25.05.2020 - 15:30 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Erinnerungen an Nachkriegszeit in Tirschenreuth

Siegfried Fuchs, ein ehemaliger Tirschenreuther, erinnert sich an die Nachkriegszeit in der heutigen Kreisstadt. Er erzählt von Lebensmittelkarten, Schienenbussen und seinem "Opa-Fuchs".

Dieses Bild entstand Anfang der 50er Jahre: Es zeigt einen in Richtung Bärnau fahrenden Schienenbus mit Gepäckanhänger, die Einmündung der Falkenberger in die Mitterteicher Straße, durchkreuzt von zwei Bahngleisen.
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Siegfried Fuchs war bei der Einnahme Tirschenreuths durch amerikanischer Truppen Ende April 1945 erst ein Jahr alt. Fuchs lebte damals mit seiner Mutter Anna - sein Vater Arthur kam als nicht vom Russland-Feldzug zurück - und den Großeltern väterlicherseits im sogenannten ,Fabriksbau' in der heutigen Mitterteicher Straße 8, vormals Hausnummer 451. Im markanten Häuserblock wohnten Arbeiter der Porzellanfabrik Hutschenreuther. Siegfried Fuchs, der heute im Pegnitzthal in Vorra, nahe Hersbruck, lebt, hat viele Erinnerungen an seine Kindheit in der Nachkriegszeit, insbesondere an seinen "Opa-Fuchs".

Mit viel Ruhe dank Corona schrieb der Senior Begebenheiten mit seinem Großvater auf und erzählt vom Leben um 1950 in Tirschenreuth. Zu viert lebte die Familie in zwei Zimmer, einer Wohnküche und Toilette im Fabriksbau. "Gebadet wurde einmal die Woche im in der Küche aufgestellten blechernen Waschtrog", erinnert sich Fuchs. Als Familienoberhaupt sorgte Fuchs' Großvater dafür, dass die Familie zusätzlich zu den Lebensmittelkarten Essen, besonders Gemüse, erhielt.

Hobbygärtner versorgt Familie

Im Vorgarten hatten die Mieter, anders als heute, ihre Gemüsegärten und pflanzten etwa Erdäpfel, Bohnen, Salat, Kraut und Zwiebeln. "Gemüseanbau soweit das Auge reichte", erinnert sich Fuchs auch an die Pflanzgärten der Familie Hutschenreuther, zwischen den "Bauverein"-Häusern und dem heutigen Krankenhaus gelegen, bis hinauf zum damals recht abgelegenen Missionshaus St. Peter.

Kräftig gedüngt werden mussten die Gartenbeete. Sie waren dort, wo heute die Mozart-, Beethoven-, Richard-Wagner- und Peterangerstraße sind. Opa-Fuchs, ein Hobbygärtner, nutzte für seine Parzelle Pferdemist, den er auf der Straße einsammelte.

Gegenüber des Wohnblocks befindet sich noch heute das Stiftland-Lagerhaus. Hier lieferten nach dem Krieg die Bauern aus der ganzen Umgebung ihre Ernte an, in der Regel noch mit Pferdefuhrwerken. "Mein Opa stand schon am Morgen Pfeife rauchend am Fenster und beobachtete die, gerade im Herbst weit über die Bahngleise reichende Kolonne von Pferdegespanne", erinnert sich der ehemalige Tirschenreuther. Sobald Pferdeäpfel abfielen, schnappte sich der Großvater Eimer nebst Schaufel und sammelte den noch dampfenden Dünger ein.

So gab es im Herbst riesige Krautköpfe. Die wurden frisch geerntet im Hof des Kolonialwaren-Ladens Geyer (Mitterteicher Straße 2) mit einem Krauthobel zu Sauerkraut verarbeitet, in größere Gefäße eingestampft, und mit Leiterwägelchen nach Haus in den Keller gebracht. Außerdem ergatterte Oma Franziska gelegentlich Eier von den Hühnern, die im Hinterhof scharrten.

Die Gartenbeete, die dort waren wo heute die Mozart-, Beethoven-, Richard-Wagner- und Peterangerstaße sind, mussten natürlich kräftig gedüngt werden. Opa-Fuchs, ein Hobbygärtner, nutzte für seine Parzelle Pferdemist, den er auf der Straße einsammelte. Das Gartenstück lag dort, wo heute die Gegenüber des Wohnblocks befindet sich noch heute das Stiftland-Lagerhaus. Hier lieferten nach dem Krieg die Bauern aus der ganzen Umgebung ihre Ernte an, in der Regel noch mit Pferdefuhrwerken. "Mein Opa stand schon am Morgen Pfeife rauchend am Fenster und beobachtete die, gerade im Herbst weit über die Bahngleise reichende Kolonne von Pferdegespanne", erinnert sich der ehemalige Tirschenreuther. Sobald Pferdeäpfel abfielen, schnappte sich der Großvater Eimer nebst Schaufel und sammelte den noch dampfenden Dünger ein.

So gab es im Herbst riesige Krautköpfe, die dann frisch geerntet im Hof des Kolonialwaren-Ladens Geyer (Mitterteicher Straße 2) mit einem Krauthobel zu Sauerkraut verarbeitet wurden, in größere Gefäße eingestampft, und mit Leiterwägelchen nach Haus in den Keller gebracht wurden. Außerdem ergatterte Oma Franziska gelegentlich Eier von den Hühnern, die im Hinterhof scharrten.

Kamera mit Schusterpech repariert

"Es muss noch um 1945 gewesen sein, da fand Opa-Fuchs eine Fotokamera im Gebüsch nahe der Umzäunung", erzählt Siegfried Fuchs, der mit seinem Opa auf der Straße oft Zigarettenkippen sammelte, damit sein Großvater Tabak zum rauchen hatte. Es war das Vorkriegsmodell einer Agfa-Box-Kamera, eine billige "Vier-Mark-Box" mit Gehäuse aus Pappe, wie sie bis 1939 produziert wurde. Der schwarze Pappkasten war mehrfach mit einem Messer durchstochen, also unbrauchbar. "Opa hatte die Idee, die Löcher mit Papier und Schusterpech zu schließen. Sobald es dafür wieder 12-Bild-Rollfilme gab, konnten wir sogar Fotos machen. Leider fehlte es an Schärfe", erinnert sich Siegfried Fuchs. Fotografiert wurde die Familie und die Umgebung, wie etwa die ehemalige Bahnstrecke von Tirschenreuth nach Bärnau. Die Bahnübergänge waren ohne Schranken oder jegliche Signalanlagen, erinnert sich Fuchs. "Beim Kohletransport fuhr ein Bahnerer mit Fahne mit, um am Straßenübergang abzuspringen und diesen zu sichern, beim wenig frequentierten Bahnverkehr nach und von Bärnau wussten auch die Bauern, dass sie mit ihren Fuhrwerken nicht auf den Gleisen stehen bleiben durften."

Familienfoto: Oma Franziska, Siegfried Fuchs auf dem Arm seiner Mutter Anna und Opa-Fuchs. Siegfried Fuchs erinnert sich an die Nachkriegszeit.
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