17.11.2021 - 11:06 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Eska tankt Kapital beim Landkreis Tirschenreuth nach

Mal ist es ein fünfstelliger Gewinn, mal ein Verlust in ähnlicher Höhe: Seit Jahren umkreist das landkreiseigene Busunternehmen Eska die schwarze Null. Aber langsam ist der kostendeckende Betrieb in Gefahr. Dafür gibt es einen Grund.

Das Eska-Betriebsgelände an der Mitterteicher Straße ist in die Jahre gekommen. So herrscht Sanierungsbedarf am undichten Flachdach der Fahrzeughalle.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Mit einem kräftigen Minus endete das Jahr 2020 für die Eska. Mit 271.000 Euro stieg das Vorjahresdefizit (244.000 Euro) noch an. Dennoch gab es im Kreisausschuss Rückendeckung von allen Seiten für die Weiterführung des Öffentlichen Personennahverkehrs mit dem eigenen Unternehmen. Landrat Roland Grillmeier sagte, dass die Gesellschafterversammlung – dem Landkreis gehört die Eska zu 100 Prozent – bereits einstimmig ein Darlehen gewährt hat: 300.000 Euro sollen die Verluste auffangen. "Weil es uns die Eska wert ist", unterstrich er.

Die defizitäre Lage erläuterte in der Sitzung Wirtschaftsprüfer Reiner Rosnitschek. Die um 27.000 Euro höheren Verluste gegenüber 2019 seien nahezu ausschließlich Corona geschuldet. So sei das Fahrgastaufkommen im Linienverkehr um über 40 Prozent gesunken. Der Gelegenheitsverkehr – also Busreisen – habe noch dramatischere Einbußen von 88 Prozent zu verzeichnen.

Sinkende Eigenkapitalquote

Im Schülerverkehr, der Haupteinnahmequelle der Eska, habe es durch den Einsatz von Verstärkerbussen wegen Corona zwar ein kleines Plus gegeben, doch die staatlichen Ausgleichsleistungen für die verbilligten Zeitkarten seien im Vergleich zu 2019 noch einmal um 11 Prozent gesunken. Zwar habe die Eska eine Corona-Soforthilfe von 30.000 Euro erhalten, aber darüber hinaus als kommunal geführtes Unternehmen keine Unterstützung, erklärte Rosnitschek. Der Aufwand für Personal habe sich trotz einer Tariferhöhung durch Abbau von Überstunden und Urlaub um knapp 3 Prozent verringert, die Treibstoffkosten seien um 33 Prozent gesunken.

Für 2021 erwartete der Diplom-Kaufmann zwar einen geringeren Fehlbetrag. "Aber die steigenden Treibstoffkosten könnten uns einen Strich durch die Rechnung machen." Bei weiter sinkender Eigenkapitalquote seien die liquiden Mittel bis 2023 aufgebraucht, machte Rosnitschek klar.

Ein realistisches Bild zeichnete auch Eska-Geschäftsführer Hans Prucker. "Das Jahresergebnis ist erwartungsgemäß ausgefallen", machte er die Auswirkungen von Corona für akute Rückgänge verantwortlich. "Aber das Grundübel ist, dass unsere Einnahmen zu 90 Prozent aus der Schülerbeförderung stammen." Die relevanten Zahlen seien seit 2011 um 37 Prozent gesunken, was Einnahmeverlusten von 450.000 Euro entspreche. Statt 1300 Fahrgästen, für die der Landkreis eine Beförderungspflicht in weiterführende Schulen hat, seien es aktuell nur noch 700 Schüler. "Das ist die Crux, unter der die Eska leidet."

ÖPNV am Land in Gefahr

Als bekanntes Problem prangerte Prucker auch die geringen staatlichen Ausgleichsleistungen für verbilligte Tickets auf dem Land an. Ein Busunternehmer in Weiden bekomme wegen des Stadtverkehrs schon mehr als die Eska, einer in Regensburg oder München nochmal mehr. Zudem seien die Fördersätze seit 2014 nicht mehr erhöht worden. "Es wird über kurz oder lang keinen ÖPNV mehr geben auf dem Land", umriss der Geschäftsführer die Zukunftsaussichten, wenn sich nichts ändere. "Nur Kosten und keine Einnahmen, das geht auf Dauer nicht."

An größere Investitionen ist bei der Eska im nächsten Jahr nicht zu denken. Der Plan sieht insgesamt 172.000 Euro vor. Nachdem der Fuhrpark laut Geschäftsbericht in einem guten Zustand ist, soll nur ein gebrauchter Linienbus für 80.000 Euro angeschafft werden. Der Rest fließt in Fahrzeugreparaturen und Instandhaltung der Anlagen im Betriebsgebäude. Für das behelfsmäßige Abdichten des Hallendachs sind 12.000 Euro vorgesehen. "Wir flicken hier schon zum dritten Mal", sagte Hans Prucker.

"Wir sind dankbar, dass wir die Eska haben", betonte Landrat Grillmeier. Ein Gesellschafter-Darlehen von 300.000 Euro solle die Defizite in einer Übergangszeit auffangen. Grundsätzlich gelte es landesweit, den Öffentlichen Personennahverkehr zu stärken. Das komme in jeder Sitzung des Landkreistags zur Sprache, beklagte er das Stadt-Land-Gefälle: "Wenn in München die Kurzstrecke 1,70 Euro kostet, müssen wir das Doppelte verlangen." Die Aufgabe ÖPNV könnten die Kreise allein nicht mehr leisten.

"Wir stehen zur Eska"

In Metropolen brauche der laufende Betrieb wegen der hohen Fahrgastzahlen keine Unterstützung, jedoch auf dem Land, unterstrich Bernd Sommer (CSU). Die ungleiche Bezuschussung beklagte auch Hans Klupp (Freie Wähler). Ohne ÖPNV gebe es keine gleichwertigen Lebensbedingungen. Hinter das landkreiseigene Unternehmen stellte sich ebenso Uli Roth (SPD). Nicht zuletzt biete man tarifgebundene Arbeitsplätze.

"Wir stehen zur Eska", forderte Matthias Grundler (Liste Zukunft) mehr Geld vom Staat. Eine Stärkung des ÖPNV sei auch angesichts des Klima-Aspekts das Gebot der Stunde. Josef Schmidt (Grüne) wollte die Verwaltungseffizienz durch mehr Zusammenarbeit der Busunternehmen und des Systems Baxi steigern. Eventuell müsse man auch die eine oder andere Route neu planen. "Wir kommen nicht drum rum. Der Landkreis muss mehr Geld im Haushalt für den ÖPNV bereitstellen."

Auch 2019 gab es ein Defizit

Tirschenreuth
Hintergrund:

Geschichte der Eska

  • Die Geschichte der Eska geht auf zwei Männer zurück, die als "Displaced Persons" nach dem Krieg in Tirschenreuth landeten: 1946 gründeten die beiden Polen das Geschäft mit einem umgebauten Opel Blitz und einem Büssing-Lkw.
  • "Eska" steht für die ausgesprochenen Anfangsbuchstaben der Nachnamen von Marek Skorecki und Roman Kriegstein.
  • 1949 wanderten die Gründer nach Amerika aus.
  • 1950 übernahmen Landkreis und Stadt Tirschenreuth die Firma als GmbH.
  • Nach einer Krise in den 1970er Jahren wurde die Busflotte erneuert, die Geschäftsführung ausgelagert.
  • Seit 1989 ist der Landkreis alleiniger Gesellschafter und führt die Geschäfte.
  • 2021 verfügt die Eska über 22 Busse und 28 Fahrer.

"Das Grundübel ist, dass unsere Einnahmen zu 90 Prozent aus der Schülerbeförderung stammen."

Eska-Geschäftsführer Hans Prucker

Eska-Geschäftsführer Hans Prucker

Gründungsgeschichte der Eska

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.