Tirschenreuth
30.10.2018 - 18:12 Uhr

Grabplatten oft ein Problem

Die Gottesäcker stehen in diesen Tagen wieder besonders im Blickpunkt. Viele Gräber sind wunderschön geschmückt. Doch was macht eigentlich einen schönen Friedhof aus? Harald Schlöger weiß, worauf es ankommt.

Der Waldfriedhof in Krummennaab ist einer der schönsten im ganzen Landkreis. Bild: Benkhardt
Der Waldfriedhof in Krummennaab ist einer der schönsten im ganzen Landkreis.

Vor drei Jahren hat er bei einem Wettbewerb mit nach dem schönsten Friedhof im Landkreis gesucht. Den Wettbewerb gewann damals Groschlattengrün. Das hatte laut Harald Schlöger auch einen bestimmten Grund. Der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Tirschenreuth: "Würde und Aufenthaltsqualität stehen im Vordergrund." Das hat sich seit dem Wettbewerb 2015 auch nicht geändert. Die Leute müssten sich gerne auf den Friedhöfen aufhalten, auch die Infrastruktur müsse stimmen. Wichtig sind laut Schlöger außerdem schattige Plätze, Bänke für Gespräche und Möglichkeiten zum Rückzug. "Der Friedhof ist ein sensibler Bereich", ist sich Schlöger bewusst. Er und seine Kollegin Manuela Pappenberger wollen die Friedhofsbetreiber sensibilisieren. Der Wettbewerb sei wichtig gewesen, denn Themen rund um den Tod würden oft verdrängt. "Der Friedhof ist ein öffentlicher Raum, jeder hat irgendwie einen Bezug dazu", sagt Schlöger.

Pietätvolle Lösung

Und: "Friedhöfe müssen Aushängeschilder sein." Bei Städtereisen würden Leute oft Friedhöfe besuchen - die in den eigenen Ortschaften dagegen eher weniger. Um die Menschen in ihrer Trauer nicht alleine zu lassen, sollten Gottesacker eine gewisse Aufenthaltsqualität bieten.

In der Bestattungskultur habe sich viel geändert: Wir leben in einer pluralen Gesellschaft, große Familien wie früher gebe es nicht mehr. Besonders auffällig: Die Tendenz zu Urnenbestattungen steigt. "Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass eine Urnenwand die schlechteste Lösung ist - eine individuelle Gestaltung ist schwierig", sagt Schlöger. Besser sei es, Urnengräber wie Kindergräber anzulegen. "Das ist auch für die Zukunft eine pietätvolle Lösung." Ein gesegneter Bereich auf einem Gottesacker für verrottbare Urnen wäre Schlögers Meinung nach die beste Lösung. So sei weiterhin individuelle Trauer möglich.

Gute Beispiele für gelungene Gottesäcker hat die Jury, zu der neben Schlöger auch seine Kollegin Manuela Pappenberger, der evangelische Pfarrer Dirk Grafe (Wirbenz) und sein katholischer Kollege Georg Flierl (Tirschenreuth), Georg Raithel, Max Kirchberger, Thomas Deubzer und Robert Schön gehörten, in den Friedhöfen Groschlattengrün (erster Platz), Krummennaab (zweiter Platz) sowie Brand, Trevesen und Kastl (alle dritter Platz) gefunden. Um den Friedhof in Groschlattengrün kümmern sich Mitglieder der Kirchengemeinde und der Ortschaft. Grüne Grabzwischenfelder, ein markanter Baumbestand und der Verzicht auf Grabsteine bestimmen das Bild des Gottesackers.

Schlöger weiß auch, dass die Vorstellungen über einen Friedhof von Ort zu Ort und auch von Generation zu Generation variieren. "Wir als Gärtner sagen immer: 'Auf keinen Fall Grabplatten'." Die seien nämlich insofern schwierig, weil darauf abgestellte Blumenschalen öfter gegossen werden müssten - vor allem in heißen Sommern wie dem diesjährigen. Besser sei es, die Pflanzen direkt in die Erde zu setzen, da sie dann nicht so schnell austrocknen.

Weiter seien Koniferen für die Friedhofsbepflanzung nicht geeignet, besser seien langsam wachsende Sachen wie Buchs, Zwergeiben oder Rosen. "Das schaut auch edel aus in Kombination mit Metallkreuzen", rät Schlöger. Außerdem sei die Symbolik nicht zu vergessen: "Rosen stehen für die Liebe (rot) oder für die Reinheit (weiß)." Der Kreisfachberater rät auch zu Bodendeckern, die kostengünstig und robust sind, zum Beispiel den Husarenknopf beziehungsweise das Aztekengold. Vorsicht sei bei stark gefüllten Pflanzen geboten: Die würden eben bei Regen leicht verkleben. Herbstchrysanthemen, Heben oder Eriken gehörten zu den Klassikern. Wichtig sei eine Wechselbepflanzung. Besondere Friedhöfe sollten weiterhin ihren Charakter behalten, betont Schlöger.

Aufgelassene Gräber

Überlegungen zu Friedwäldern gibt es vonseiten des Kreisfachberaters ebenfalls: Die Tendenz sei, eine solche Bestattungsart in Friedhöfe mit aufzunehmen. Oft würde man Schlögers Ansicht nach eine Erweiterung eines Gottesackers auch gar nicht brauchen. "Viele Gräber werden aufgelassen", weiß er. Diese Lücken dann mit Baumbepflanzungen zu schließen, sei schwierig, "weil Bäume strukturieren sollen und nicht willkürlich gesetzt werden". Die beste Lösung sei es, die Grabstellen für Urnen zu erhalten, "oder eben als Grabfelder", so Schlöger. Weiter betont er: "Auf jeden Fall keine Mauern oder Stelen."

Weiter hat der Kreisfachberater einen Tipp: Auf der Internetseite des Landkreises Tirschenreuth gibt es im Bereich "Wettbewerbe" die Kategorie "Friedhofwettbewerb 2015 - Friedhöfe im Wandel". Dort steht ein Flyer zum Download bereit. "Die Broschüre sollte man lesen, bevor man sich für ein Grab entscheidet", rät Schlöger. Darin finden sich Tipps rund um die Grabgestaltung. www.kreis-tir.de/verwaltung-organisation/fachbereiche/gartenkultur/wettb...

 
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