31.03.2020 - 15:53 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Hilfe für Unternehmen im Landkreis Tirschenreuth

Sehr viele Unternehmen im Landkreis Tirschenreuth leiden bereits unter den Auswirkungen der Coronakrise. Das merken auch Wirtschaftsförderer Volker Höcht und Bildungsmanager Hilmar Fütterer in ihrer täglichen Arbeit.

Wirtschaftsförderer Volker Höcht hat wie viele im Landratsamt mittlerweile einen Spuckschutz auf seinem Schreibtisch. Zudem trägt er eine Schutzmaske.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die beiden arbeiten seit Mitte März durchgehend an zwei Hotlines (09631/88-706 oder -719), um den Unternehmen und Selbstständigen bei Fragen zur Verfügung zu stehen. Auch am Wochenende sitzen sie an den Telefonen. Verzichten müssen sie auf ihren Kollegen Florian Rüth. Der Regionalmanager wurde an die Koordinierungsstelle nach Neuhaus abgestellt.

"Wir kümmern uns nicht nur um Arbeitgeber, sondern nehmen jede Sorge ernst und geben diese entsprechend weiter", erklärt Volker Höcht. In den ersten beiden Wochen, vor allem kurz nach Ankündigung der Ausgangsbeschränkungen in Bayern und der Einschränkungen bei der Berufsausübung und Geschäftsöffnungen, erkundigten sich die Firmeninhaber laut Fütterer meist konkret um finanzielle Ersthilfemaßnahmen. Weitere Fragen waren: Darf ich meinen Beruf ausüben? Darf ich mein Geschäft öffnen? Was ist erlaubt, was nicht?

Es landeten auf den Arbeitgeberhotlines aber auch sehr viele Menschen mit gesundheitlichen Anliegen, die die beiden dann an die Hotline des Gesundheitsamts verweisen mussten. "Zu diesen Fragen können und dürfen wir keine Auskunft geben, die anderen waren Arbeitnehmer mit unterschiedlichsten Beschäftigungsverhältnissen, die wir zum Beispiel an die Agentur für Arbeit verweisen mussten", sagt der Bildungsmanager.

Als Tschechien die Grenzen schloss und die Pendlerregelung erließ, waren die Arbeitgeber-Hotlines wieder sehr stark beansprucht. In vielen Fällen konnten Fütterer und Höcht mit Informationen und über die Website der Wirtschaftsregion (wirtschaftsregion-tirschenreuth.de) "schnell, unkompliziert und praktisch weiterhelfen". Auf der Homepage sei alles sehr breit gebündelt. Vor einem etwaigen Anruf sollten sich die Unternehmer hier informieren. Zudem würden IHK, HWK und Agentur für Arbeit ein breites Angebot zur Verfügung stellen.

Die "Brot- und Butterarbeit" der Arbeitgeber-Hotlines bestehe darin, mögliche Hilfen aufzuzeigen und Auskunft zu geben zu Fragen, was darf ich und was nicht. Noch einmal verweist Höcht auch auf die Übersicht über frei Unterkünfte für tschechische Pendler. Das Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald und die Wirtschaftsförderung haben diese Informationen zusammengefügt. Abrufbar sind sie auf der Landkreis-Homepage (www.kreis-tir.de). Ein weiteres Anliegen ist es Höcht, noch einmal auf die geltenden Hygienemaßnahmen und Abstandsvorgaben hinzuweisen. Diese sollten auch die Kunden bei noch geöffneten Geschäften und Betrieben, beispielsweise im Lebensmitteleinzelhandel, strikt einhalten.

Im Blickpunkt:

Tschechische Pendler bei Schott

Mit den strikten Beschränkungen für tschechische Pendler hat im Landkreis Tirschenreuth unter anderem die Schott AG in Mitterteich zu kämpfen. Wobei der Glaskonzern schon vorausschauend gehandelt hatte. Er hatte schon vor über zwei Wochen erste Hotelzimmer gebucht, denn damals entstanden schon die ersten langen Pendlerschlangen an den Grenzen. Deshalb gab es laut Pressemitteilung für die tschechischen Mitarbeiter ein freiwilliges Angebot, nach der Schicht auf Konzernkosten einfach in Deutschland zu bleiben. Seit der Grenzschließung für Tagespendler wurden die Zimmer-Kontingente noch einmal enorm aufgestockt. "Uns wurden von der Stadt, dem Kreis und von privat Unterkünfte angeboten, die Kolleginnen und Kollegen aus Tschechien gut unterzubringen. Da gibt es eine große Solidarität hier in Mitterteich", lobt Standortleiter Stefan Rosner.

Wirklich überwältigt sei er von der Bereitschaft, "für Schott da zu sein. Da kann man nur immer wieder Danke sagen." Zwei Drittel der tschechischen Kollegen seien in Deutschland geblieben als der Schlagbaum runterging. Die Mitarbeiter wohnen im Umkreis von 20 Kilometern ums Werk in Hotels, Ferienwohnungen oder Pensionen. Schott übernehme die Unterbringungskosten.

Der Konzern würde es aber begrüßen, wenn die Politik den Mitarbeitern einen Obolus anbieten würde, wie das etwa bereits in Sachsen der Fall ist. Dort unterstützt man gebliebene Pendler, die gegen die Coronakrise arbeiten. "Wir würden diese Kriterien erfüllen, denn Schott arbeitet für die Pharmabranchen. Ohne uns würden weltweit keine flüssigen Medikamente mehr im Krankenhaus ankommen, weil die Verpackung aus Spezialglas fehlt", macht Rosner deutlich. (rti)

Hintergrund:

Schott und die Ausgangssperre

Seit fast zwei Wochen gilt im Stadtgebiet von Mitterteich eine Ausgangssperre. Schott-Standortleiter Stefan Rosner attestiert dem Landratsamt Tirschenreuth in diesem Fall Weitsicht. "Wir haben von Anfang an begrüßt, dass es im Corona-Hotspot Mitterteich strenge Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung - und damit zum Schutz unserer Mitarbeiter - gegeben hat. Die letzten Tage und Wochen haben gezeigt, dass die Lagebeurteilung seitens der Behörden richtig war", macht Rosner deutlich. Nur der enge Austausch zwischen Innenministerium, Landratsamt und Wirtschaft habe den für Schott wichtigen Dreiklang ermöglicht: Strenge Regeln, Schutz für alle Mitarbeiter und trotzdem eine gute Produktionsleistung. (rti)

Firmen kämpfen um tschechische Mitarbeiter:

Tirschenreuth

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