28.11.2020 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

„Entscheidung mit Auswirkungen“

Bildungsmanager Hilmar Fütterer aus Tirschenreuth bewertet die aktuelle Situation auf Ausbildungsmarkt. Zahlreiche Unternehmen präsentieren zudem ihre Ausbildungsplätze 2021.

Bildungsmanager Hilmar Fütterer
von Stefan Puhane Kontakt Profil

Die Ausbildungsmessen im Landkreis Tirschenreuth waren in den vergangenen Jahren wahre Besucher-Magnete. Tausende Jugendliche und deren Eltern nahmen das Angebot, mit zahlreichen Firmen- und Unternehmensvertretern ins Gespräch zu kommen, stets gerne wahr. Auf diese Weise konnten die Heranwachsenden ihre eigenen beruflichen Interessen ausloten – die Betriebe wiederum hatten die Möglichkeit, für ihre freien Lehrstellen kräftig die Werbetrommel zu rühren.

Das alles ist jedoch Schnee von gestern. Die Corona-Pandemie hat heuer sämtliche Präsenz-Veranstaltungen zunichte gemacht, eine Rückkehr zu der bisher bewährten Form ist nicht absehbar. Wir haben mit Hilmar Fütterer, Bildungsmanager im Landkreis Tirschenreuth, über die aktuelle Situation gesprochen.

ONETZ: Herr Fütterer, hatte der Ausfall der bisher stets sehr gut besuchten Ausbildungsmessen direkte Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt im Landkreis Tirschenreuth?

Hilmar Fütterer: Bisher gibt es wohl noch keine direkt messbaren Auswirkungen, die Schülerinnen und Schüler der entsprechenden Abschlussklassen hatten für dieses Jahr ihre Ausbildungsverträge in der Tasche. Allerdings kann man von der Tendenz her schon sagen, dass sich für die Unternehmen unserer Region auch in diesem Jahr die Situation nochmals verschärft hat und sehr viele Ausbildungsplätze trotz der Corona-Pandemie unbesetzt blieben.

ONETZ: Bei der Ausbildungsmesse 2019 in Waldsassen etwa erklärten sie, dass viele junge Leute schon vor dem Besuch der Veranstaltung eine Lehrstelle sicher hatten und sich deshalb ganz ohne Druck alle weiteren Angebote ansehen konnten. Glauben Sie, dass dies – auf das Jahr 2020 bezogen – vor Ausbruch der Corona-Pandemie auch der Fall war?

Grundsätzlich hatten die Schüler der letzten Jahrgangsstufen in unserer Region zu diesem Zeitpunkt ihre Ausbildungsverträge bereits in der Tasche. Für die jungen Leute war das sicherlich positiv. In den Unternehmen blieben jedoch – wie schon gesagt – viele Ausbildungsstellen unbesetzt. In der Bildungsregion Landkreis Tirschenreuth fand 2020 überhaupt keine Ausbildungsmesse statt. Schon die für den 14. März geplante „Frühjahrsmesse“ in Waldsassen sagten wir vorsichtshalber ab und auch die für den 10. Oktober geplante „Herbstmesse“ im westlichen Landkreis, in Kemnath, fiel aus. Als Alternative bot sich eine digitale Ausbildungsmesse an, wozu wir unsere Website www.dasAusbildungsportal.de nutzten. Vom 13. bis 24. Juli konnte man über die „Speed-Dating-Funktion“ unmittelbar Kontakt zu den Betrieben aufnehmen. Danach und seitdem findet man hier weiterhin die wichtigen Ausbildungsbetriebe unserer Region, die sich meist auch mit Videos präsentieren und geoverortet sind. Persönlich informieren kann man sich bei den Unternehmen über die angegebenen Kontaktdaten, meist per Email und Telefon.

ONETZ: Persönliche Gespräche vor Ort, wie es bei den Ausbildungsmessen möglich war, sind sowohl für die Jugendlichen als auch die Firmenvertreter Gold wert. Was haben die jungen Leute – von den umfangreichen Angeboten im Internet einmal abgesehen – für Möglichkeiten, dennoch in diesen intensiven Austausch mit den Firmen zu kommen?

Wie bereits gesagt, direkt mit den Unternehmen in Kontakt treten, eventuell Termine ausmachen. Nur wenn ich mir selbst ein Bild mache, kann ich einigermaßen sicher sein, dass das Unternehmen und der Beruf zu mir passen und umgekehrt. Es reicht nicht aus, einen Beruf und oder einen Betrieb zu wählen, weil ihn meine Freunde gut finden oder weil dort schon die halbe Familie arbeitet. Die Berufswahl ist eine Entscheidung mit Auswirkungen.

ONETZ: Was haben die Betriebe nach dem Wegfall von Präsenz-Messen und Info-Veranstaltungen unternommen, um weiterhin mit potenziellen Azubis ins Gespräch zu kommen?

Die Unternehmen nutzen neben den Social Media-Kanälen verstärkt wieder die klassischen Kanäle wie Anzeigenschaltungen im Print-Bereich in Sonderbeilagen und in der Tageszeitung) sowie im Lokalradio. Hier – so hofft man – erreichen sie nicht nur die Jugendlichen, sondern auch deren Eltern. Natürlich suchen viele Unternehmen auch verstärkt Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern direkt über die Schulen. Hier wollen sie verständlicherweise am liebsten die Abschlussklassen erreichen. Dies wiederum stellt für viele Schulen ein regelrechtes Problem dar, da sie ja in erster Linie verpflichtet sind, die Lerninhalte zu vermitteln – und das war und ist nach dem Lockdown ohnehin schwierig genug.

ONETZ: Gibt es Branchen, die in Corona-Zeiten besonders dringen Auszubildende suchen?

Für die Bildungsregion Landkreis Tirschenreuth kann ich bisher keinen relevanten Unterschied zu Vor-Corona-Zeiten ausmachen. Besonders dringend werden Auszubildende schon seit vielen Jahren in den Pflegeberufen und in manchen Handwerksberufen gesucht, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten – am Wochenende, am Abend – oder ihrer Exponiertheit – draußen bei Wind und Wetter – nicht so attraktiv sind.

ONETZ: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf das Prozedere bei der Bewerbung?

Viele hatten ihre Bewerbungsgespräche schon vor dem Lockdown im Frühjahr geführt. Während der Zeit der Kontaktbeschränkungen wurden tendenziell weniger Gespräche geführt, sowohl Unternehmen als auch Schülerinnen und Schüler haben hier nicht so wirklich schnell auf digitale Kanäle umgeschaltet. Und dann waren ja auch relativ bald wieder reale Gespräche in den Betrieben vor Ort möglich. Auch die schriftliche Bewerbung vorab wird von den meisten Betrieben erwartet, da hat sich durch die Corona-Pandemie nichts geändert. Wie sich alles bei den aktuell wieder steigenden Infektionszahlen weiterentwickeln wird, das bleibt abzuwarten. Die Bildungsregion Landkreis Tirschenreuth und ich als Bildungsmanager wollen auf alle Fälle das Angebot auf www.dasAusbildungsportal.de aufrechterhalten und noch ausweiten. Die Unternehmen können dann selbst entscheiden, ob sie sich mit Interessenten wieder virtuell treffen oder ob es „real“ möglich ist. Zusammen mit Zukunftscoach Andreas Büttner überlege ich derzeit, ob wir statt der etablierten Berufetour (mit Bus zu Betrieben) ein anderes Format entwickeln. Denn für die Schülerinnen und Schüler ist es nach wie vor wichtig, einen echten Eindruck vom Unternehmen zu gewinnen.

ONETZ: Viele Unternehmen mussten ihre Belegschaft oder Teile davon in Kurzarbeit schicken. Sind Auszubildende auch von solchen Maßnahmen betroffen oder droht ihnen als Berufsanfängern sogar der Verlust des Arbeitsplatzes, etwa durch eine mögliche Insolvenz des Betriebs?

Hier sind mir bisher keine gravierenden Beispiele bekannt. Für einige Hotel- und Gaststättenbetriebe kann es aber mit zunehmender Dauer der zu erwartenden Einschränkungen düster aussehen und damit leider auch für Azubis in dieser Branche.

ONETZ: Ein Ausblick auf die Zukunft, der aufgrund der aktuellen Situation sicherlich nicht einfach ist: Wie bewerten Sie die Zukunft auf dem Ausbildungsmarkt? Inwieweit müssen Unternehmen beziehungsweise Jugendliche ihre bisherigen Strategie und Vorgehensweisen ändern?

Die Zukunft des Ausbildungsmarktes in unserer Bildungs- und Wirtschaftsregion ist – soweit sich das voraussagen lässt – wohl stärker geprägt von demografischen Faktoren als vor der Corona-Pandemie. Im Verhältnis zu den zu besetzenden Ausbildungsplätzen werden wohl auch in den nächsten Jahren zu wenige Schülerinnen und Schüler aus den Abschlussklassen zur Verfügung stehen.

Info:

Ausbildungsplätze 2021 gibt es:

liebensteiner_kartonagenwerk_logo_cmyk_mit_schatten_vs.jpg Liebensteiner Kartonagenwerk

https://www.liebensteiner.de/ueber-uns/karriere/ausbildungsplaetze-2020.html

 

logo_hamm_basic_colour_cmyk_hi_003_vs.jpg HAMM AG

http://www.wirtgen-group.com/ausbildung-hamm

 

horn_logo_glass_industries_cmyk_vs.jpg  HORN Glass Industries AG 

https://www.hornglass.com/de/unternehmen/karriere/berufsausbildung

 

logo-ziegler-group-karriere_vs.jpg Ziegler Group

https://karriere.ziegler.global

 

atp-poellath_vs.jpg ATP Autoteile GmbH

https://www.atp-autoteile.de/blog/karriere

 

mondi_0_vs.jpgMondi Eschenbach GmbH

https://www.mondijobs.de/de/unsere-standorte/mondi-eschenbach-gmbh

 

ponnath_0_vs.jpg Ponnath DIE MEISTERMETZGER GmbH

https://www.ponnath.de/karriere-bei-ponnath/schueler/

siemens.jpg Siemens Healthcare GmbH

https://www.ausbildung.siemens.com

ggsd.jpg Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Dienste Daa mbH

https://www.ggsd.de

markgraf.jpg W. Markgraf GmbH & Co KG

https://karriere.markgraf-bau.de/arbeiten-bei-markgraf

raiba.jpg Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eG

https://www.rb-onw.de/wir-fuer-sie/karriere/stellenangebot/ausbildung.html

rapid_max.jpg RapidMax GmbH

 https://rapidmax.de/

bhs_0.jpgBHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH

https://www.bhs-world.com/karriere/Wir

Hier gibt es Tipps, wie man seinen Lebenslauf korrekt zusammenstellt:

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In Zeiten von Corona wird das Online-Vorstellungsgespräch immer wichtiger. So gestaltet man das Interview am Bildschirm richtig:

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Das Online-Azubi-Portal der Oberpfalz-Medien „ausbildung-oberpfalz.de“ ist sowohl für Schüler als auch für Unternehmen ein lohnenswertes Angebot.

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