13.10.2021 - 13:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Helfer vor Ort blicken sorgenvoll in die Zukunft

Die erste Tagung der Bereitschaftsleiter im BRK-Kreisverband Tirschenreuth nach den Wahlen im Frühjahr hatte vor allem die Sorgen der Ersthelferstandorte zum Thema. Finanzielle, aber auch personelle Engpässe belasten die Einsatzkräfte.

Die Helfer vor Ort sind meist vor Notarzt und Rettungswagen am Einsatzort. Eine neue Regelung bedroht nun kleinere HvO-Standorte.
von fksProfil

Nur noch Helfer-vor-Ort-Standorte mit mindestens vier Helfern sollen gemäß der ab Januar 2022 geltenden Ergänzungen und Hinweise des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz bei einer Alarmierung berücksichtigt werden. Unverständlich reagieren die BRK-Bereitschaftsleiter im Landkreis Tirschenreuth bei der Herbsttagung auf diese Regelung, da vor allem kleine Standorte, die von ein oder zwei Personen in einer kleineren Ortschaft besetzt werden, dies nicht leisten können.

Auch Kreisbereitschaftsarzt Dr. Bertram Völkl sieht das als problematisch: "Die wichtigste Hilfe ist die, die schnell vor Ort ist", sagte er. Vor allem bei reanimationspflichtigen Patienten sei jede Minute entscheidend, in der früher mit einer Herzdruckmassage begonnen werden kann. Verhandlungen mit dem Zweckverband um diese Mindestanforderung seien gescheitert, berichtete BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl. Wie es künftig um die schnelle Erste Hilfe bei diesen kleineren Standorten bestellt ist, sei derzeit noch unklar. Schedl empfiehlt den betroffenen Helfern vor Ort (HvO) diese Problematik auch mit den Bürgermeistern und Gemeinderäten zu besprechen, da dies nur auf politischer Ebene gelöst werden könne. Insgesamt gibt es im Landkreis 17 HvO-Standorte: Bärnau, Erbendorf, Falkenberg, Fichtelnaabtal, Friedenfels, Fuchsmühl, Immenreuth, Konnersreuth, Krummennaab, Mähring, Mitterteich, Bad Neualbenreuth, Pechbrunn, Plößberg, Poppenreuth, Waldsassen und Wiesau. Nach aktuellem Stand wären von der neuen Regelung Falkenberg („Wobei diese schon sehr eng mit Wiesau zusammenarbeiten“), Friedenfels, Mähring und Pechbrunn betroffen, wie Schedl auf Nachfrage erläuterte.

Problem: laufende Kosten

Außerdem stellten Kilian Fraunholz und Manuel Maierhöfer, der bei der Herbsttagung erneut als Beauftragter für HvO bestellt wurde, heraus, dass die HvO-Standorte, die über ein Einsatzfahrzeug verfügen, die laufenden Kosten nur schwerlich bewältigen können. Bislang gab es eine Kostenpauschale von fünf Euro je Einsatz vom Kreisverband. Fraunholz und Maierhöfer stellten exemplarisch für die fünf einsatzstärksten Standorte die Kosten heraus. Allein für Steuer, Versicherung und Kraftstoff würden mehr als 1500 Euro jährlich zu Buche stehen. Für dieses Jahr erwarten manche Bereitschaften knapp 1000 Euro Defizit, das anderweitig erwirtschaftet werden müsste.

"Wir wollen uns nicht an der Arbeit bereichern", schloss Maierhöfer seinen Vortrag, "aber wir sollten uns Gedanken um eine andere Art der Refinanzierung machen, um die Grundkosten bezahlen zu können." Schedl nahm sich dieser Bitte an und schlug vor, dass die laufenden Kosten gegen Nachweis komplett vom Kreisverband übernommen werden können, Reparaturen und Ersatzbeschaffung jedoch nicht. Dieser Vorschlag wurde von den Bereitschaftsleitern dankend angenommen. Dafür entfällt die Einsatzpauschale.

Mehr landkreisweite Übungen

Zuvor hatte Kreisbereitschaftsleiter Christian Stahl in den Abend eingeführt. Ihm war es eine große Freude "neue und alte Gesichter" in diesem Gremium zu sehen. Er überreichte den im Frühjahr gewählten Bereitschaftsleitern und Stellvertretern die Ernennungsurkunde. Ganz besonders freute sich Stahl dem seit 1979 tätigen Hugo Hoffmann die Urkunde zu überreichen. Dieser sei nun im 43. Jahr an der Spitze der BRK-Bereitschaft Konnersreuth.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer über die Ziele während der Wahlperiode bis 2025. Neben Wünschen nach mehr Kommunikation zwischen Kreisverband, Kreisbereitschaftsleitung und den lokalen Bereitschaftsleitern, waren vor allem Fortbildungen ein viel genanntes Thema. So schlug Kristina Konz, Bereitschaftsleiterin aus Kemnath, vor, wieder mehr landkreisweite Übungen abzuhalten: "Es muss ja nicht immer gleich ein Zugunglück sein", gab sie zu bedenken, denn auch kleinere Übungen seien sehr wertvoll für die Ehrenamtlichen. Auch die Fachdienste könnten mit einbezogen werden, da diese nur wenige größere Übungsmöglichkeiten hätten.

Zudem bedauerten die Bereitschaftsleiter mehrheitlich, dass aufgrund der Pandemie die Helfertage in diesem und im Vorjahr nicht stattfinden konnten. Diese seien immer ein Highlight in der Fort- und Weiterbildung gewesen. Aufgrund der aktuellen Ereignisse wurde auch vorgeschlagen, sich intensiver mit Vorkehrungen im Katastrophenschutz zu beschäftigen.

Erste-Hilfe-Kurse gefragt

Richard Wagner ist für die Ausbildung im Kreisverband zuständig. Er verwies auf die große Nachfrage nach Fort- und Weiterbildungen, dennoch fehlen ihm Ausbilder, die diese übernehmen könnten: "Wir bieten an, was wir können. Aber schaut doch bitte bei euch in den Bereitschaften nach geeigneten Ehrenamtlichen, die hierfür geeignet sind. Gerne werden wir diese fördern." Erfreulich berichtete Wagner zudem, dass in diesem Jahr bereits mehr als 1200 Teilnehmer bei über 120 Erste-Hilfe-Kursen zu verzeichnen waren. "Bis Weihnachten sind wir voll", resümierte er. Nicht nur Führerscheinanwärter, auch Betriebe haben einen hohen Bedarf an diesem Kurs.

Sven Lehner, Bereitschaftsleiter aus Erbendorf und stellvertretender Kreisgeschäftsführer, bedankte sich bei allen Einsatzkräften, die auf der Luisenburg tätig waren. Von insgesamt 260 Diensten wurde vom Kreisverband Tirschenreuth 120 besetzt. Außerdem wies er auf die Sammlungswoche vom 18. bis 24. Oktober hin, in der beispielsweise Spendenaufrufe zur Unterstützung der Bereitschaften verteilt werden können.

Klaus Dvorak, Leiter Rettungsdienst, berichtete von der Umstellung auf digitale Alarmierung. Endgeräte würden Ende dieses Jahres im Landkreis erwartet. Zudem seien weitere Rettungswagen des Sonderbedarfes in diesem Jahr ausgetauscht worden.

500 Tage Corona im Landkreis Tirschenreuth: BRK zieht Bilanz

Tirschenreuth
BRK-Kreisbereitschaftsleiter Christian Stahl (stehend) freute sich, die Bereitschaftsleiter endlich wieder treffen zu dürfen.
Gemeinsam diskutierten die Bereitschaftsleiter und deren Stellvertreter Themenschwerpunkte für die kommenden fünf Jahre.

"Die wichtigste Hilfe ist die, die schnell vor Ort ist."

Kreisbereitschaftsarzt Dr. Bertram Völkl

Info:

Kreisverband Tirschenreuth sehr aktiv bei Absicherung der Luisenburg-Festspiele

Bei den diesjährigen Luisenburg-Festspielen galt es 260 Sanitätsdienste zu besetzen. Diese teilen sich die BRK-Kreisverbände (KV) in Nordostbayern untereinander auf. Mit 120 Einsätzen waren die Tirschenreuther die aktivsten. Innerhalb des Landkreises stach Erbendorf besonders hervor.

  • KV Tirschenreuth: 120 Einsätze (46,2%)
  • KV Wunsiedel: 89 Einsätze (34,3%)
  • KV Bayreuth: 19 Einsätze (7,3%)
  • DLRG: 18 Einsätze (6,9%)
  • KV Hof: 11 Einsätze (4,2%)
  • Bereitschaft Erbendorf: 48 Einsätze
  • Bereitschaft Kemnath: 23 Einsätze
  • Jugendrotkreuz Erbendorf: 19 Einsätze
  • Bereitschaft Waldsassen: 17 Einsätze
  • Bereitschaft Wiesau: 8 Einsätze
  • Bereitschaft Bärnau: 4 Einsätze
  • Wasserwacht Erbendorf: 1 Einsatz

 

 

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