05.03.2021 - 11:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Gedanken zur Fastenzeit: Mehr Zeit für Gott nehmen

Was bedeutet die Fastenzeit für junge Menschen? Welchen Bezug gibt es für sie? In der Serie "Geistliche Gedanken zur Fastenzeit" kommen Jugendreferentin Lucia Meißner und Abiturientin Maria Sailer zu Wort.

Lucia Meissner ist Jugendreferentin der Katholischen Jugendstelle Tirschenreuth.
von Externer BeitragProfil

Für die diesjährige Fastenzeit haben Maria Wagner, Dekanatsjugendbeauftragte und Pastoralreferentin, und Lucia Meißner von der Katholischen Jugendstelle Tirschenreuth sich ein ganz besonderes Angebot für Jugendliche einfallen lassen. Mit der Aktion "#bei_mir" wollen sie Jugendliche durch die Fastenzeit begleiten. "Bei den Vorbereitungen kommt man dabei nicht umhin, sich damit auseinanderzusetzen, was der Sinn der Fastenzeit eigentlich ist und was sie für mich persönlich bedeutet", erklärt Meißner.

Lucia Meißner, 30 Jahre, Referentin Katholische Jugendstelle Tirschenreuth

Ich habe mich in der diesjährigen Fastenzeit gefragt: Was bedeutet die Fastenzeit für mich? Worauf möchte ich verzichten? Was ist mir wichtig? Doch bevor ich mich intensiver damit auseinandersetze, was ich in meinem Leben fasten könnte, richte ich erst einmal meinen Blick auf mein derzeitiges Alltagsleben. Wenn ich mir meinen Alltag so anschaue, merke ich, dass sich der Fokus stark auf meine Arbeit und den engsten Familienkreis beschränkt.

Zeit für viele Dinge

Das Freizeitleben ist ruhiger geworden. Vieles kann nicht stattfinden, viele liebe Menschen kann ich nicht treffen. Andererseits habe ich auch endlich Zeit für mich, Zeit zur Ruhe zu kommen. Zeit um darüber nachzudenken, was mir wirklich wichtig ist. Zeit meine Lebenswelt und mein Leben bewusster wahrzunehmen. Zeit für das Wesentliche, für das Sinngebende.

So gelange ich bei meinen tiefergehenden Überlegungen über meinen Lebensweg und mein Leben bei Gott an. Ich stelle mir die Frage: Wo habe ich Zeit für Gott? Wie sehr lasse ich ihn an meinem Alltag teilhaben? Es schließt sich der Kreis und ich komme wieder darauf zurück, welchen Vorsatz ich diese Fastenzeit für mich gefasst habe.

Gigantisches Morgenrot

Ich habe mir vorgenommen, Gott wieder mehr in meinem Leben mitzunehmen und ihn vielleicht auf neue, ganz andere Weise zu entdecken. Das „Leben in Fülle“, das er mir verheißt (Joh 10,10), wieder bewusster wahrzunehmen. Darum versuche ich, Gott auch in den noch so unscheinbaren Dingen und Situationen zu erkennen. Dies kann der Sonnenaufgang mit einem gigantischen Morgenrot sein oder auch die kleine Narzisse, die jetzt aufzublühen beginnt und neues Leben verheißt.

Denn möchte nicht Gott, unscheinbar und doch so mächtig, mir seine unendliche Liebe Tag für Tag zeigen? Wie wunderbar erfreuen mich diese Gedanken und am Ende dieser Fastenzeit kann ich mit einem großen Gewinn, einem Mehr, einem wahrlichen „Leben in Fülle“ meinen Alltag neu wagen.

Maria Sailer, 18 Jahre, Abiturientin aus Wiesau

Abiturientin Maria Sailer stammt aus Wiesau.

Maria Sailer, eine Teilnehmerin der Fastenaktion "#bei_mir", stellt die Fastenzeit aus ihrer Perspektive vor: Für die meisten Menschen in meinem Alter oder aus meinem Bekanntenkreis ist Fasten gar kein Thema und passt nicht in ihre Welt. Fasten hat mit Verzicht zu tun und wer verzichtet denn heute schon freiwillig auf etwas?

Viele fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt, wenn sie auf etwas verzichten müssen oder sollen. Die Frage ist, ob es nicht eher umgekehrt ist: Wenn ich auf etwas verzichte, das mir wichtig ist, kann es helfen, den Kopf frei zu bekommen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben – scheinbar banale Dinge – wieder richtig schätzen zu wissen.

Platz schaffen

Aber wieso sollte man es eigentlich nicht mal ausprobieren? Vielleicht brauche ich ja gar nicht unbedingt auf Fleisch oder Süßigkeiten zu verzichten, sondern ich suche mir stattdessen mehr Gelegenheiten, Zeit für mich zu haben – Zeit zum Innehalten, Zeit zum Nachdenken. Ich könnte mir Zeit nehmen, an andere zu denken und ihnen eine Freude zu machen.

Ich persönlich will mir in diesem Jahr, neben dem Verzicht auf Süßes, mehr Zeit für Gott nehmen, das kommt im ganzen Schul- und Abiturstress oft zu kurz. Nicht nur beim kurzen Stoßgebet vor einer Videokonferenz: „Lieber Gott, bitte lass mich heute nicht drankommen“, beim Tischgebet, beim Gottesdienst oder beim Ministrieren will ich Gott begegnen. Ich will mir ganz bewusst Zeit für ihn nehmen. Abschalten und ganz bewusst, wie für eine Verabredung mit einer guten Freundin/einem guten Freund, Zeit nehmen. Nicht an dem Gedanken „Wofür mein Zimmer aufräumen, sieht doch sowieso keiner“ festhalten, sondern ganz bewusst Platz schaffen, räumlich und in meinem Herzen.

Wöchentliche Videokonferenz

Dafür nutze ich unter anderem die Fastenaktion „#bei_mir“ der Jugendstelle Tirschenreuth. Jede Woche nehme ich mir Zeit, mit einem Impuls, Liedern, einer Aufgabe für jede Woche und einer wöchentlichen Videokonferenz mit allen Teilnehmern der Aktion, mein Herz für Gott zu öffnen und mich zu besinnen.

Ich möchte mir Zeit nehmen, darüber nachzudenken, wofür ich alles dankbar bin. Ich möchte die Natur erkunden und Gottes Schöpfung beim Spaziergang, beim Genießen des Frühlings, beim Beobachten eines schillernden Schmetterlings, beim Hören von Vogelgezwitscher oder beim Rauschen eines Bachs immer wieder neu entdecken, die Sonnenstrahlen und den Wind ganz bewusst wahrnehmen. So räume ich Gott mehr Raum in meinem Leben ein. Es wird mir guttun und ich kann Ostern aufgetankt mit frischer und neuer Energie wieder neu erleben.

Ruhestandpriester Siegfried Wölfl machte sich auch Gedanken zur Fastenzeit

Friedenfels

 

 

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