26.02.2019 - 17:05 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Glück und Heilung auf vier Pfoten

Lucky, Wilma und Rosa sind herzensgute Tiere, so richtig zum Kuscheln. Dafür sind sie auch ausgebildet, denn die drei haben einen Beruf: Sie sind Therapiebegleithunde.

Die Hunde Lucky, Wilma und Rosa sind einfach zum Kuscheln - und sie haben einen Beruf.
von Ulla Britta BaumerProfil

Lailas Aufgabe war es, Streicheleinheiten an Menschen zu vergeben, die ein Handicap haben, einsam sind, oder Zuwendung brauchen. Aber die Hündin ist leider im vergangenen Jahr verstorben. Für die Therapiebegleithunde-Führerin Cornelia Kisser ist das ein schwerer Verlust.

Sie hängt an ihren Rabauken. Und Laila war wie Lucky (zehn Jahre) und Wilma (fünf Jahre) eine hervorragende Therapiebegleithündin. Rosa (acht Monate), die Neue, kann Laila gewiss nicht ersetzen. Aber die junge Australian-Shepherd-Hündin lernt aufmerksam, was Frauchen und die beiden "Kollegen" Lucky und Wilma ihr beibringen.

Liebe schenken

"Zehn Monate dauert es noch, bis ich Rosa einsetzen kann", erzählt Cornelia Kisser. Die Krankenschwester am Kreiskrankenhaus Waldsassen hat 2015 damit begonnen, ihre Lieblinge zu Therapiebegleithunden auszubilden. "Sitz" oder "Platz", das sollten alle Hunde können.

Kissers sanftmütige Vierbeiner können weit mehr: Sie verschenken Liebe an Menschen, die therapeutisch Zuneigung brauchen oder Ängste überwinden wollen. Das funktioniert sogar bei jemandem, der richtig "Schiss" vor Hunden hat. "Ich gehe davon aus, dass Sie keine Angst haben?", fragt Cornelia Kisser.

"Eigentlich schon. Wenn sie groß sind", will ich antworten. Vorher noch legt der große Kerl "Lucky" vertrauensvoll seinen Kopf in meinen Schoss. Ich bin ganz mutig. Schließlich ist ein Therapiebegleithund gewiss lieb. Lucky lässt sich von mir streicheln, wir werden dicke Freunde.

Krankenschwester

Zwar arbeitet Kisser mit ihren Hunden, aber die 53-jährige Tirschenreutherin hat deshalb ihren Job als Krankenschwester im Krankenhaus Waldsassen nicht an den Nagel gehängt. Jetzt hat sie eben zwei Berufe. Als "Chefin" ihrer Mitarbeiter auf vier Pfoten kann sie ihr Hobby mit dem Nützlichen verbinden. "Die Begleitung kann natürlich keine Therapie ersetzen", betont Kisser, die extra regelmäßig Prüfungen und Tests mit ihren Hunden ablegen muss. Dazu gehört es auch, nach genauen Hygienevorschriften zu arbeiten.

Ziel der Arbeit mit Therapiebegleithunden ist es unter anderem, Ängste abzubauen, Wahrnehmungen zu sensibilisieren, die Motorik eines geschwächten Menschen zu stärken, Gruppengefühle auszulösen oder aber Konzentrationsschwierigkeiten zu lindern. Die Hunde kommen in Kindergärten, Seniorenheimen oder bei Einzelpersonen zum Einsatz. Besonders Kinder, die aus welchen Gründen auch immer "tierisch" Angst vor Hunden haben, gehören zu ihren Klienten. Cornelia Kisser erklärt ihnen - zuerst ohne Hund - wie das Tier reagiert, warum es bellt und was es nicht mag. Nach und nach dürfen Lucky, Wilma und Rosa dazu kommen.

Spiel für Kinder

Cornelia Kisser demonstriert, wie das funktioniert: Lucky und Wilma kriegen einen Schnüffelteppich, in dem Trockenfutter versteckt ist. In meinem sind Murmeln. "Auf die Plätze, fertig, los", beginnt die Suche. Natürlich gewinnen Lucky und Wilma. Cornelia Kisser lacht: "Naja, die waren auch zu zweit." Danach verstecke ich einen kleinen Stoffhund, Lucky sucht ihn. Ein Spiel für Kinder: Sie denken, der Hund sucht sie. Was die Buben und Mädchen total cool finden.

Zu Cornelia Kissers Zielgruppe gehören aber auch demenzkranke Senioren, einsame ältere Menschen, Pflegebedürftige oder Menschen mit Behinderungen. Dafür geht Cornelia Kisser in die Heime, wo sie in Absprache mit den Angehörigen viele Stunden bei ihren Klienten verbringt. "Da gehört man dann fast zur Familie", sagt sie und erzählt, dass oft auch die Angehörigen gern dabei sind, weil ihre Mütter oder Väter in dieser Zeit wieder ein wenig aktiv seien. Cornelia Kisser bringt einfaches Unterhaltungsmaterial mit wie Karten, Wortfindungsspiele oder Würfel. Immer sind die Hunde aktiv eingebunden.

Hunde-Scrabble

Wilma, Lucky und Rosa können sogar Scrabble spielen. Dafür hat ihre "Chefin" einen Futterspender umgebaut. Tippen die Hunde auf den Auslöser, kommen anstatt Futter viele Buchstaben heraus. Die Klienten dürfen Wörter legen, die Hunde bekommen natürlich dennoch ein Leckerli. Kissers Hunde spielen für ihr Leben gern. Ausgebildet zur Therapiebegleitung können sie mit ihrer Spielfreude den Zweibeinern viel Freude bereiten und gleichzeitig heilende Wirkung erzeugen.

Bevor ich gehe, streichele ich Lucky, Wilma und die stürmische Rosa noch einmal. "Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf?" Angst vor Hunden? Das war gestern.

Hintergrund:

Helfende Hunde

„Canis adjuvans – der helfende Hund“ nennt Cornelia Kisser ihre Therapiebegleithunde. Sie bietet unterschiedliche Workshops für Kinder, Einzelpersonen und Senioren, abgestimmt auf individuelle Bedürfnisse. „Der eine will nur nicht mehr nur wegen seiner Hundeangst auf die andere Straßenseite gehen müssen. Der andere möchte sich selbst einen Hund anschaffen“, erklärt Kisser.

In den Workshops wird der richtige Umgang mit dem Tier und dessen Bedürfnisse erlernt. „Ein Hund ist kein Spielzeug. Und er hat Zähne“ betont sie. Kind- oder erwachsenengerecht aufbereitet hat sie Lernmaterial dazu. Zum Beispiel verhalte sich der Postbote völlig falsch, der zappelig wird und „Geh weg, geh weg“ ruft, sobald ein bellender Hund kommt. „Dem Hund auf keinen Fall in die Augen schauen! Wegdrehen und ruhig bleiben“, sagt Cornelia Kisser. Das funktioniere immer, denn dann verliere der Hund das Interesse. Ihre Therapiebegleitung ist präventiv im sozio-emotionalen, im sensomotorischen und im kognitiven Bereich angesiedelt.

Mehr Informationen über „canis adjuvans“ gibt es im Internet auf auf www.canis-adjuvans.de. Weitere Hintergründe über Therapiebegleithunde sind unter anderem auf www.tbdev.de und www.mittt.de zu erfahren. (ubb)

Sagt Cornelia Kisser „Sitz!“, gehorchen ihr drei Vierbeiner gleichzeitig.
Lucky.
Wilma.
Rosa.
Auf Befehl rollt Rosa die Kugel weiter. Dafür gibt es immer ein Leckerli.
Spielerisch gewöhnt Cornelia Kisser ihre Hunde an die Therapiearbeit mit Menschen.
„Das sind scharfe Zähne!“, warnt Cornelia Kisser, dass ein Hund kein Spielzeug sei.

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