27.04.2020 - 10:26 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Einmarsch der US-Truppen vor 75 Jahren in Tirschenreuth: Großvater sieht zum ersten Mal einen schwarzen Mann

Das Anwesen in der Mitterteicher Straße 4 bis 12 in Tirschenreuth. Im mittleren Haus wohnte 1945 Siegfried Fuchs mit seiner Mutter und deren Schwiegereltern. Er erinnert sich an Erzählungen seiner Familie zum Kriegsende.
von Externer BeitragProfil

Als amerikanische Truppen am 21. April 1945 Tirschenreuth einnahmen, war Siegfried Fuchs genau ein Jahr und 18 Tage alt. „Wir – meine Mutter und ich – wohnten damals bei den Schwiegereltern im sogenannten ,Fabriksbau‘ in der heutigen Mitterteicher Straße 8, vormals Hausnummer 451“. Im markanten Häuserblock wohnten Arbeiter der Porzellanfabrik Hutschenreuther. Zwei Ereignisse aus dieser Zeit wurden in der Familie immer wieder erzählt, erinnert sich Fuchs, der heute in Vorra nahe Hersbruck lebt. Beim Einmarsch der U.S. Army aus Richtung Mitterteich ließen die Bewohner des Fabrikbaus aus allen Fenstern weiße Bettlaken heraushängen, um die „kampflose“ Übergabe zu signalisieren. Zum anderen gab es noch eine kuriose Schilderung: „Mein Großvater Johann, Porzellandreher im Ruhestand und Veteran des Ersten Weltkriegs, hielt sich nicht an die Ausgangssperre. Neugierig wie er war, schlich er sich über den Hinterausgang über die Mezgerstraße in Richtung Mühlbühl („Ürwl“), wo er sich eine gute Sicht auf die Mühlbühlstraße erhoffte. Schon nach kurzem kam der damals 67-Jährige außer Atem und käsweiß zurück, verkroch sich in seinem Bett und war längere Zeit nicht mehr zu zum Aufstehen zu bewegen.“ Der Grund: Ihm war eine Streife mit US-Soldaten begegnet und dabei hatte er das erste Mal in seinem Leben einen schwarzen Mann gesehen.

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