08.10.2019 - 11:29 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Demokratie verstehen und fördern

Was verbirgt sich hinter der Initiative "Erinnerungskultur Demokratie"? Friedrich Wölfl klärt auf.

Studiendirektor Friedrich Wölfl a.D. sprach mit Heimatpfleger Robert Treml, Kreisjugendring-Vorsitzendem Jürgen Preisinger, Zweitem Vorsitzenden des Kreisjugendrings Andreas Malzer, FDP-Kreisvorsitzendem Reinhard Heinrich und VHS-Leiterin Angelika Schraml (von links) über die Möglichkeiten der neuen Initiative.
von Redaktion ONETZProfil

In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule des Landkreises Tirschenreuth stellte Studiendirektor a. D. Friedrich Wölfl die Initiative "Erinnerungskultur Demokratie" vor. Für das Projekt sollen Orte der Demokratie, Ereignisse, Räume, Personen und Entwicklungen zusammengetragen werden, die im Landkreis eine Rolle gespielt und Auswirkungen bis in die Gegenwart haben.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit ab dem Jahr 1945. Wölfl ist der Meinung, dass es zwar viele Menschen gebe, die sich mit der Geschichte in unserer Umgebung beschäftigen, jedoch konzentrieren sich diese meist auf Zeiträume wie das Mittelalter oder die NS-Zeit.

Anreize im Schulalltag

Gerade im Umgang mit Jugendlichen, vor allem in Schulen sei es "Standardprogramm", das Konzentrationslager in Flossenbürg zu besuchen. Dies sei zwar durchaus richtig, jedoch wünschte sich Wölfl, dass man jungen Leuten nicht nur von den Schrecken des Dritten Reichs berichtet. Neben den negativen Erinnerungen sollten sich Schüler und Erwachsene auch klar machen, dass Demokratie nicht selbstverständlich sei und sich damit befassen, wie sich die Demokratie in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.

Im Vordergrund des Projekts gehe es darum, eine positivere Haltung gegenüber der Demokratie zu schaffen und diese zu stärken. Durch die Initiative solle eine Art "Atlas der Demokratie" entstehen. Die Verantwortlichen planen nicht nur zu verzeichnen, wo in der Region wichtige demokratische Ereignisse stattfanden, sondern auch wie es zu diesen kam und welche Folgen sie hatten.

Wölfl wünsche sich dafür zum Beispiel, dass auch Jugendbeiräte und -bürgermeister sowie Lehrer die Initiative unterstützen und Jugendliche dazu motivieren, sich mit der Identität des Landkreises auseinanderzusetzen. Anreize im Schulalltag könnten etwa Seminararbeiten sein, für die Schüler mehr über die Geschichte der Umgebung zu recherchieren.

Schilder mit QR-Codes

Doch nicht nur für junge Menschen ist die Initiative "Erinnerungskultur Demokratie" gedacht. Wölfl schweben viele verschiedene Möglichkeiten vor, die Geschichte der Landkreis-Demokratie an die Menschen heranzubringen. Er könne sich unter anderem auch Informationen entlang bestehender Radwege vorstellen. Schilder mit QR-Codes könnten dort auf historische Räume, Personen oder Geschehnisse hinweisen. So wolle man an die Bürger herantreten und sie dort erreichen, wo sie sich ohnehin aufhalten, statt nur auf Vorträge und andere Veranstaltungen zu setzen.

Themenbereiche, die das Projekt behandeln könnte, sind beispielsweise der Erhalt der Natur und die Heimatpflege, symbolische Orte der Willkommens-Kultur - in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1960er Jahren, 1989/90, aber auch heutzutage - oder die Gründung demokratischer Parteien. Erste Pläne umfassen die Erstellung eines eigenen Internetauftritts, auf der die Beteiligten zunächst Informationen und Hintergründe zu einigen Ereignissen sammeln möchten. Dies können sie im Laufe der Zeit weiter ausbauen und pflegen.

Hintergrund:

Suche nach Unterstützern

Ideen und Unterstützung erhofft sich die Initiative momentan unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" und Zeitschriften wie "Demokratie ganz nah". Doch auch im Landkreis Tirschenreuth benötigt Initiator Friedrich Wölfl Hilfe.

Generell findet die Initiative "Erinnerungskultur Demokratie" Anklang bei Politikern und Organisationen, jedoch sind im Moment noch relativ wenige Unterstützer bereit, sich konkret in das Projekt einzubringen. Von Hobby-Historikern, die sich mit der Zeit ab 1945 in der Region beschäftigen, bis hin zu Personen und Organisationen, die das Projekt mit Ideen unterstützen oder bei der Umsetzung dieser helfen, ist Wölfl für jeden dankbar. Interessenten können sich jederzeit bei Friedrich Wölfl melden, E-Mail wffri[at]web[dot]de oder Telefon 0 92 31 / 629 68. Das nächste Treffen hat er für den 31. Januar angesetzt.

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