16.06.2019 - 16:03 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ein griffiges Image entwickeln

Landvermessung, heute sagt man Geodäsie, gibt es schon seit Jahrhunderten. Längst geht es dabei nicht mehr nur um Grundstücksflächen und Streckenvermessung. Das EMI-Forum in Tirschenreuth machte dies deutlich.

Geoinformatik- und Landmanagementstudenten sowie OTH-Professoren und Verteter des ALE trafen sich zum EMI-Forum in Tirschenreuth.
von Siegfried BühnerProfil
Referenten beim EMI-Forum (von links): Bürgermeister Franz Stahl, Dr. Wolfgang Weber, Professor Ulf Kreuziger, ALE-Leiter Thomas Gollwitzer und Professor Ralf Drescher.

Unter dem Motto "Die Vermessung der Welt" kamen Studenten und Professoren des Studiengangs Geoinformatik und Landmanagement der OTH Amberg-Weiden zum EMI-Forum ins Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz. Das Amt gehört seit gut einem Jahr zu den innovativen Lernorten der OTH Amberg-Weiden.

EMI-Forum, das ist eine Veranstaltungsreihe des Elektro- und Maschinenbauingenieurbereichs der OTH, die sich immer wieder neuen Schwerpunktthemen widmet. Diesmal ging es um die Geodäsie vor dem Hintergrund der Entwicklung ländlicher Räume in der nördlichen Oberpfalz. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Referat des Wirtschaftsgeografen Wolfgang Weber von der OTH Amberg-Weiden über die wirtschaftliche Entwicklung der nördlichen Oberpfalz und über die sich daraus ergebenden Herausforderungen und Zukunftsperspektiven.

Überregional werben

Der wichtigste Satz im Referat fiel ganz zum Schluss. "Ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung ist das Regionalbewusstsein", stellte Weber fest. Dabei empfahl er, auch darüber nachzudenken, für die Region ein griffiges Image zu entwickeln, mit dem dann auch überregional geworben werden könne. Dass die nördliche Oberpfalz auf ihre Entwicklung in den zwei zurückliegenden Jahrzehnten mit Stolz blicken könne, machte Weber anhand zahlreicher Fakten deutlich. Der Strukturwandel der Wertschöpfung aus der Porzellan-, Glas-, und Textil-/Bekleidungsindustrie-Region mit vielen Helferberufen heraus sei längst abgeschlossen. Längst gebe es zahlreiche High-Tech-Branchen. Ein grenzüberschreitender gemeinsamer Wirtschaftsraum sei entstanden.

Zukunftsrisiken

Entlang der A 93 sei eine regelrechte Kette von Industriestandorten entstanden. Wohnortnahe Arbeitsplätze zählte Weber zu den Erfolgsgeheimnissen der wirtschaftlichen Entwicklung in der nördlichen Oberpfalz. Die Beweise für die positive Entwicklung lieferten die bayernweit niedrigsten Arbeitslosenquoten und das höchste Beschäftigungswachstum. Nicht umsonst spreche der Raumordnungsbericht 2018 vom "neuen Optimismus in den ländlichen Räumen". Zukunftsrisiken gebe es durch die vielen unbesetzten Ausbildungsplätze, auch bedingt durch den demografisch bedingten Schrumpfungsprozess der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen bis zum Jahr 2035 um 25 Prozent. Nach wie vor sei die Region industriell geprägt mit Schwerpunkten auch in der Automobilzulieferindustrie. Die Umstrukturierung hin zur Elektromobilität berge erhebliche Risiken, betonte Weber.

Mit vielen Empfehlungen schloss Weber seinen Vortrag ab. In kommunalen und überregionalen Verbünden sowie in Innovationsnetzwerken sieht er einen "Erfolgsfaktor der Zukunft". Jugend müsse zur wesentlichen Zielgruppe des Regionalmarketings werden. Digitalisierung und künstliche Intelligenz seien Chancen und gleichen Standortnachteile zu Großstädten aus. Insgesamt gelte, je wirtschaftlich erfolgreicher eine Region ist, desto besser werde sie den demografischen Wandel bewältigen. Wie sich vor dem Hintergrund der Entwicklung der nördlichen Oberpfalz auch die Geodäsie und die Aufgabenwahrnehmung beim ALE verändert haben, erläuterte dessen Leiter Thomas Gollwitzer. Er sprach dabei von einem "ökonomischen, ökologischen und sozialen Dreiklang". Der politische Auftrag sei sehr breit, "fast sind wir für alles im ländlichen Raum zuständig" meinte Gollwitzer.

220 Vorhaben

14,8 Millionen Euro habe seine Behörde im Jahr 2018 ausgegeben, so Gollwitzer. Derzeit würden 220 Vorhaben betreut. Kernidee aller Vorhaben sei der Gedanke einer integrierten ländlichen Entwicklung. Als Beispiele wurden neben ländlichen Entwicklungskonzepten Ökomodellregionen, aber auch Nahversorgungsprojekte, Uferschutz und Hochwasserschutz gezeigt. Mit wissenschaftlichen Expertenvorträgen über Geodäsie von den OTH-Professoren Ralf Drescher und Ulf Kreuziger wurde das EMI-Forum abgeschlossen.

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