peter in Tirschenreuth. Es ist einer von drei Standorten, an dem Teilnehmer der Corona-Studie aus dem Landkreis in den nächsten beiden Wochen erneut ihr Blut auf Antikörper untersuchen lassen können. Sie alle haben in den vergangenen Tagen Post erhalten, auch bei der zweiten Runde der Untersuchung mitzumachen.

Am Eingang der Halle erhalten die Bürger von Mitarbeitern frische Einweg-Mund-Nase-Masken. Die Hände werden unter einen Desinfektionsspender gehalten. Im nächsten Raum misst eine Frau mit Face-Shield und Ganzkörper-Schutzanzug die Körpertemperatur. "Wer Fieber hat, wird sofort wieder weggeschickt", sagt eine Mitarbeiterin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK).

Fragebögen für Probanden

Jeder Studienteilnehmer erhält einen Fragebogen, der im Wartebereich ausgefüllt wird. Die nächste Station ist die Turnhalle. Dort stehen große Papp-Stellwände, die den Raum in mehrere Bereiche aufteilen. Bis zu fünf Personen können gleichzeitig betreut werden. Zuerst geht es auf die linke Seite. Hier warten Studenten der Medizin, Biologie und Molekular-Medizin aus Regensburg und Erlangen. Sie informieren die Leute - auch in Bezug auf mögliche Risiken. Dann geht es auf die rechte Seite der Halle: Hier nehmen BRK-Mitarbeiter Blut ab.

Das wollen die Wissenschaftler der "TiKoCo19"-Studie auf Antikörper testen. Einer von ihnen ist Studienleiter Professor Ralf Wagner. Der Immunologe und Virologe vom Universitätsklinikum Regensburg freut sich über die rege Beteiligung der Tirschenreuther. So waren bis 19 Uhr rund 110 Probanden in die Turnhalle gekommen. Das waren mehr Personen, als die Wissenschaftler erwartet hatten. "Je höher die Beteiligung ist, desto besser ist es später für die Statistik der Studie", erklärt Wagner.

Durch die zweite Runde könne das Studien-Team unter anderem erforschen, wie viele Corona-Neuinfektionen es seit Juli gegeben hat. "Zudem zeigt sich, wie stabil die Antikörper sind, die bereits gemessen wurden."

Das Problem: Bislang gibt es noch keine gesicherten Forschungsdaten zu der Entwicklung von Antikörpern. Daher gehe es auch um die Erforschung des sogenannten immunologischen Gedächtnisses. "Unser Immunsystem kann sich eine Erkrankung merken", so der 58-jährige Wissenschaftler. Ziel sei es, herauszufinden, ob Personen, die bereits Antikörper hatten, ein verringertes Risiko haben, erneut schwer zu erkranken.

"Wir werden etwa Ende Dezember bis Mitte Januar fundierte Ergebnisse vorlegen können."

Professor Ralf Wagner, Virologe und Immunologe am Universitätsklinikum Regensburg

Professor Ralf Wagner, Virologe und Immunologe am Universitätsklinikum Regensburg

Auswertung läuft schon

Schon ab Dienstag beginnen die Wissenschaftler mit der Auswertung der Blutproben und der Fragebögen. "Wir werden Ende Dezember bis Mitte Januar fundierte Ergebnisse vorlegen können." Diese sollen helfen, das Coronavirus besser zu verstehen. Der Professor forscht unter anderem auch an Impfstoffen, um das Virus einzudämmen. Aber kann mit deren Hilfe schon in einem Jahr wieder ein Stück weit Normalität zurückkehren? Es sei ein ehrgeiziges, aber realisierbares Ziel, das von verschiedenen Faktoren abhänge. "Man braucht dafür den richtigen Plan", sagt er. So komme es darauf an, wer zuerst geimpft werde und die Verteilung müsse funktionieren.

Wann es mit dem dritten Teil der Antikörper-Studie weitergeht, hänge vom Infektionsgeschehen ab. Momentan planen die Wissenschaftler im Frühjahr 2021 mit der Fortführung. "Die wärmere Jahreszeit könnte ein Resümee für den Winter werden." Optimale Voraussetzung für die Studie wäre es, wenn sich die Infektionen stabil auf einem niedrigen Niveau halten. "Für uns wäre es schlecht, wenn sich das Infektionsgeschehen nur noch von Lockdown zu Welle und wieder von Lockdown zu Welle bewegen würde." Auch Landrat Roland Grillmeier bittet die Menschen, an der Studie teilzunehmen. Er lässt sich ebenfalls am Montag Blut abnehmen. "Damit leistet jeder einen Beitrag, den Virus zu verstehen." Er ist gespannt auf die Ergebnisse: "Im Juli war die Lage noch entspannt. Jetzt steigen die Zahlen wieder stark an." Er kündigt an, dass bald die Antikörper-Entwicklungen in den unterschiedlichen Gemeinden veröffentlicht werden sollen.

Die Ankündigung der zweiten Runde für Corona-Antikörper-Studie im Landkreis Tirschenreuth

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Am Dienstag gibt es 13 neue Corona-Infektionen im Landkreis Tirschenreuth

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Hintergrund:

Eckpunkte zur Corona-Antikörper-Studie

Die erste Runde der Studie "Prospektive Covid-19-Kohorte Tirschenreuth" (TiKoCo19) fand vom 29. Juni bis 17. Juli statt. 4203 Einwohner aus dem Landkreis hatten ihr Blut auf Antikörper untersuchen lassen. Davon hatten 4173 Personen angegeben, dass sie freiwillig auch bei dem zweiten Teil der Studie mitmachen möchten.

  • Ergebnis der Erstuntersuchung:8,6 Prozent der Teilnehmer wiesen Antikörper gegen das Virus auf. Es lässt sich ableiten, dass etwa 20 Prozent der Infektionen im Frühjahr im Landkreis erfasst wurden.
  • Die Studie wird von den Universitäten Regensburg und Erlangen in Kooperation mit dem Landratsamt Tirschenreuth und dem BRK-Kreisverband abgewickelt. Auftraggeber ist das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
  • Studienleiter: Professor Ralf Wagner (Universitätsklinikum Regensburg) und Professor Klaus Überla (Universitätsklinikum Erlangen)
  • Zweiter Teil der Studie: Teilnehmer können, vom 16. bis 27. November an einem Termin zwischen 16 und 20 Uhr in eines von drei Blutabnahmezentren kommen.
  • Blutabnahmezentren: Tirschenreuth (Turnhalle St. Peter), Wiesau (Mittelschule) und Kemnath (Alte Schule Waldeck)
  • Die Teilnahme ist freiwillig. Auf Wunsch erhalten die Probanden den Befund der Antiköperuntersuchung im Anschluss an die Analyse. So erfahren sie, ob sie sich seit der letzten Blutabnahme mit dem Coronavirus infiziert haben und ob bereits festgestellte Antikörper noch nachweisbar sind.

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