02.09.2019 - 17:39 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Heimatminister verleiht Preis an Tirschenreuther P-Seminar

Das P-Seminar im Fach Deutsch des Stiftland-Gymnasiums erhält am Dienstagabend den Dialektpreis 2019. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker überreicht den Oberpfälzern und acht weiteren Preisträgern die Auszeichnung in München.

Gemeinsam erarbeiteten die damaligen Elft- und Zweitklässler ein Memory: Auf einer Karte steht das Wort geschrieben, auf dem Gegenstück ist ein Bild des Gegenstands zu sehen.
von Lena Schulze Kontakt Profil

„Wir sind richtig stolz auf unsere Arbeit. Die Auszeichnung toppt das alles noch“, strahlt Oberstudienrätin Alexandra Härtl, Leiterin des Praxis-Seminars am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth. Sie erhält heute mit ihren ehemaligen Schülern in München in der Residenz von Minister Albert Füracker den Dialektpreis des Finanz- und Heimatministeriums.

Zum dritten Mal zeichnet das Ministerium Personen oder Projekte mit diesem Preis aus. Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Marion Schieder, die aus Pleisdorf (Windischeschenbach) stammt. Der Preis würdigt besondere regionale Verdienste und Engagement im Bereich Dialektpflege und -forschung. Unter den insgesamt neun Preisträger ist neben dem Praxis-Seminar (P-Seminar) des Stiftland-Gymnasiums auch Dialektologe Prof. Dr. Anthony Rowley. Die Gymnasiasten lernten ihn bei den Johann-Andreas-Schmeller-Tagen in der Kreisstadt kennen. Dort stellte die Gruppe ihr Projekt vor Fachpublikum vor.

Gymnasiasten zu Besuch in der Grundschule:

Tirschenreuth

Das P-Seminar im Fach Deutsch ging über die 11. und 12. Klasse. „Ich hatte überlegt, etwas mit Dialekt anzubieten“, sagt Härtl. Insgesamt nahmen am Seminar 13 Schülerinnen und ein Schüler teil. Gemeinsam entstand das Thema „Dirscharad – dou samma daham“. Ziel war es, herauszufinden, wie es um den hiesigen Dialekt bestellt ist. „Am besten geht das bei Kindern, weil die reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“, erklärt Härtl die Kooperation mit der damaligen Klasse 2 b der Mariengrundschule in Tirschenreuth. Dessen Konrektorin, Martina Reichl, ist zudem eine sehr gute Freundin der Gymnasiallehrerin.

Nach einer Einführung in die Dialektologie mit speziellem Augenmerk auf die Mundart der Region ging es an die Projekt-Konzeption. An zwei Vormittagen im Juli 2018 erforschten die Gymnasiasten gemeinsam mit den Zweitklässlern bei mehreren Mini-Projekten den Dialekt. Beispielsweise verfassten die Schüler Gedichte oder Witze in Mundart, gestalteten ein Memory und „übersetzten“ das Schullied „Ich bin anders, du bist anders“. Nicht-Dialektsprecher, wie etwa Kinder mit Migrationshintergrund und Zugezogene, erhielten einen Sprachkurs. „Uns war wichtig, dass die Mini-Projekte so gestaltet sind, dass sich jeder beteiligen kann“, berichtet die Seminar-Leiterin.

Im Schuljahr 2018/2019 erarbeiteten die Abiturienten ein Büchlein, in dem sie ihre Ergebnisse präsentieren. Der Teil des „Übersetzens“ nahm die meiste Arbeit in Anspruch: „Es war sehr schwer eine einheitliche, aber verständliche und lesbare Verschriftlichung zu finden.“ Teilnehmer und Sponsoren erhielten das Buch als Andenken. „Dialekt ist Muttersprache, das verbindet mit der Heimat“, ist sich Härtl sicher. Sie selbst spricht in der Familie Dialekt. In der Schule steht dann eher „Hochsprache“ auf der Tagesordnung. Dass die Schüler selbst einen anderen Blick auf ihren Dialekt haben, sei ein wichtiges Ziel. „Sie haben gelernt, dass man sich nicht schief anschauen lassen muss, wenn man Dialekt spricht.“ Härtl gefällt die Idee, die Schüler mit beidem in die Welt zu entlassen: „Zum einen sind sie vorbereitet auf die globalisierte Welt, zum anderen wissen sie, wo sie herkommen.“

Wer „Dirscharad – dou samma daham“ für den Dialektpreis vorgeschlagen hat, weiß sie nicht. Auf die Preisverleihung sind sie und elf ehemalige Abiturienten sehr gespannt. „Es freut mich narrisch, dass so viele aus dem Seminar mitfahren können“, sagt Härtl. Nur drei Leute seien verhindert. Einige ehemalige Schüler hätten erst am Montag, 2. September, ihre Ausbildung begonnen – und mussten am zweiten Arbeitstag bereits freinehmen. Die Arbeitgeber seien sehr kooperativ gewesen und hätten die neuen Azubis freigestellt. Erst im Juli erhielt Härtl, die aus dem Stiftland stammt und in Weiden lebt, einen Anruf aus dem Finanz- und Heimatministerium: Das P-Seminar wurde für den Dialektpreis auserwählt. Beim Schulfest trommelte sie dann die Abiturienten zusammen und informierte sie.

Die Marien-Grundschüler mit ihrer Lehrerin Martina Reichl (links) sowie das P-Seminar Deutsch unter der Leitung von Alexandra Härtl (rechts) erforschten gemeinsam den Dialekt, Aussprachen und Redewendungen.
Witze im Dialekt:

Peter schaut zou wej sei gloine Schwesta as a Pfützn Wassa drinkt. "Des derfst niad dou! Davoa koa ma krank wern, wal in da Pfützn Bakterien san." Draf sagt d'Schwesta: "Dej san alle doud. Ich bin grod mim Roller dribagfohan."

Zwoa Kina laffn an an astricknatn See vobei. Sagt des oine zum anan: "Schau amal, da See is wech!" Sagt as ana Kind: "Des wor bestimmt a Seereiba."

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