13.02.2020 - 13:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die eigene Frau mit Fäusten traktiert

Ein 34-Jähriger steht vor dem Tirschenreuther Amtsgericht, weil einer Erzieherin im Kindergarten blaue Flecken aufgefallen sind.

34-Jähriger musste sich vor dem Tirschenreuther Amtsgericht verantworten.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Einer Erzieherin im Kindergarten fielen an einer 32-Jährigen Mutter mehrere Blutergüsse auf. Der 34-jährige Vater stand nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht. Vor Amtsrichter Thomas Weiß musste der Äthiopier wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegenüber seiner Ehefrau verantworten. Nach der Anklageschrift von Staatsanwalt Bernhard Voit soll der Angeklagte seine Frau im September vergangenen Jahres in das Gesicht geschlagen und am Hals gepackt haben, so dass sie Hämatome und Schmerzen erlitten hat. Es lag nun an Richter Thomas Weiß herauszufinden, was passiert war.

Hämatome und Schmerzen

Dem 34-Jährigen stand ein Dolmetscher zur Seite, der auf Deutsch übersetzte. Der Angeklagte gab zu, dass es Streit gab, er habe seine Frau nicht absichtlich geschlagen. Seit dem Vorfall im September habe er seine Familie nicht mehr gesehen. Er wolle sich bei seiner Frau entschuldigen, vermisse seine Kinder.

Richter Weiß lagen Fotos von der Polizei vor. Sie zeigten die Frau mit einem blauen Auge, einem roten Kratzer am Hals und einem blauen Fleck am rechten Arm. Der Angeklagte meinte, dass die Verletzungen nicht von ihm stammen. Der Richter ließ nicht locker: "Ihre Frau sagt, dass Sie sie öfter geschlagen hätten." Der 34-Jährige bejahte, dass es in der Ehe mehrmals zu Streit kam, jedoch die Verletzungen auf den Bildern nicht von ihm stammen können. Laut dem Richter habe der Angeklagte zu seiner Frau gesagt, dass sie es nicht wert sei zu leben. "Nein, das habe ich nicht."

Weiß betonte im Gerichtssaal, dass die Ehefrau ihren Mann nicht anzeigen wollte. "Die Sache kam dadurch ins Rollen, als eine Erzieherin im Kindergarten die Verletzungen an ihrer Frau auffielen." Die Erzieherin ging zum Jugendamt, welche die Polizei einschaltete. Staatsanwalt Voit fragte den Angeklagten: "Einerseits sagen Sie, dass es ihnen Leid tut, was passiert sei. Andererseits wollen Sie ihre Frau nicht geschlagen haben. Was stimmt nun?"

Schließlich wurde die Ehefrau des Angeklagten als Zeugin befragt. Richter Weiß schickte den Angeklagten während der Befragung der 32-jährigen Frau aus dem Saal. "Es besteht die Gefahr, dass die Zeugin in Anwesenheit des Angeklagten nicht die Wahrheit sagt."

Die Frau kam in Begleitung einer Betreuerin. Ihre Aussagen wurden ebenfalls durch den anwesenden Dolmetscher übersetzt. Sie gab an, seit 2016 mit ihrem Mann verheiratet zu sein. Gemeinsam haben sie zwei Kinder, ein weiteres ist unterwegs. "Wann sind Sie aus Äthiopien geflohen?", fragte der Richter. Die Frau berichtete, dass sie 2016 ihre Heimat verließ. Zunächst lebte sie mit ihren Mann in Frankreich und dann in Deutschland. 2019 kam die Familie nach Tirschenreuth.

"Wenn er trinkt, schlägt er mich"

Die Frau schilderte den Streit im September aus ihrer Sicht: Es habe damit angefangen, dass ihr Mann getrunken habe. "Wenn er trinkt, schlägt er mich und weiß am nächsten Morgen nicht mehr, was er getan hat." Ihr Mann habe die Heizung aufgedreht. "Ich wollte das nicht, weil ich Nasenbluten bekomme, wenn es zu warm ist." Der Mann habe sein Telefon nach ihr geworfen, sie aber nicht getroffen. "Das Telefon ging kaputt. Das machte ihn wütend."

Ihr Mann habe sie mit der Faust auf die Stirn und auf den rechten Arm geschlagen. "Ich wollte um Hilfe schreien. Dann hat er mich mit beiden Händen am Hals gepackt, mich auf der Couch liegen gelassen und gesagt, ich soll schweigen." Richter Weiß frage: "Wann ging das los, dass Sie Ihr Mann geschlagen hat?" "Das hat in Frankreich angefangen, immer wenn er getrunken hat. Es passierte regelmäßig - alle ein bis zwei Monate." Seitdem sie von ihrem Mann getrennt sei, gehe es ihr besser.

Strafe am Schluss akzeptiert

Der Tirschenreuther Richter hielt die Frau für glaubwürdig und riet dem Mann, den Einspruch zurückzuziehen und die Strafe anzunehmen. Der Angeklagte akzeptierte schließlich die Strafe von 90 Tagessätzen mal 15 Euro (1350 Euro). Der Staatsanwalt riet dem 34-Jährigen zum Schluss: "Sie sollten nichts mehr trinken."

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