16.07.2020 - 10:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Feldkreuze erzählen Geschichten

Marterln sind nicht nur Zeichen christlicher Frömmigkeit. Oft genug erinnern sie an menschliche Tragödien oder Unwetter, aber auch vom Glück, dem Schicksal entkommen zu sein. Im Stiftland laden Hunderte Feldkreuze Wanderer ein, kurz innezuhalten.

von Konrad RosnerProfil

Hunderte von Feldkreuzen gibt es im Stiftland, die als Zeichen christlicher Frömmigkeit an den Rändern der Fluren und Wiesen stehen. Oftmals erzählen diese Feldkreuze auch eine Geschichte, denn meist wurden sie aufgestellt in Erinnerung an Katastrophen, besondere Unwetter-Ereignisse oder zum Dank dafür, einen persönlichen Schicksalsschlag überlebt zu haben. Vor allem für die Älteren ist es eine Selbstverständlichkeit, beim Vorbeigehen an einem Feldkreuz das Kreuzzeichen zu machen oder auch ein kurzes Gebet zu sprechen.

Ein Beispiel für Frömmigkeit ist unter anderem das sogenannte Wetterkreuz am Ortsrand von Schwarzenbach (Stadt Bärnau), das nach einem schweren Unwetter, wohl eines der schwersten, das jemals über diese Gegend hinwegzog, aufgestellt wurde. Am 6. Juli 1846 ergoss sich ein Hagelschauer mit walnussgroßen Eisgeschossen über dem südlichen Landkreis Tirschenreuth und vernichtete den Großteil der Ernte. Ein Jahr später war die Ernte umso reicher. Aus Dankbarkeit darüber wurde 1848 das Wetterkreuz errichtet, das auch heute noch alle Jahre bei den Flurprozessionen eine Station der Andacht ist.

Dominantes Feldkreuz

Ein ebenso markantes Feldkreuz ist das sogenannte "Grüner Kreuz" bei Konnersreuth am Lehenbühl. Über dieses wohlbekannteste und sehr dominante Feldkreuz ist eigentlich sehr wenig bekannt. Allerdings stand bereits seit 1890 an diesem Platz ein Feldkreuz - jedoch weniger groß. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde dieses Kreuz durch ein neues ersetzt und symbolisiert heute vermutlich die Grenzen zwischen den Fluren von Konnersreuth und dem Ortsteil Grün. Auf der angebrachten Votivtafel werden Wanderer durch Verse zum Nachdenken animiert.

Ein Blickfang in Konnersreuth ist auch das "Beck'n-Martl-Kreuz" am Groppenheimer Weg. Es wurde 2012 restauriert. Die Familie Gradl betreut dieses Kreuz, das auch ihren Hausnamen "Beck'n Martl" trägt. Seinen Ursprung hat das Kreuz in den Jahren um 1900.

In Waldsassen, so berichtet Josef Reindl vom Gerwig-Kreis, gäbe es alleine 170 Feldkreuze. Der Gerwig-Kreis hat sie alle dokumentiert und aufgelistet. Eines davon ist das "Falter-Flurkreuz". Eingerahmt von zwei stattlichen Ahornbäumen steht es an der Verbindungsstraße von Netzstahl nach Kondrau kurz vor Kondrau. Platz hat es auf einem Granitsockel gefunden. Es ist aus schwarzem Gusseisen und reich verziert. Die in Gold eingerahmte Votivtafel trägt die Inschrift: "Gelobt sei Jesus Christus."

Erinnerung an Hof-Brand

Dieses "Falter-Flurkreuz" wurde nach der Zerstörung des alten Falterhofes - er brannte nieder - nach dem raschen Neubau des Hofes aus Dankbarkeit wohl 1915 errichtet. Heute wird dieses Feldkreuz von der Familie Triebenbacher gepflegt.

An der Gemeindeverbindungsstraße Münchenreuth-Pechtnersreuth befindet sich die sogenannte "Weiße Marter", eine rund vier Meter hohe, aus Granit errichtete Dreifaltigkeitssäule. Diese Säule, wohl eine der schönsten im Stiftland, errichtete 1713 der Egerer Handelsmann Johannes Adler aus Dankbarkeit darüber, dass zwei "wüste Gesellen", die ihn ausrauben wollten, seine Spur verloren. Zum Schutz vor der Witterung wurde die Säule später mit einem hölzernen Gebäude überbaut. Beim Flurumgang der Pfarrei Münchenreuth ist die "weiße Marter" ein Standort der vier Altäre.

Wunderschön in die Landschaft fügt sich "Kolms Kreuz" ein, ein noch jüngeres Feldkreuz am Wegesrand zwischen Lauterbach und Laub. Errichtet wurde es 1952 von Theres und Josef Wolfrum "zur Ehre Gottes". Grund: Der Vater von Josef Wolfrum überlebte im Jahr 1951 einen schweren Verkehrsunfall als er auf dem Weg nach Tirschenreuth war. Neun Monate musste er nach diesem Unfall im Krankenhaus behandelt werden.

Hintergrund:

Josef Reindl

Josef Reindl war jahrelang Schulleiter der Mitterteicher Hauptschule. Seit einigen Jahren ist er in Pension. In seiner Freizeit ist er engagiert als Leiter der Arbeitsgruppe „Flurdenkmäler“ im Gerwigkreis Waldsassen.

Er und sein Team haben über Jahre hinweg Kleindenkmäler in und rund um Waldsassen akribisch zusammengetragen und auch Vieles hinterfragt. Aus diesen Arbeiten ist vor einigen Jahren das 233 Seiten umfassende Buch „Innehalten, Beten, Staunen – Kleindenkmäler in und um Waldsassen“ entstanden. Ein weiteres Hobby des Waldsasseners ist sein großer Garten mit vielen Rosen. Nahezu täglich ist er dort anzutreffen. (kro)

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.