01.06.2020 - 14:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Frühes Saisonende für das Freibad in Tirschenreuth

Sportlich seine Bahnen ziehen oder eine flotte Rutschpartie, aus diesem Spaß im Freibad wird heuer nichts. Zu viele Risiken sieht der Stadtrat noch in einer Öffnung der Freizeiteinrichtung.

Erstmals in der Geschichte des Tirschenreuther Freibades bleibt die Anlage für eine Saison geschlossen. Nur der TSC darf das Nichtschwimmerbecken für Trainingszwecke nutzen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

In großer Runde, mit Rücksicht auf Corona-Vorschriften, tagte der Stadtrat am vergangenen Donnerstag wieder im Kettelerhaussaal. Und die zu erwartenden Vorschriften im Falle einer Freibad-Öffnung spielten auch eine bedeutende Rolle in der Diskussion. Während am Ende eine Mehrheit von einer Öffnung des Freibads für die Allgemeinheit absah, wurde für das Training der Mitglieder des Schwimm-Clubs eine Ausnahme geschaffen.

Nur für maximal 400 Besucher

In der Beratung blickte Bürgermeister Franz Stahl zunächst auf die rechtliche Situation. So hätte Ministerpräsident Markus Söder dargestellt, dass die Freibäder in Bayern ab dem 8. Juni wieder öffnen dürften - und auch angekündigt, dass dies nur mit einem "strengen, umfassenden und genehmigten Hygiene- und Schutzkonzept durch die Betreiber" möglich sei. Doch die Ausführungsbestimmungen durch die Staatsregierung seien aktuell noch nicht vorhanden, bedauerte Stahl.

Die Freibad-Saison bereitet einigen Schwimmmeistern im Landkreis Tirschenreuth Sorgen

Tirschenreuth

Die Anforderungen an das Hygiene- und Schutzkonzept seien nicht bekannt. "Wir wissen bis heute nicht, wie das ablaufen soll!" Dennoch hatten sich die Stadtwerke mit den Voraussetzungen für eine Öffnung beschäftigt. Zunächst würde die Befüllung der Becken zwei Wochen benötigen. Beim Hygienekonzept verwies Werkleiter Thomas Kraus auf die bekannten Vorgaben für Handel oder Gastronomie, also Mundschutz, Abstand, Reinigung und Desinfektion oder auch die Beschränkung der Besucherzahl. So könnten maximal 400 Personen eingelassen werden, eventuell mit zeitlicher Beschränkung. Und die Badbesucher müssten ihre Tickets in einem Online-System lösen, damit auch die Kontaktdaten vorliegen. Bei den Angeboten stellte der Werkleiter heraus, dass die große Rutsche und der Sprungturm nicht in Betrieb genommen werden könnten, nachdem hier stets die Handläufe desinfiziert werden müssten.

Sicherheitsdienst nötig

Als großes Problem erachtete der Werkleiter aber die Organisation eines Sicherheitsdienstes, nachdem verfügbare Kräfte aktuell kaum zu bekommen seien. Auch bei der Materialbeschaffnung könnten Engpässe auftreten. Bei einer Umsetzung des Konzeptes kalkulierte Kraus mit vier Wochen "plus X". Den verschiedenen Szenarien hatte Kraus auch eine betriebswirtschaftliche Betrachtung beigelegt. So würde eine verspätete Badöffnung den angenommen Verlust von rund 520 000 Euro um 100 000 Euro steigen lassen. Bleibt das Bad komplett geschlossen würde der Verlust wohl auf 430 000 Euro sinken. Zwar fehlen dann die erwarteten 60 000 Euro an Einnahmen, doch würden etwa die Ausgaben für Gas, Strom oder Chemie geringer sein. In seiner Vorlage sprach sich Kraus am Ende dafür aus, dass das Freibad in dieser Saison nicht für die Öffentlichkeit geöffnet wird.

Verantwortung bei Kommunen

"Es muss uns primär um den Schutz der Menschen gehen", eröffnete Stahl die Diskussion. Bisher hätten die stringenten Maßnahmen dazu geführt, dass man die Pandemie "einigermaßen in den Griff bekommen hat". "Eine Öffnung des Freibades sehe ich mit großer Sorge", gab Stahl seinen Eindruck weiter und betonte, "wir sind noch nicht über den Berg". Doch wusste Stahl auch um den "Druck der Öffentlichkeit" und die Begehrlichkeiten durch die Urlaubszeit. Die überraschende Ankündigung Söders, dass die Freibäder öffnen könnten "hat mich aus den Latschen gehauen", betonte Stahl. Jetzt würde die Verantwortung bei den Kommunen liegen. Und nachdem eine Öffnung eine Vorlaufzeit hätte, wollte Stahl vom Gremium eine Entscheidung.

Fraktionssprecher Huberth Rosner wusste von unterschiedlichen Meinungen in der CSU. Persönlich wollte Rosner eine Öffnung mit den Auflagen gutheißen. "Das öffentliche Leben muss weitergehen", betonte der CSU-Sprecher und vertraute auch auf das disziplinierte Verhalten der Menschen. Vinzenz Rahn erinnerte, dass durch die Achtsamkeit der Menschen in den vergangenen Wochen viel erreicht worden sei. "Das sollten wir nicht über Bord werfen", sprach sich Rahn gegen eine Öffnung aus. Peter Gold (CSU) hatte seine Zweifel, dass im Falle einer Öffnung die strengen Auflagen und Regeln wirklich eingehalten würden. Nicht einfach würde das im Familienbereich.

Vertrauen in Regierung

Paulus Mehler (CSU) setzte mehr Vertrauen in die Staatsregierung. Wenn von dieser Seite eine Öffnung vorstellbar sei, dann wollte auch Mehler zustimmen. "Wir dürfen nicht in Schockstarre verfallen", betonte der CSU-Rat. "Ich will keine zweite Welle, die bei uns startet", sprach sich Gunar Prauschke (SPD) gegen eine Öffnung aus. Jürgen Steinhauser (FW) konnte sich eine Teilöffnung des Bades, etwa nur des Nichtschwimmerbereichs, vorstellen. Angelika Brunner (CSU) verwies darauf, dass auch Betriebe die Vorgaben erfüllen würden. Mit entsprechender Kontrolle wollte sie eine Öffnung mittragen. Norbert Schuller (FW) sprach sich für eine Öffnung aus. "Das ist besser, als wenn die Menschen unkontrolliert an den Weihern liegen." Mario Franz (FW) bezweifelte, dass der Bevölkerung bewusst ist, wie sich der Badebetrieb mit den Auflagen gestaltet. Mit 12:9 Stimmen entschied sich eine Mehrheit schließlich gegen die Badöffnung.

Weiterer Bericht über die Freibad-Diskussion im Tirschenreuther Stadtrat

Tirschenreuth
Im Blickpunkt:

Freibad nur eine Trainingsstätte

Für die aktiven Mitglieder des Tirschenreuther Schwimm-Clubs war der Verzicht auf die Trainingsstätte eine massive Einschränkung. "Der TSC schwimmt in einer hohen Liga", verdeutlichte Bürgermeister Franz Stahl bei der Stadtratssitzung die Qualität des Vereins und auch die Notwendigkeit von Trainingsmöglichkeiten, um dieses Niveau halten zu können. Die Unterstützung des Vereins fand im Gremium geschlossene Zustimmung. Auf der Grundlage eines ausgeklügelten Hygiene- und Schutzkonzeptes, das der Verein ausgearbeitet hatte, wollte der Stadtrat einen Trainingsbetrieb erlauben. Auf Wunsch des Vereins findet der im Nichtschwimmerbecken statt. Dem Konzept zufolge werden nur Kleingruppen trainieren. Auch dürfen die Sportler keine Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion aufweisen und müssen beim Training strenge Verhaltensregeln befolgen, etwa beim Betreten und Verlassen des Beckens. "Die Zusatzkosten im Vergleich zu einer Nichtöffnung des Bades betragen rund 65 000 Euro", erläuterte der Bürgermeister. CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner bezeichnete den TSC als Aushängeschild der Stadt und wollte ein Training mit den genannten Voraussetzungen unterstützen. Im Stadtrat wurde das Konzept des Vereins als "mustergültig" beurteilt und der Antrag des TSC unterstützt. "Das TSC-Hygiene- und Schutzkonzept für den Trainingsbetrieb der Leistungsgruppen ist aus Sicht der Stadtwerke schlüssig und umsetzbar", ergänzte auch Stadtwerke-Chef Thomas Kraus. Nach der Befüllung des Nichtschwimmerbeckens kann der Trainingsbetrieb in rund zwei Wochen starten.

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