16.04.2019 - 14:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Freie Wähler sorgen sich um Zukunft der Krankenhäuser

Die Zukunft der Krankenhäuser und die medizinische Versorgung auf dem Land diskutierte die Kreistagsfraktion der Freien Wähler mit dem Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, Josef Götz.

Das anhängende Bild zeigt die FW-Kreistagsfraktion mit Landrat Wolfgang Lippert (vorne, Zweiter von links) und Klinikchef Josef Götz (sitzend, links).
von Externer BeitragProfil

Ausführlich stellte Götz die schlechten Rahmenbedingungen und die Personalnot im Gesundheitswesen vor, unter denen vor allem die kleinen Krankenhäuser litten.

Landrat Wolfgang Lippert und Fraktionschef Hans Klupp stellten nach einer Pressemitteilung der Freien Wähler deutlich heraus, dass für die Fraktion die Sicherung einer qualitativ hochwertigen und zugleich wohnortnahen medizinischen Versorgung unverzichtbar ist und die Kommunalpolitik dazu große, auch finanzielle Anstrengungen unternehmen muss.

Die Krankenhauslandschaft in Bayern wird besonders geprägt von vielen, kleineren Krankenhäusern. In anderen Bundesländern hingegen bestehen vor allem Großkliniken. Diese Strukturnachteile der bayerischen Krankenhauslandschaft habe dazu geführt, dass 50 Prozent aller Krankenhäuser in Bayern rote Zahlen schreiben, also Verluste erwirtschaften. Zudem hätten sich die Rahmenbedingungen besonders für kleine Häuser in den letzten Jahren erheblich verschlechtert. Die Basisversorgung werde von den Krankenkassen nicht ausreichend honoriert, nicht einmal die Tarifsteigerungen beim Personal würden ausgeglichen. Auch die im Krankenhausfinanzierungsgesetz in Aussicht gestellte 100-prozentige Förderung für notwendige Investitionen werde nicht gewährt. Obwohl der Freistaat Bayern noch das Bundesland mit einigermaßen guten Fördersätzen sei, fehlten auch in Bayern circa 250 Millionen Euro pro Jahr für Investitionen in die Krankenhäuser. Ein Problem der Kliniken Nordoberpfalz AG sei auch der Personalmangel, Es fehlten sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte. Derzeit könnten nicht einmal die vorhandenen Pflegestellen besetzt werden und auch das Interesse an einer Ausbildung in Pflegeberufen sei geringer als noch vor Jahren. Derzeit fehlten circa. 70 000 bis 100 000 Pflegekräfte in Deutschland. Dieser Mangel lasse sich auch nicht durch gesetzlich festgelegte Personalstandards beseitigen.

Zudem werde es immer schwieriger, junge Ärzte an kleine Krankenhäuser zu bekommen, weil dort Fortbildungsmöglichkeiten und auch Karrierechancen geringer seien. „Wenn wir die hohe Qualität der medizinischen Versorgung erhalten und sogar weiter entwickeln wollen, dann sind Strukturveränderungen unvermeidlich“, so Klinikchef Josef Götz.

Ein möglicher Weg dazu sind Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in denen Fachärzte verschiedener Fachrichtungen arbeiten. Die Ärzte seien dabei Angestellte der Kliniken Nordoberpfalz. Viele Ärzte bevorzugten dieses Angestelltenverhältnis vor der Selbständigkeit in der eigenen Praxis. Schon heute wären nach Auskunft von Götz ohne diese MVZ einige Facharztstellen im Landkreis nicht mehr besetzt.erläuterte Götz. Ein innovatives Modell für die Gesundheitsversorgung auf dem Land könnten Intersektorale Gesundheitszentren (IGZ) sein, wie man in Waldsassen eines plane. Besonders für das Krankenhaus Waldsassen kann sich die Kliniken AG diese Lösung vorstellen. Dabei bleibt hochqualitative Medizin in den Fachrichtungen Chirurgie, Orthopädie und Gynäkologie im geplanten IGZ, während die Innere Medizin von niedergelassenen Ärzten betreut wird. Die pflegerische Betreuung der Patienten und auch eine Unterbringung über Nacht oder mehrere Tage sind im IGZ gesichert. Operative Eingriffe werden allerdings nicht mehr durchgeführt.

Klinikchef Götz warb um Verständnis für diese Konzeption und berichtete, dass die Kliniken Nordoberpfalz damit auch Neuland betreten. Die Krankenkassen und das Bayerische Gesundheitsministerium hätten Zustimmung signalisiert, es müssten jedoch noch rechtliche Fragen geklärt und Finanzierungsvoraussetzungen für dieses Modell geschaffen werden.

Die Freien Wähler sprachen auch die Orthopädische Reha-Klinik in Waldsassen an. Die Kommunalpolitiker begrüßten die Bereitschaft des Landkreises, mögliche Defizite dieser Klinik auszugleichen. Auch waren sich die Kreisräte einig, dass in Zukunft der Bestand der Krankenhäuser durch finanzielle Mittel des Landkreises gesichert werden muss. Allerdings sehen die „Freien“ auch die Gesundheitspolitik in Bund und Freistaat massiv in der Verantwortung.

Auch auf dem Land sei moderne Medizin ein Recht der Bevölkerung.“

Die FREIEN WÄHLER dankten zum Ende der Diskussion Herrn Götz für die umfangreiche Darstellung der sehr komplexen Situation und zeigten auch Verständnis für den Handlungszwang, unter dem die Kliniken stehen.

„Kommunalpolitik und Kliniken müssten gemeinsam nach der bestmöglichen Lösung für unsere Menschen und die Region suchen“, so die Wählergruppe. Am 3. Mai wird sich der Kreistag in einer Sondersitzung mit dem Thema beschäftigen.

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