27.08.2019 - 15:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Dickes Fragezeichen hinter Kewog-Neubau in Tirschenreuth

Hinter dem Neubau der Kewog-Zentrale in Tirschenreuth steht plötzlich ein dickes Fragezeichen. Der Grund: Die Kewog soll für das Millionenprojekt keine staatliche Förderung erhalten. Die war jedoch fest eingeplant.

Was wird aus dem Grundstück der Kewog an der Falkenberger Straße? Hinter dem Neubau steht plötzlich wieder ein Fragezeichen.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Das Gelände der früheren Tirschenreuther Porzellanfabrik SMCS soll neu bebaut werden. Auf der einen Seite der Fläche sind die Arbeiten bereits angelaufen. Dort errichtet das Trockenbau-Unternehmen Gerhard Enslein aus Falkenberg seit einigen Tagen eine Werkstatt mit Lagerhalle. Auf dem westlichen Teil des Grundstücks baut die Kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) Tirschenreuth ein neues Bürogebäude für die Mitarbeiter. Oder besser gesagt wollte errichten. Ob es dazu kommt, ist plötzlich fraglich.

2,7 Millionen Euro Kosten

Rund 2,7 Millionen Euro hat die Kewog für ihre neue Zentrale in Tirschenreuth veranschlagt. Etwa 500 000 Euro sind nach dem Finanzplan der GmbH als Regionalzuschuss eingeplant. Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching hat nun erfahren, dass es keine Wirtschaftsförderung geben soll, weil die Kewog eine GmbH mit mehrheitlich kommunaler Beteiligung ist. Büsching macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er erklärt auf Nachfrage, dass seine Gesellschaft über das Projekt unter Umständen noch einmal intensiv nachdenken müsse. "Vielleicht rücken wir von dem Neubau ganz ab", so der Krummennaaber.

Für die gewerbliche Wirtschaftsförderung stehen in Bayern Landesmittel, Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie Bundesmittel aus der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" zur Verfügung. Laut Homepage des Wirtschaftsministerium ist grundsätzlich eine Regionalförderung möglich, wenn Arbeitsplätze vor Ort geschaffen und gesichert, das gesamtwirtschaftliche Wachstum gestärkt und dem demografischen Wandel und der Abwanderung von Arbeitskräften entgegengewirkt wird. Die Kewog mache mit dem Neubau also genau das, was die regionale Wirtschaftsförderung anstrebe, erklärt Büsching.

Wirtschaftsförderer Volker Höcht räumt ein, dass das erste Statement der zuständigen Stellen wirklich nicht gerade optimistisch geklungen habe. Aufgrund der kommunalen Beteiligung werde die Kewog wie ein Großunternehmen behandelt, erläutert er. "Damit wäre der Neubau wirklich nicht förderfähig. Aber es ist hier noch nichts final festgezurrt", so Höcht. Landrat Wolfgang Lippert habe mittlerweile die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. "Auch die Regierung hat die Tür noch nicht zugeschlagen. Wir werden alles machen, was möglich ist", versichert der Wirtschaftsförderer.

Büsching macht sich derweil bereits Gedanken, wie im Falle eines negativen Bescheids verfahren werden könnte. Die Kewog werde dann, schon allein aus betriebswirtschaftlicher Sicht, das Projekt überdenken müssen, findet Büsching. Unter Umständen sei es dann sinnvoller und attraktiver, mit Hilfe von Städtebaufördermitteln einen Leerstand in einer Innenstadt zu beseitigen und modern auszugestalten. Bei näherer Betrachtung habe diese Lösung durchaus einen gewissen Charme, da die Kewog mit solchen Sanierungsprojekten in Ostdeutschland viel Erfahrung mitbringe.

Auch die Verlagerung eines Teils der Arbeitsplätze in die Zentren, in denen die Kewog derzeit große Projekte verwirkliche, will Büsching grundsätzlich nicht ausschließen. "Betriebswirtschaftlich wäre dies ohnehin die bessere Lösung", erläutert der Geschäftsführer. Er schätzt, dass derzeit etwa 15 der 40 Mitarbeiter in Tirschenreuth mit "überregionalen Tätigkeiten" beschäftigt sind. Insgesamt hat die Kewog 85 Mitarbeiter.

Planung läuft vorerst weiter

Die nächste Aufsichtsratssitzung im September könnte damit spannend werden. Bis dahin werde man wohl mehr wissen und könne gegebenenfalls Alternativen prüfen, lässt der Geschäftsführer wissen. Die Planung für das neue Gebäude laufe vorerst weiter. Kommt es zum Neubau, dann setzt die Kewog auf Know-how aus dem Chiemgau. Die Firma Regnauer Haus- und Objektbau ist derzeit dabei, die Vorstellungen der Kewog planerisch umzusetzen. "Die bieten eine Holzbauweise, die energetisch auf Topniveau ist", so Büsching.

Beabsichtigt ist, mit der Firma auch einen Vertrag als Generalunternehmer für die Realisierung abzuschließen. Im März 2020 sollen die Arbeiten auf dem Areal eigentlich starten und das Haus noch im gleichen Jahr bezogen werden. Büsching: "Aber wir haben dafür noch keine Verträge abgeschlossen, können uns also jederzeit noch umorientieren, wenn das für uns wirtschaftlicher ist. Das Gute ist zudem, dass wir für unser derzeitiges Bürogebäude einen geltenden Mietvertrag haben, der nur einseitig von uns kündbar ist." Die Kewog ist derzeit einige hundert Meter vom Neubaugrundstück entfernt in einem städtischen Gebäude untergebracht. Damit stehe die Kewog nicht unter Zeitdruck und könne auch eine neue Lösung in aller Ruhe vorbereiten und sich gegebenenfalls auch in anderen Orten im Landkreis nach geeigneten Objekten umsehen, wobei ein Neubau natürlich für die Kewog nach wie vor der Königsweg sei, ließ Büsching durchblicken.

Die Gesellschafterstruktur:

Die Gesellschafterstruktur

"Solide und einzigartig", so wirbt die Kewog auf ihrer Homepage mit der Gesellschafterstruktur, die nun zum Bumerang zu werden droht. Fast 57 Prozent der Anteile gehörend den Kommunen: 31,1 Prozent hält der Landkreis Tirschenreuth, 25,8 decken 18 Städte und Gemeinden des Landkreises ab. Die KMB - die Kewog-Mitarbeiter-Beteiligungs-GmbH - ist mit 34,3 Prozent dabei. Der Rest setzt sich wie folgt zusammen: 2,0 Prozent eigene Anteile, 0,4 Prozent Sparkasse Oberpfalz Nord und 4,4 Prozent zwölf Firmen und Privatpersonen. (wb)

Das Baugrundstück, das die Kewog vor einigen Monaten von der Stadt Tirschenreuth erworben hat. "Zu einem handelsüblichen Preis", wie Geschäftsführer Bernd Büsching betont.
Geschäftsführer Bernd Büsching (links) hofft nun, dass Landrat Wolfgang Lippert seinen Einfluss geltend machen kann.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.