06.07.2021 - 11:45 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

An Faustschlag bleiben Zweifel: Freispruch für 40-Jährigen

Nachdem am ersten Verhandlungstag nicht geklärt werden konnte, ob ein 40-Jähriger die Sicherheitsdienstmitarbeiter geschlagen, bedroht und beleidigt hat, waren weitere Zeugenaussagen notwendig. Das Urteil war eindeutig.

Nach der Gerichtsverhandlung blieben Zweifel, ob ein 40-Jähriger in einer Asylunterkunft im Landkreis Tirschenreuth einen Wachmann geschlagen hat. Deshalb wurde der Angeklagte freigesprochen.
von Armin Eger Kontakt Profil

Was sich in einer Asylbewerberunterkunft im Landkreis Tirschenreuth voriges Jahr im April und Juni ereignet haben soll, war nicht ohne, zumindest laut Anklageschrift. Ein 40-Jähriger soll zwei Security-Leuten angedroht haben, sie zu töten. Aber nicht nur wegen vorsätzlicher Körperverletzung saß der Mann vor dem Amtsrichter, sondern auch wegen Bedrohung und Beleidigung. Da die Zeugen aus unterschiedlichen Ländern kommen, musste aufgrund von Sprachproblemen die erste Verhandlung unterbrochen werden. Weiter ging es diesmal mit Dolmetschern.

Verletzung am Kinn dokumentiert

Die Vorfälle liegen schon einige Monate zurück. Als die zwei Security-Mitarbeiter die Bewohner aufgefordert hatten, die Musik leiser zu machen, hat einer von den beiden angeblich einen Faustschlag ans Kinn bekommen. Auch Aussagen wie: "Du bist das größte Arschloch, das hier rumläuft" und "Ich hasse den Typen, ich könnte ihn umbringen", sollen gefallen sein. Die Todesdrohungen nahmen die Sicherheitsbeamten jedoch nicht ernst, sagten sie am ersten Verhandlungstag aus. Auch einen Faustschlag soll einer der Sicherheitsleute abbekommen haben. Die Verletzung am Kinn war auf Bildern zu sehen.

Er erinnere sich noch genau an den Tag, sagte bei der Fortführung der Verhandlung ein weiterer Mann vom Sicherheitsdienst aus. "Ich verstehe mich mit dem Angeklagten sehr gut. Ich habe Respekt vor ihm und er vor mir." Sein Kollege habe zu dem 40-Jährigen Angeklagten zuerst "Arschloch" gesagt, und "der hat zurück geschimpft".

Nur geschubst, nicht geschlagen

Ein weitere Zeuge schilderte die Vorfälle vom April 2020. Es waren sieben bis acht Leute in der Unterkunft, die Musik gehört hätten. Das erste Mal habe man leiser gemacht. Die Security sei zurückgekommen und habe ohne Klopfen das Zimmer betreten. "Es wurde leicht geschubst, geschlagen wurde keiner. Ich habe nichts gesehen", ließ der 29-Jährige über die Dolmetscherin wissen. Auch die beiden anderen Bewohner des Heimes bestätigten dies. Als Richter Hubert Windisch den dreien die Bilder von der Verletzung des Sicherheitsdienstmitarbeiters am Kinn zeigte, blieben sie dabei. Es sei nicht geschlagen worden. Wenn, dann hätten sie das gesehen.

Es sei unklar, ob es einen Faustschlag gegeben hat, sagte Staatsanwalt Matthias Biehler in seinem Plädoyer. "Die Security-Mitarbeiter sagen es so, die Bewohner sagen es anders." Da Zweifel bleiben würden, beantragte er Freispruch. Dem schloss sich auch Verteidiger Ulrich Sanner an.

Dementsprechend fiel das Urteil des Richters aus. Es sei klar, dass der Geschädigte einen blauen Fleck am Kinn hatte. Wie es dazu gekommen sei, könne man nicht sagen. Um jemanden zu verurteilen, müsse man das genau wissen. Dumme Sprüche wie "ihr seid tot", würden zur Umgangssprache gehören und die Aussagen des Angeklagten seien von den Sicherheitsleuten auch nicht ernst genommen worden.

Wechselseitige Beleidigung

Der dritte Anklagepunkt Beleidigung hätte auch keinen Bestand. Wechselseitig begangene Beleidigungen könnten nach Paragraf 199 des Strafgesetzbuchs straffrei bleiben, wenn eine Beleidigung auf der Stelle erwidert wird. Dieser Tatbestand sei laut Zeugenaussage ebenfalls erfüllt.

"Ihnen rutscht die Hand leicht aus", sagte der Richter zum Angeklagten. Der 40-Jährige hat sechs Vorstrafen, davon drei Mal wegen Körperverletzung. "Wenn ich zu der Überzeugung gekommen wäre, dass Sie zugeschlagen hätten, dann hätte ich Sie zu sechs Monaten verurteilt, aber ohne Bewährung."

„Wenn ich zu der Überzeugung gekommen wäre, dass Sie zugeschlagen hätte, dann hätte ich Sie zu sechs Monaten verurteilt, aber ohne Bewährung.“

Richter Hubert Windisch

Bericht von ersten Verhandlungstag

Tirschenreuth

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.