Knapp 20 Zuhörer hatten sich zu der Wahlversammlung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) im "Seenario" eingefunden. Professor Dr. Klaus Buchner, der einzige EU-Abgeordnete der ÖDP, ging zunächst auf das "ungeheure Höfesterben" ein. In den vergangenen 15 Jahren hätten 80 Prozent der Landwirte ihre Tierhaltung aufgeben. Bedenklich sei dabei die Tatsache, dass dennoch 50 Prozent mehr Fleisch produziert worden sei. Dabei verwies unter anderem darauf, dass niederländische Tiermastbetriebe nach Deutschland gezogen seien, um hier Mastvieh zu halten, "weil hier die Gesetze hier lascher sind", so Buchner.
Eine Fluchtursache
Durch diese industrielle Landwirtschaft, die von Subventionen lebe und auf den Export hin getrimmt sei, werde zum einen der Klimawandel forciert und zum anderen die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern kaputt gemacht. "Sicherlich auch eine Ursache für die Flüchtlingswelle", so Buchner. Die industrielle Landwirtschaft, so der Sprecher weiter, produziere 18 Prozent der Gase, die den Klimawandel beeinflussen. "Hier läuft etwas schief", betonte Buchner. Ferner gab er zu bedenken, dass mittlerweile mehr als ein Drittel der 270 verschiedenen Ackerwildkräuter verschwunden sei. Die Masse der Fluginsekten sei um 75 Prozent rückläufig, zudem seien in Bayern 54 Prozent aller Bienen bedroht und 73 Prozent der Flugfalter verschwunden. Dazu müsse man wissen, dass 80 Prozent aller Nutzpflanzen von Insekten bestäubt werden. Buchner sieht die Natur in großer Gefahr, weshalb er auch sehr das Volksbegehren der Bayerischen ÖDP zum Erhalt der Artenvielfalt unterstütze, das unter dem Motto "Rettet die Bienen" läuft. Der Referent forderte eine Rückkehr zu einer nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft, die rücksichtsvoll mit den Ressourcen umgeht.
Umdenken gefordert
Katastrophal seien die Auswüchse der industriellen Landwirtschaft auch für die Gesundheit der Menschen. Schädliche Stoffe wie Glyphosat, die in der industriellen Landwirtschaft großflächig benutzt werden, müssten verboten werden. Die industrielle Landwirtschaft müsse ein Ende haben, die gute bäuerliche Praxis ohne Chemieeinsatz müsse wieder zurückkommen. "Es muss ein Umdenken stattfinden." In Deutschland gebe es 37 Millionen Legehennen, die nach einem oder zwei Jahren geschlachtet werden. Dabei könnten Hühner bis zu zehn Jahre leben, so Buchner. "Turbokühen" mit 20 000 Litern Milchleistung und mehr erteilte er ebenso eine Absage wie der Schweinemast, die unter teils furchtbaren Zuständen stattfinde. Durch den häufigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung würden immer mehr resistente Keime verbreitet. Diesen fielen in Europa jährlich rund 50 000 Menschen zum Opfer, mehr als durch den Straßenverkehr. Messungen hätten ergeben, dass bis zu 80 Prozent des Putenfleisches und bis zu 25 Prozent des Hähnchenfleisches aus Discountern mit antibiotikaresistenten Keimen verseucht sei. Schlimme Werte gebe es auch beim argentinischen Rindfleisch. Die Lage könne sich aber noch weiter verschlechtern, so der Sprecher. Im Jahr 2050 könnte es mehr Tode durch antibiotikaresistente Keime geben als durch Krebserkrankungen, so Buchner.
Am Ende forderte Klaus Buchner die Zuhörer zum Nachdenken und Handeln auf. "Wenn wir nicht demonstrieren und nichts dagegen tun, geht es so weiter wie bisher."














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